Japan-Knigge – Do’s und Don’ts – So vermeidet Ihr Fettnäpfchen

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Die Illustration zeigt eine ruhige Frau mit gefalteten Händen und einem grünen Kreis, der für korrektes Verhalten steht, und einen verstörten Mann, der sich den Kopf hält und ein rotes X trägt, das unangemessenes Verhalten im Japan-Knigge hervorhebt.

In den letzten Monaten und Jahren häufen sich immer mehr die Beschwerden über Touristen, die sich in Japan daneben benehmen. Obwohl die meisten Regeln eigentlich von “gesundem Menschenverstand” abgedeckt sind, habe ich mich für diesen kleinen “Japan-Knigge” entschieden.

Japan ist ein Land der tief verwurzelten Traditionen, in dem Harmonie (wa) und Höflichkeit (o-mo-te-na-shi – die Kunst der Gastfreundschaft) nicht nur Schlagworte sind, sondern das tägliche Leben durchdringen. Als Besucher werdet Ihr in der Regel mit großer Nachsicht und Freundlichkeit behandelt. Die Japaner wissen, dass Ihr nicht mit ihren Regeln aufgewachsen seid. Aber stellt Euch vor, wie viel schöner Eure Begegnungen werden, wenn Ihr mit ein wenig Wissen und Achtsamkeit durch das Land reist! Ein kleiner Fehler wird verziehen, aber wiederholte Unhöflichkeit kann, selbst unbeabsichtigt, Irritationen hervorrufen.

Hier gibt es Tipps für alle, die noch eine kleine Info darüber möchten, wie man sich in Japan verhalten sollte. So könnt Ihr zumindest die schlimmsten Fettnäpfchen vermeiden. 

Ein wichtiger Punkt vorab: Anschauen und kopieren ist immer eine gute Idee. Schaut Euch einfach um, wie sich die Japaner um Euch verhalten, und macht es ihnen einfach nach. Kleine Fehler wird Euch dann jeder verzeihen.

Der wichtigste Knigge-Punkt: Nehmt Rücksicht auf die Menschen um Euch herum.

Eine der wichtigsten Verhaltensregeln der Japan ist, auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen, sie nicht zu belästigen oder gar zu schädigen. Dies ist fast schon in ihren Genen verankert. Wenn Ihr Euch in Japan Euch ebenso verhaltet, habt Ihr schon einen großen Schritt gemacht.

Und diese Rücksichtnahme ist auch die Grundlage für die meisten der folgenden Verhaltenspunkte. Also denkt daran, wenn Ihr in Japan (und auch in jedem anderen Land der Welt) unterwegs seid.

Unterwegs auf dem Japan-Tag in Düsseldorf

Geht sorgsam mit allem um, vor allem mit Kulturgütern

Japaner gehen sehr sorgsam mit allem um. Das gilt sowohl für Alltagsgegenstände als auch für die Kulturgüter des Landes. Achtet also darauf, ebenfalls immer sorgsam zu sein und nichts zu zerstören – weder durch ein Versehen und schon gar nicht mit Absicht. Dazu gehört auch, nichts zu berühren, was sie nicht berühren sollten.

Leider haben sich in letzter Zeit haben sich leider immer wieder Ereignisse gehäuft, in denen sich Touristen in Japan unangemessen verhalten haben, die Kultur nicht respektiert oder sogar wichtige Kulturgüter beschädigt oder zerstört haben. Bitte achtet darauf, dass Ihr Euch nicht in diese Liste einreiht. Geht auch mit Gegenständen respektvoll um, dann bleiben Touristen auch in Zukunft in Japan herzlich willkommen.

Traditioneller japanischer Takao-Schrein mit verschnörkeltem Dach, Steinlaternen und dekorativen Elementen. Eine Treppe führt zum Eingang, der von Wächterstatuen flankiert wird. In der Mitte der Treppe ist bei hellem Tageslicht eine Rikscha geparkt.

Die Kunst der Verbeugung

Vergesst bei Eurer Ankunft in Japan als erstes den reflexartigen Impuls zum Händeschütteln. Körperlicher Kontakt, wie Ihr ihn aus Europa kennt, ist in der japanischen Öffentlichkeit grundsätzlich unüblich und wird als aufdringlich empfunden. Eure wichtigste Geste der Begrüßung, des Danks, des Abschieds und des Respekts ist die Verbeugung (Ojigi).

