Hiroshima Castle - Ein Besuch auf der Karpfenburg

Hiroshima Castle – Ein Besuch auf der Karpfenburg

Wer Hiroshima zum ersten Mal besucht, der wird sich sicherlich zu aller erst den Peace Memorial Park mit dem Museum und den A-Bomb-Dome anschauen. Doch auch Hiroshima Castle ist unbedingt einen Besuch wert. Bei unserem zweiten Besuch in der Stadt hatten wir endlich auch Gelegenheit dazu, uns die Karpfenburg genauer anzuschauen. Hier gibt es alle Infos und meine Tipps für Euren Besuch.

Wie komme ich nach Hiroshima und zu Hiroshima Castle?

Hiroshima liegt im Süden der Regio Chugoku auf der Hauptinsel Honshu. Ihr könnt die Stadt problemlos mit dem Shinkasnen erreichen. Von Tokio aus seid Ihr etwa 5 Stunden unterwegs, von Kyoto aus etwa 2 Stunden. 

Vom Bahnhof Hiroshima aus habt Ihr verschiedene Möglichkeiten zur Hiroshima Castle zu kommen. Wenn Ihr Euren JR-Pass* weiter nutzen möchtet, dann steigt in die JR Kabe Line in Richtung Aki-Kameyama um und fahrt mit dieser bis zur Haltestelle Shin-Hakushima. Von dort aus ist es noch etwa 15 Minuten zu laufen. 

Alternativ dazu könnt Ihr auch die niedliche Straßenbahn von Hiroshima ausprobieren und mit den Linien 1,2 und 6 bis zur Haltestelle Hachobori fahren. Auch von dort sind es etwa noch 15 Minuten zu laufen. Wer nicht gut zu Fuß ist, der kann auch den Bus in Richtung Bishamondai Chushajo nehmen und am Godochosha-mae, dem Joint Government Building, aussteigen. Vor dort aus sind es nur noch 5 Minuten Fußweg. Für diese beiden Optionen benötigt Ihr ein Suica* oder Pasmo-Card* oder entsprechend Bargeld.

Wie komme ich zu Hiroshima Castle
Wie komme ich zu Hiroshima Castle

Ein bisschen Geschichte

Hiroshima Castle, die auch als Karpfenburg (rijō) bezeichnet wird, wurde ursprünglich 1590 von Mōri Terumoto errichtet. Bei der Grundsteinlegung gab es die Stadt Hiroshima noch nicht und das Gebiet um die Burg wurde Gokamura, fünf Siedlungen, genannt. Als mit dem Bau der Hiroshima Castle begonnen wurde, musste ein eindrucksvollerer Name für die neue Stadt her. Einer Geschichte nach stammt der Teil „Hiro“ von Ōe no Hiromoto, einem Vorfahr der Mōri-Familie, und „Shima“ von Fukushima Motonaga, der Mōri Terumoto bei der Wahl des Standorts für die Burg geholfen hatte, ab. Anderen Schilderungen zufolge leitet sich der Name Hiroshima – der wörtlich übersetzt „weite Insel“ bedeutet – von den unzähligen Inseln im nahe gelegenen Otagawa-Delta ab.

14 Feudalherren herrschten bis zur Meiji-Restauration 1869 auf Hiroshima Castle. Und während danach andere Burgen zerstört und Demontiert wurden, wurde Hiroshima Castle als militärische Einrichtung umgebaut und während des Ersten Japanisch-Chinesischen Kriegs 1894 bis 1895 bezog der Kaiserliche Generalstab hier Stellung. Doch genau das sollte letztendlich doch zur Zerstörung der Burg und der ganzen Stadt beitragen.

Geschichtliches zu Hiroshima Castle
Geschichtliches zu Hiroshima Castle
Geschichtliches zu Hiroshima Castle

Als am 06. August 1945 die erste Atombombe der Welt über der Stadt abgeworfen wurde, wurde auch Hiroshima Castle komplett zerstört. Die 1958 errichtete Rekonstruktion beherbergt heute ein Museum, in dem man viel über die Geschichte der Stadt und der Burg erfahren kann.