Es ist ein hochkomplexes Ritual, das weit über ein einfaches Nicken hinausgeht. Die Verbeugung kommuniziert auf nonverbaler Ebene alles Wichtige:

  1. Den Anlass: Sie wird nicht nur zur Begrüßung genutzt, sondern auch als Dank, als Entschuldigung, zum Abschied oder als Signal zum Aufbruch.
  2. Die Hierarchie: Je nach Tiefe und Dauer der Verbeugung wird der Status zwischen Euch und Eurem Gegenüber geklärt.

Die Faustregel

Merkt Euch diese goldene Regel des Japan-Knigge: Der Rangniedrigere verbeugt sich tiefer und länger. Damit verleiht Ihr Eurem Gegenüber den gebührenden Respekt.

Für Euch als Westler und Reisende wird in den meisten Alltagssituationen eine mittlere Verbeugung (Keirei) erwartet und als Zeichen Eurer Bemühung hoch geschätzt.

So macht Ihr es richtig:

  • Der Winkel: Peilt als Faustregel einen Winkel von etwa 30 Grad an. Bei sehr formalen Anlässen oder wenn Ihr Euch für einen großen Gefallen bedankt, könnt Ihr auch auf 45 Grad gehen.
  • Die Haltung: Geht nur mit dem Oberkörper nach unten. Die Beine bleiben gestreckt und der Po wird keinesfalls nach hinten gestreckt – Ihr wollt ja nicht in die Hocke gehen, sondern Euch respektvoll neigen. Haltet den Rücken dabei gerade und den Blick auf den Boden gerichtet.
  • Die Hände: Anders als in manchen anderen asiatischen Ländern legt Ihr die Hände in Japan entweder seitlich an die Oberschenkel oder, bei Frauen, leicht überlappend vor dem Körper.
  • Die Dauer: Haltet die Verbeugung für ungefähr zwei bis drei Sekunden, bevor Ihr Euch langsam wieder aufrichtet.

Wann Ihr nicht verbeugen müsst

Ihr werdet unzählige Male erleben, dass sich Servicepersonal (in Geschäften, am Bahnhofsschalter, im Restaurant) sehr tief vor Euch verbeugt. Ihr müsst die Verbeugung von Servicepersonal nicht erwidern!Diese Geste gehört zum höchsten Standard des japanischen Service (Omotenashi) und drückt Dankbarkeit für Euer Geschäft aus. Eine Erwiderung ist hier nicht nötig. Ein freundliches Lächeln oder ein kurzes Kopfnicken als Zustimmung reicht vollkommen aus und zeigt, dass Ihr die Geste zur Kenntnis genommen habt.

Denkt daran: Die Verbeugung ist eine wundervolle, elegante Form der Kommunikation, die Euren Respekt vor der japanischen Kultur perfekt zum Ausdruck bringt. Übt ruhig ein wenig, bevor Ihr startet!

Zwei Zeichentrickfiguren mit unterschiedlichen Haarfarben stehen und verbeugen sich höflich voreinander, wobei sie die Knigge-Etikette mit ihren Händen an den Seiten und einem leichten Lächeln auf ihren Gesichtern demonstrieren.

Knigge unterwegs

Verhaltet Euch leise
Laut zu sein ist in Japan absolut verpönt und deshalb solltet Ihr Euch ebenfalls so verhalten, um entsprechend Rücksicht zu nehmen.

Dies gilt vor allem in öffentlichen Verkehrsmittel. Dort hat es noch einen anderen Hintergrund. Japaner arbeiten sehr viel. Und sie nutzen die Fahrt in Bus und Bahn dann für einen kurzen Power-Nap. Laute Gespräche und Telefonieren solltet Ihr hier also besser vermeiden.

Aber auch in öffentlichen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten solltet Ihr nur leise reden. Dies gilt als Zeichen von Respekt.
Stellt Euch in der Schlange hinten an
Genauso wie laut sein sollte man auch aufdringliches und vordrängelndes Verhalten verzichten. Gibt es irgendwo eine Warteschlage, stellt Euch hinten an. Das gilt sowohl vor dem Restaurant als auch an der Rolltreppe. Ihr werdet übrigens gerade bei den Rolltreppen sehen, dass man auf diese Weise sehr viel schnelle voran kommt, als wenn sich ständig jemand dazwischen drängelt.

Übrigens: Wenn Ihr nach Freunden oder Familienmitgliedern ankommt, die bereits in der Schlange stehen, ist es höflich, wenn sich alle hinten anstellen, wenn Ihr zusammenbleiben möchten. Alles andere wäre ebenfalls vordrängeln.

✅ Do’s:

  • Ruhe bewahren: Handys auf lautlos (manner mode) stellen und nicht telefonieren (außer in den dafür vorgesehenen Bereichen des Shinkansen).
  • Leise reden: Unterhaltet Euch, wenn überhaupt, nur leise. Die meisten Japaner sind in Zügen absolut still.
  • In der Schlange stehen: Stellt Euch an den gekennzeichneten Stellen auf dem Bahnsteig in einer ordentlichen Reihe an, um in den Zug einzusteigen.
  • Aussteigern Vorrang: Lasst immer zuerst die Menschen aus dem Zug oder Bus aussteigen, bevor Ihr selbst einsteigt.
  • Rucksäcke absetzen: In überfüllten Zügen nehmt Euren Rucksack oder Eure Tasche ab und haltet ihn vor Euch oder auf Euren Schoß, um andere nicht zu behindern.

❌ Don’ts:

  • In Bus und Bahn essen (außer Shinkansen): Das Essen in normalen Bussen und Bahnen ist nicht gerne gesehen. Esst Eure Snacks lieber vorher oder nach dem Aussteigen. Ausnahme sind Langstreckendzüge und Shinkansen, hier gibt es sogar spezielle Ekiben (Bahnhofs-Bento). Als kleine Grundregel könnt Ihr sagen: Sind die Sitze in Fahrtrichtung ist Essen gestattet, sind die Sitze längs zur Fahrtrichtung solltet Ihr das lieber lassen.
  • Drängeln: Drängeln ist ein Unding. Haltet Eure Reihe und Euren Platz.

Ein moderner weiß-violetter Hochgeschwindigkeitszug der Bahn hält an einem überdachten Bahnsteig unter einem großen Dach, an dessen Rand gelbe Sicherheitslinien und einige Bahnhofseinrichtungen zu sehen sind.

Schuhe aus!

In Burgen, Tempeln, Teehäusern und vielen anderen Sehenswürdigkeiten ist es verboten, mit Schuhen zu laufen. Meist weisen Schilder darauf hin, generell gilt aber in allen Räumen mit Tatami-Matten und traditionellen Böden solltet Ihr die Schuhe ausziehen.

Auch in Restaurants, in denen man traditionell auf dem Boden sitzt, werden die Schuhe ausgezogen. Auch hier solltet Ihr Euch einfach daran orientieren, wie es die Menschen um Eich herum machen.

Beim Betreten von Wohnungen, in den Zimmern im Ryokan und auch in einigen Hotels werden ebenfalls die Schuhe ausgezogen. So soll der Schmutz draußen bleiben. Deshalb gibt es hier auch oft noch separate Schlappen, wenn Ihr die Toilette betretet.

Achtet beim Packen also darauf, Schuhe auszuwählen, die Ihr schnell an- und ausziehen könnt. Ausreichend saubere Socken ohne Löcher solltet Ihr ebenfalls einpacken.

Übrigens: Wer es ganz richtig machen will, der stellt seine Schuhe so ab, dass diese in Richtung Ausgang zeigen. So könnt Ihr beim Verlassen des Raums oder der Wohnen schnell wieder hinein schlüpfen. Zudem sieht es ordentlich aus.