Und warum heißt Hiroshima Castle nun auch „Karpfenburg“? Das hat eigentlich zwei Gründe. Zum einen wurde das Gebiet auf dem die Burg errichtet wurde als Koi no ura bezeichnet. Der Koi gab der Karpfenburg zum ersten Mal ihren Namen. Zudem ist der japanische Koi-Karpfen ein wichtiges Symbol für den Wiederaufbau und das Wiedererstehen der Stadt nach dem Atomschlag geworden. Die Burg selbst stand zwar am äußeren Rand der Zerstörungszone der Atombombe, doch das Fundament wurde bei der Explosion so stark beschädigt, dass sie trotzdem zusammenbrach – und trotzdem ist sie heute wieder Teil des Stadtbilds von Hiroshima. 

Hiroshima Castle - ein bisschen Geschichte
Hiroshima Castle - ein bisschen Geschichte
Hiroshima Castle - ein bisschen Geschichte

Ein Spaziergang im Park von Hiroshima Castle

Hiroshima Castle ist wie Matsumoto Castle eine Niederungsburg. Früher verfügte die Burg über drei konzentrische Burggräben. Die beiden äußeren Burggräben wurden allerdings im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zugeschüttet und sind heute nicht mehr zu erkennen. Doch um die Burganlage zu betreten muss man immer noch einen der alten Burggräben bezwingen. Geht man von Süden her durch das Haupttor, dann sind es sogar zwei Brücken, die man überschreiten muss.

Der zweite Zugang zum Park von Hiroshima Castle befindet sich auf der östlichen Seite des Parks. Hier geht Ihr durch das Great Torii of Hiroshima Gokoku Shrine. Leider war dieser Zugang bei unserem Besuch temporär geschlossen. Da nur dieser von Fahrzeugen genutzt werden kann, hatten wir es dafür schön ruhig im Park.

Der Eingang zu Hiroshima Castle
Der Eingang zu Hiroshima Castle
Der Eingang zu Hiroshima Castle

Im Park selbst zeigt sich wieder einmal, wie gut Hiroshima die Balance zwischen Vergangenheit uns Zukunft hält. Einige Gebäude wie die Burg selbst und der Hiroshima Gokoku Shrine wurden wieder aufgebaut. Doch es gibt auch noch einige Fundamente und zerstörte Mauern, die an den Abwurf der Atombombe erinnern und an die Zerstörung der Stadt. Die freien Flächen sind dabei wie kleine Narben in diesem wunderschönen Park. Sie erinnern daran, nie zu vergessen und vor allem so etwas nie wieder geschehen zu lassen. Und trotzdem haben sie auch etwas versöhnliches an sich.

Überall finden sich kleine Monumente und Erinnerungen an die Zerstörung Hiroshimas und Hiroshima Castle. Wusstet Ihr, dass auch die Burg selbst nicht komplett wieder aufgebaut wurde? Diese verfügte einst über drei kleine Burgtürme im Osten und Süden, die durch einen Türmchen mit dem Hauptturm verbunden waren, die jedoch bei der Atombombe verloren gingen. Heute kann man von ihnen nur noch die Fundamente entdecken.

Ruinen Hiroshima Castle
Ruinen Hiroshima Castle

Hin und wieder gibt es auch einige alte knorrige Bäume zu entdecken, die den Atombombenabwurf überlebt haben und heute ebenfalls spannende Zeitzeugen sind. Die schwarze Verfärbung der Bombe sind bis heute sichtbar. Einige der Bäume werden mit Seilen gestützt und zusammen gehalten, damit sie den Menschen noch eine Weile erhalten bleiben. 