✅ Do’s:

  • Schuhe ausziehen: Zieht Eure Schuhe immer aus, bevor Ihr ein Privathaus, einen traditionellen Gasthof (Ryokan), einen Tempel, bestimmte Restaurants oder die Umkleidekabine einer Turnhalle betretet. Lasst Eure Schuhe mit den Spitzen zur Tür zeigen.
  • Socken-Check: Achtet darauf, dass Eure Socken keine Löcher haben! Sie sind Eure “Ersatzschuhe” im Haus.
  • Gästeschuhe (Surippa): Zieht die bereitgestellten Hausschuhe an, aber zieht sie aus, bevor Ihr eine Tatami-Matte betretet. Tatami dürfen nur mit Socken oder bloßen Füßen betreten werden.
  • Toiletten-Schuhe: Achtet auf die speziellen, oft kleineren Toiletten-Schuhe vor der Toilette. Zieht diese an, bevor Ihr die Toilette betretet, und das Wichtigste: Vergesst nicht, sie wieder auszuziehen, wenn Ihr den Raum verlasst! Das ist einer der häufigsten und peinlichsten Fehler.

❌ Don’ts:

  • Schuhe auf Tatami: Betretet Tatami-Matten niemals mit Schuhen oder Hausschuhen.
  • In die Wohnung stürmen: Klopft oder meldet Euch an und sagt O-jama shimasu (Entschuldigung für die Störung/Ich trete ein), wenn Ihr ein Haus betretet.

Ein Anfänger in hellrosa Socken und blauen Jeans steht auf einem Holzboden und hält eine weiße Plastiktüte in der Hand. Eine blaue Socke ist am rechten Bildrand teilweise sichtbar.

Knigge in Tempeln und Schreinen

Kein Knigge wäre komplett ohne Informationen zum Verhalten in religiösen Stätten. Japan hat eine tiefe spirituelle Kultur, die sich in Shintō-Schreinen und buddhistischen Tempeln manifestiert. Als Besucher solltet Ihr Eure Neugier mit der gebotenen Ehrerbietung verbinden.
Fotografie und Verhalten

  • Die Grenze des Gebets: Viele Hauptgebäude und innere Heiligtümer (Honden im Shintō, Haupthalle im Buddhismus) sind Orte der strengen Andacht. In der Regel sind Fotografieren im Inneren und laute Gespräche untersagt. Beachtet die Beschilderung.
  • Kleidung: Zwar gibt es in Japan keine so strikten Kleiderordnungen wie in einigen anderen asiatischen Ländern, aber bei einem Schrein- oder Tempelbesuch solltet Ihr trotzdem auf angemessene Kleidung achten. Vermeidet Badekleidung, zu tiefe Ausschnitte oder unsaubere Kleidung.
  • Betreten verbotener Zonen: Bleibt auf den ausgewiesenen Wegen. Viele Bereiche hinter dem Hauptschrein oder tief in den Tempelanlagen sind nur für Priester und Mönche zugänglich.

Die Rituale für Reisende – Zusatz-Knigge
Neben dem wichtigen Reinigungsritual am Temizuya (siehe Hauptteil) gibt es Unterschiede beim Gebet:

  • Shintō-Schrein (Torii-Tor):
    1. Tretet leise vor die Gebetshalle.
    2. Werft eine Münze in die Opferkiste (5-Yen-Münzen gelten als Glücksbringer, da go-en (5 Yen) ähnlich wie go-en (Schicksal/Beziehung) klingt).
    3. Zweimal verbeugen (30 Grad).
    4. Zweimal klatschen (um die Aufmerksamkeit der Götter zu erregen).
    5. Eine Bitte oder einen Wunsch formulieren (im Geist).
    6. Einmal verbeugen (30 Grad).
  • Buddhistischer Tempel (Tor):
    1. Opfergabe in die Kiste werfen.
    2. Verbeugt Euch vor der Statue oder dem Altar.
    3. Betet oder wünscht Euch etwas.
    4. Es wird nicht geklatscht – stattdessen werden oft die Hände vor der Brust gefaltet (Gasshō).

Ein traditioneller japanischer Tempel mit grünem Ziegeldach und verschnörkelten rot-goldenen Details, betrachtet von einem Eingangstor aus. Dieser Tokioter Geheimtipp, der Nezu-Schrein, bietet einen ruhigen Weg zum Hauptgebäude, umgeben von Bäumen und Kies.

Der Knigge beim Essen gehen

Zwei ganz wichtige Hinweise gibt es beim Essen zu beachten: Bitte steckt niemals die Stäbchen aufrecht in den Reis und gebt nie Essen von Stäbchen zu Stäbchen weiter. Dies sind Rituale einer Beerdigung bzw. der Ehrung von Toten und ist damit ein absolutes No-Go. Legt stattdessen die Stäbchen auf die vorgesehen Ablage und Essen, dass für jemand anderen ist auf einen Teller.

Nicht im Gehen essen! Das Essen (außer einem schnellen Getränk) im Gehen oder Stehen in der Öffentlichkeit ist ungewöhnlich und wird meist vermieden. In vielen Bereichen in touristischen Gebieten ist es sogar ganz verboten, im Gehen zu essen. Esst Eure Snacks lieber sitzend auf einer Bank oder auf dem Hotelzimmer. 

Und hier kommen weitere Tipps:

✅ Do’s: 

  • Itadakimasu: Sagt dieses Wort (bedeutet sinngemäß: “Ich nehme dankend an”) vor dem Essen. Faltet dazu Eure Hände.
  • Gochisousama deshita: Sagt dies (bedeutet sinngemäß: “Es war ein Festmahl”) nach dem Essen, um Eure Dankbarkeit auszudrücken.
  • Trinken einschenken: Gießt Euch selbst niemals Euer Getränk nach! Haltet stattdessen die Gläser Eurer Begleiter im Auge und schenkt ihnen nach. Wenn Euer Glas nachgefüllt wird, haltet es leicht an. Um nicht nachgeschenkt zu bekommen, lasst einfach noch etwas im Glas.
  • Stäbchen richtig ablegen: Wenn Ihr eine Pause macht oder fertig seid, legt Eure Stäbchen horizontal auf den dafür vorgesehenen Stäbchenhalter (Hashioki) oder an den Rand Eurer Schüssel.
  • Beim Schlürfen: Beim Essen von Ramen, Udon, Soba oder Suppen ist Schlürfen erlaubt und sogar erwünscht! Es zeigt dem Koch, dass es Euch schmeckt, und kühlt die heißen Nudeln.
  • Die Reisschale halten: Es ist üblich und richtig, die Reisschale oder die Suppenschale beim Essen anzuheben und zum Mund zu führen.
  • Nach dem Essen: Stellt die Deckel wieder auf die Schalen und die Schalen wieder an ihren ursprünglichen Platz. Das zeigt, dass Ihr mit der Mahlzeit abgeschlossen habt.

❌ Don’ts:

  • Stäbchen senkrecht in den Reis stecken: Absolutes Tabu! Dies ist eine Geste, die nur bei Bestattungsritualen durchgeführt wird und den Tod symbolisiert.
  • Essen mit dem Stäbchen weiterreichen: Absolutes Tabu! Gebt niemals Essen von Stäbchen zu Stäbchen weiter. Dies ähnelt einer weiteren Bestattungszeremonie, bei der Knochen nach der Einäscherung mit Stäbchen in eine Urne überführt werden.
  • Sushi-Knigge: Sushi wird in Japan entweder mit Stäbchen oder mit den Händen gegessen. In Westjapan werden Stäbchen verwendet, in Ostjapan (dazu gehört auch Tokyo) eigentlich die Hände
  • Essen mit den Stäbchen aufspießen: Spießt Euer Essen nicht mit den Stäbchen auf. Benutzt sie immer als Paar, um das Essen zu greifen.
  • Mit den Stäbchen auf andere zeigen: Zeigt oder gestikuliert nicht mit den Stäbchen.
  • Lecken oder Spielen: Lutscht nicht an den Stäbchen und spielt nicht damit.
  • Reste mitnehmen wollen: Reste im Doggy-Bag mit aus dem Restaurant nehmen ist in Japan unüblich
  • Sonderwünsche im Restaurant sind ebenfalls eher unerwünscht, wählt ein Gericht, dass Ihr auch so essen möchtet. Bei Allergien fragt am besten vorab und wählt ansonsten ein anderes Gericht
  • Nase putzen oder rülpsen: Nase putzen am Tisch ist extrem unhöflich (generell). Schnieft lieber und entschuldigt Euch, um die Toilette aufzusuchen. Rülpsen ist ebenfalls tabu.
  • Langes Kauen mit offenem Mund: Schlürfen ist erlaubt, aber lautes Kauen oder Schmatzen mit offenem Mund ist ungesittet.
  • Direkt von Gemeinschaftstellern essen: Bei Gemeinschaftsgerichten (wie beim Izakaya) nehmt Euch nicht direkt einen Bissen und esst ihn, sondern legt eine angemessene Portion auf Euren eigenen Teller, bevor Ihr es esst.
  • Trinkgeld geben: Niemals Trinkgeld geben! Guter Service ist im Preis inbegriffen. Trinkgeld gilt als Beleidigung, da es impliziert, dass der Service nur gegen Bezahlung gut ist. Sollte das Geld doch auf dem Tisch liegen bleiben, wird man Euch wahrscheinlich hinterherlaufen, um es zurückzugeben. Das Trinkgeld in Japan ist Freundlichkeit. Ein Lächeln und ein nettes „Arigatou“ ist Dank genug.