Baum Atombombe Hiroshima
Baum Atombombe Hiroshima

Beeindruckt hat uns auch der Gedenkort für den Chugoku Regional Military Headquarters Air Defense Room. In den unterirdischen Bunker arbeiteten nicht nur Soldaten sondern auch Schülerinnen der Hijiyama Girls High School, die für die Kommunikation zuständig waren. Eine dieser Schülerinnen, die bei der Explosion gerade im Bunker war überlebte und berichtete als Allererste über eine noch intakte Telefonleitung von der Zerstörung Hiroshimas. Eine sehr spannende Geschichte, die aber auch daran erinnert, dass hier viel Militär stationiert war und die Stadt nicht willkürlich als Ziel gewählt wurde.

Chugoku Regional Military Headquarters Hiroshima
Chugoku Regional Military Headquarters Hiroshima

Der Besuch auf Hiroshima Castle

Während Ihr so durch den Park steift, taucht irgendwann Hiroshima Castle zwischen den Bäumen vor Euch auf. Ein ganz besonderer Anblick. Denn auch wenn nicht alle Teile wieder aufgebaut wurden, strahlt die Burg doch einen ganz besonderen Glanz aus. Über ein paar steinerne Stufen, erreicht Ihr dann die fünf-stöckige 39 Meter hohe Burg.

Übrigens, wer wie wir Stempel als Erinnerung sammelt. Diese befinden sich direkt vor der Burg. Ihr müsst also nicht unbedingt hinein, um Euren Stempel zu bekommen, sondern könnt Hiroshima Castle auch nur von außen bestaunen.

Hinauf zur Hiroshima Castle
Hinauf zur Hiroshima Castle
Hinauf zur Hiroshima Castle

Wenn Ihr aber schon einmal vor Ort sein, würde ich Euch trotzdem empfehlen, auch dem Inneren einen Besuch abzustatten. Einen kleinen Vorteil hat die Zerstörung und der Wiederaufbau der Burg nämlich  – es gibt gut gebaute große Treppen, in denen man leicht nach oben steigen kann. Im Gegensatz zu den Originalburgen wie Matsumoto oder Himeji lässt sich hier der Aufstieg ganz locker bewältigen ohne Angst zu haben, sich den Hals zu brechen.

In der Burg selbst gibt es verschiedene Ausstellungen. In der ersten Etage dreht sich alles um das Thema Geschichte. In der zweiten Etage stehen Kultur und das tägliche Leben der Samurai im Mittelpunkt – ein toller Einblick wie es sich damals gelebt haben muss. Eine Waffen-Ausstellung befindet sich in der dritten Etage. Die vierte Etage beherbergt wechselnde Spezial-Ausstellungen und die fünfte Etage bietet die Aussichtplattform.

Leider war es nicht gestattet, in den Ausstellungen zu fotografieren, was wir natürlich respektiert haben. Dafür gab es immer wieder kleine Foto-Stationen mit dem Hiroshima-Castle-Maskottchen Shironya –  einer süße Katze mit „Burg-Hut“ – an denen Fotos ausdrücklich erlaubt war. Wer die wirklich sehr interessanten Ausstellungen also sehen möchte, der muss selbst in der Burg vorbei schauen.

Unterwegs in der Hiroshima Castle
Unterwegs in der Hiroshima Castle

In der obersten Etage angekommen, erwartet Euch ein toller Ausblick über den Park und die angrenzende Stadt. So bekommt man einen guten Überblick. Allerdings sind der A-Bomb-Dome und der Peace Park von Hochhäusern verdeckt. Aber es lohnt sich auf jeden Fall einmal den 360°-Ausblick über Hiroshima zu genießen. Lasst dieses Bild auf Euch wirken und kommt so erst einmal richtig in der Stadt an. Und dann könnt Ihr Euren Abstieg beginnen.