Eine Schüssel Ramen mit reichhaltiger Brühe, Schweinefleisch in Scheiben, Seetang, einem halben gekochten Ei, grünen Zwiebeln und Pilzen, serviert in einer rot-schwarzen Schüssel auf einem Holztisch - perfekt für den Genuss nach der Erkundung von Himeji.

Die Sache mit dem Müll

Oft höre und lese ich von Beschwerden, weil es in Japan selten Mülleimer gibt. Dieser Fakt hat leider einen sehr traurigen Hintergrund. Im Jahr 1995 verübte die Weltuntergangssekte Ōmu Shinrikyō einen Giftgasanschlag auf die Tokioter U-Bahn, bei dem 12 Menschen starben. Deponiert waren die Giftgasbomben in Mülleimern. Um die Sicherheit zu verbessern wurden in den darauffolgenden Monaten alle Mülleimer in der Stadt und auch im ganzen Land entfernt.

Ihr solltet also darauf vorbereitet sein, Euren Müll wieder mit zurück ins Hotel zu nehmen. Müll einfach irgendwo hin zu werfen oder liegen zu lassen ist ein absolutes No-Go. Wir nehmen immer einige kleine Müllbeutel* mit auf unsere Reise. Aber auch die Tüten, die man in Sehenswürdigkeiten zum Transport der Schuhe bekommt, eignen sich hervorragend für den Mülltransport.

Öffentliche Mülleimer gibt es heute vor allem hier zu finden:

  • in einigen Bahnhöfen
  • an einigen Getränkeautomaten
  • an einigen Supermärkten
  • an einigen Streetfood-Ständen

Solltet Ihr einen öffentlichen Mülleimer nutzen, dann achtet darauf, das Japaner wert darauf legen, dass Müll ordnungsgemäß getrennt wird.

Drei hölzerne Abfalleimer mit Plastikdeckeln stehen auf einem Gehweg aufgereiht, gemäß den örtlichen Regeln für die Mülltrennung. Jede Tonne hat ein Etikett auf Japanisch für brennbare Abfälle, Dosen und Plastikflaschen. Im Hintergrund sind grüne Sträucher und eine Steinmauer zu sehen.

Kleiner Foto-Knigge

Wusstet Ihr, dass man Handys in Japan den Klick-Ton beim Fotografieren nicht ausstellen kann? So weiß immer jeder, wenn ein Foto geschossen wird. So sollen heimliche und unerwünschte Fotos vermieden werden.

Denn auch beim Fotografieren gilt: nimm Rücksicht auf die Menschen um dich herum. Mache nicht einfach Fotos von Menschen, ohne vorher gefragt zu haben. Dies gilt vor allem bei Maiko und Geishas. Hier hat Kyoto inzwischen mit einem Tourist Ban reagiert, um aufdringlichen Touristen entgegen zu wirken.

Rücksicht nehmen heißt aber auch kein “Foto um jeden Preis”. Achtet auf die Einheimischen und den Verkehr. Bringt Euch nicht für ein Foto in Gefahr oder begeht gar eine Straftat. Bestes Beispiel ist her der Lawson Konbini mit dem Fuji im Hintergrund. Die Anwohner wussten sich nicht anders zu helfen, als einen Zaun zu errichtet. Was leider die Unvernünftigen nicht abhalten konnte.

Ebenfalls wichtig: Macht keine Fotos an Orten, wo das verboten ist. Immer wieder sehen ich an Orten mit Verbotsschild trotzdem Kameras. Am meisten ärgert mich, wenn ich auf Blogs oder YouTube Fotos von Orten sehe, bei denen ich sehr wohl weiß, dass fotografieren dort verboten ist. Das ist für mich eine absolute Respektlosigkeit.

Apropos Sehenswürdigkeiten – an wichtigen Sehenswürdigkeiten stellen sich Besucher oft in Warteschlangen an, um Fotos zu schießen. Stellt Euch hier ebenfalls an, denn so bekommen alle das perfekte Foto. Übrigens ist es auch nicht unüblich an Orten, an denen viele Selfies gemacht werden, sein Handy einfach an den Hintermann in der Warteschlange zu geben, damit dieser das Foto macht. Da Japan ein sicheres Land ist, ist das auch kein Problem. Also nicht wundern, wenn ihr plötzlich ein fremdes Handy in der Hand habt.

Eine Canon EOS 1200D-Kamera liegt auf einem Schreibtisch neben einem gerahmten Bild, einem weißen Dekobaum, einem Notizblock mit Gittermuster und einem grünen Bleistift - alles sehr übersichtlich und stilvoll arrangiert. Die Wand im Hintergrund ist hellblau.

Ein Besuch im Onsen

Zum Verhalten im Onsen habe ich bereits einen separaten Blogbeitrag geschrieben. Daher gibt es hier die wichtigsten Knigge-Informationen noch einmal kurz zusammengefasst

✅ Do’s:

  • Gründliches Waschen: Duscht Euch absolut gründlich mit Seife, bevor Ihr das Bad betretet. Ihr müsst ganz sauber sein, bevor Ihr ins Becken steigt, denn das Becken dient nur der Entspannung, nicht der Reinigung.
  • Nackt sein: Das Baden erfolgt nackt. Scham ist hier fehl am Platz; es ist vollkommen natürlich.
  • Das kleine Handtuch: Das kleine Handtuch dient nur zum Waschen und wird nicht mit in das Badewasser genommen. Legt es neben das Becken oder, wie oft praktiziert, auf Euren Kopf.
  • Ruhe bewahren: Haltet den Geräuschpegel niedrig. Tauchen, Schwimmen oder lautes Lachen sind verboten.

❌ Don’ts:

  • Tattoos zeigen: Tattoos sind das größte Tabu im Onsen. Sie werden traditionell mit der organisierten Kriminalität (Yakuza) assoziiert. In vielen Onsen ist der Zutritt mit Tattoos, selbst kleinen, streng verboten. Informiert Euch vorher oder fragt nach, ob Ihr das Tattoo mit einem Pflaster (Tattoo-Cover) abdecken könnt.
  • Mit Seife ins Becken: Geht niemals mit Seifenresten ins Becken oder wascht Euch direkt im Badewasser.
  • Badebekleidung tragen: Badebekleidung ist nicht erlaubt (Ausnahme: Mizugi Onsen, die aber selten sind).
  • Fotos machen: Das Fotografieren in den Badebereichen ist strengstens verboten.

Ein hölzernes Schild in der Nähe der Treppe zum Onsen zeigt Symbole, die Menschen mit Tätowierungen und solchen, die Schuhe tragen, den Zutritt verbieten, mit Erklärungen auf Japanisch, Englisch und Chinesisch zu den Tätowierungsverboten.

Rauchen in Japan

Raucher haben es in Japan wirklich nicht leicht, denn seit April 2020 ist Rauchen in allen öffentlichen Einrichtungen sowie in Restaurants, Cafés und Bars verboten. Ganz selten findet man noch Raucher-Cafés oder Cafés mit entsprechenden Raucherräumen. Hier solltet Ihr auf entsprechende Hinweise an der Tür achten.

Was aber ein großer Unterschied zu Europa ist:

❌ Das Rauchen in der Öffentlichkeit ist strikt verpönt.