Ausblick von Hiroshima Castle
Ausblick von Hiroshima Castle
Ausblick von Hiroshima Castle

Der Hiroshima Gokoku Schrein

Falls Ihr noch etwas Zeit habt, dann solltet Ihr dem Hiroshima-Gokoku-Schrein einen Besuch abstatten. Dieser wurde  im Dezember 1868 gegründet, als 78 feudale Krieger aus Hiroshima, die im Boshin-Krieg starben, in Mizusoreisha in Futaba no Sato beigesetzt wurden. In den darauffolgenden Jahren viele weitere Krieger, die in den Kriegen in Südostasien starben hier beigesetzt.  Aufgrund des Verfalls des Hauptschreingebäudes wurde 1933 ein neuer Schrein am westlichen Ende des West Drill Ground (in der Nähe des alten Bürgerstadions) Errichtet. Natürlich wurde auch dieser Schrein bei der Explosion der Atombombe 1945 komplett zerstört.

Bereits kurz nach der Explosion wurde in derselben Gegend ein kleiner Schrein errichtet und die Rituale wurden dort fortgesetzt. Doch durch den Wiederaufbau der Stadt musste bald ein neuer Standort gefunden werden. Im Herbst 1955 wurde der Hiroshima-Gokoku-Schrein auf das Gelände von Hiroshima Castle verlegt und 1956 eingeweiht. Im Jahr 1993 wurden dann der Hauptschrein und die Andachtshalle als Gedenkprojekt wieder aufgebaut und im Juni 2009 wurden alle anderen Einrichtungen zum 130. Jahrestag der Gründung des Schreins komplett renoviert.

Heute ist der Gokoku-Schrein einer der beliebtesten in ganz Hiroshima. Mehr als 600.000 Menschen besuchen den Schrein am dritten Tag des neuen Jahres, was ihn zu einem der bekanntesten Schreine in der Region Chugoku macht. Und auch das örtliche Baseballteam, die Hiroshima Toyo Carp, besucht den Schrein jedes Jahr, um für den Sieg zu beten.

Geöffnet ist der Hiroshima-Gokoku-Schrein  täglich 9:00 – 16:30 Uhr und ein Besuch ist auf jeden Fall empfehlenswert. Auf dem Gelände des Schreins befindet sich zudem ein großer Karpfen. Diesen zu streicheln so Glück bringen.

Hiroshima-Gokoku-Schrein
Hiroshima-Gokoku-Schrein

Eine kleine Ausstellung im Main Gate

Kurz bevor wir den Park von Hiroshima Castle verlassen wollten fiel uns ein kleines Schild auf, dass zu einer niedlichen kleinen Ausstellung führte, die sich im Main Gate befindet. Die Ausstellung ist kostenlos und gibt einen kleinen Einblick, wie der erste Verteidigungsschutz der Burg einmal ausgesehen haben muss. Vieles dreht sich hier um die Zeit der Samurai und verschiedene Kriege. 

Interessant war eine riesige Trommel, die früher genutzt wurde zu einen, um die Zeit anzugeben, zum anderen als Feuermelder. Eine spannende Reise in die Vergangenheit, die Ihr unbedingt auch unternehmen solltet.

Ausstellung bei Hiroshima Castle
Ausstellung bei Hiroshima Castle
Ausstellung bei Hiroshima Castle

Das Wichtigste im Überblick

  • Adresse: 21-1 Motomachi, Naka Ward, Hiroshima, 730-0011
  • Öffnungszeiten: März-November 9:00-18:00 Uhr | Dezember-Februar 9:00-17:00 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene 370 Yen | Ermäßigt 180 Yen
  • Weitere Informationen: www.rijo-castle.jp
Hiroshima Castle Überblick
Hiroshima Castle Überblick
Hiroshima Castle Überblick
Hiroshima Castle Überblick
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Kathleen

Hallo! Ich bin Kathleen und Begründerin von "Verliebt in Japan". Hier teile ich meine Liebe zu Japan und möchte anderen Reisenden helfen, Ihr eigene Reise in das Land der aufgehenden Sonne zu planen. Eine Reise nach Japan gehört für uns mindestens ein bis zwei Mal im Jahr einfach dazu.

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