Vor allem das Rauchen beim Gehen auf der Straße (Aruki Tabako) gilt als absoluter Fauxpas und ist in vielen Städten gesetzlich verboten. Dies ist eine wichtige Regel der Rücksichtnahme, da niemand möchte, dass Passanten – insbesondere Kinder – mit Eurer glühenden Zigarette in Berührung kommen oder passiv mitrauchen müssen.

Die Lösung: Die ausgewiesenen Raucherbereiche

Wenn Ihr eine Zigarette genießen wollt, müsst Ihr unbedingt die vorgesehenen Raucherbereiche nutzen. Diese sind klar gekennzeichnet (Smoking Area oder entsprechende Piktogramme) und finden sich oft:

  • Innerhalb von Bahnhöfen (aber nicht auf dem Bahnsteig selbst).
  • In speziellen, oft verglasten Kabinen oder abgegrenzten Nischen auf dem Bürgersteig großer Plätze.
  • In vielen Convenience Stores (Konbini) vor dem Eingang oder in einem separaten Raum.
  • In der Nähe von Bürogebäuden.

Diese Bereiche sind dafür gedacht, die Mitmenschen vor dem Rauch zu schützen und die Ordnung im öffentlichen Raum zu gewährleisten. Denn Rauchen ist außerhalb dieser ausgewiesener Raucherbereiche auf der Straße generell verboten. Wer sich nicht daran hält, zahlt schnell mal eine nicht unerhebliche Strafe, die je nach Region von 1.000 bis zu 50.000 Yen reichen kann.

Euer Taschenaschenbecher (Kezari)

Ihr werdet schnell feststellen, dass es in Japan kaum öffentliche Mülleimer gibt. Das betrifft natürlich auch Aschenbecher. Das Entsorgen von Zigarettenstummeln auf der Straße ist strengstens verboten und gilt als große Unart.

Wenn Ihr Raucher seid, ist es deshalb unerlässlich, einen eigenen, tragbaren Taschenaschenbecher (Kezari) mitzuführen. So könnt Ihr Eure Zigarettenstummel ordentlich und diskret entsorgen, bis Ihr wieder an einer entsprechenden Sammelstelle seid.

Indem Ihr Euch an diese Regeln haltet und nur in den gekennzeichneten Zonen raucht, zeigt Ihr ein Höchstmaß an Rücksichtnahme und Respekt für das japanische Konzept der öffentlichen Harmonie.

Eine Frau in einem hellrosa Hemd bricht eine Zigarette mit ihren Händen in zwei Hälften und symbolisiert damit, dass sie mit dem Rauchen aufhört und sich dem modernen Knigge zuwendet. Der Hintergrund ist weiß, und ihr Gesicht ist teilweise sichtbar.

Knigge – Extratipps

Hier noch ein paar paar extra Knigge-Tipps für euch, damit nichts mehr schief geht:

  • Das Essen im Gehen in der Öffentlichkeit ist ungewöhnlich und wird meist vermieden. Teilweise ist es sogar verboten. Esst Eure Snacks lieber sitzend auf einer Bank oder auf dem Hotelzimmer.
  • lautes Nasenputzen in der Öffentlichkeit ein grober Fauxpas. Besser “Hochziehen” und sich wenn möglich auf die Toilette entschuldigen, um dort die Nase zu putzen
  • wenn Ihr eine Erkältung habt, solltet Ihr zudem eine Maske tragen. Dies tut man in Japan, um andere vor einer Ansteckung zu schützen. Und so fällt die “Hochziehen” auch leichter
  • Achtet darauf, wie bezahlt wird. Das Geld wird oft nicht direkt in die Hand des Mitarbeiters gegeben, sondern in ein kleines Ablagekörbchen auf dem Tresen gelegt.
  • Das Wort „Nein“ gilt als sehr unhöflich in Japan. Immerhin drückt man dadurch Ablehnung aus und das vermeiden Japaner grundsätzlich. Stattdessen antwortet umschreibend, z.B. mit “Ja, aber …”
  • Starke Gerüche werden in Japan ebenfalls als unangenehm empfunden. Haltet Euch also besser mit Eurem Parfum zurück und benutzt nur leichte Düfte
  • Aberglaube exisitert auch in Japan. Die Zahlen 4 und 9 stehen für Tod und bringen daher Unglück. Vermeide alles, was mit diesen Zahlen zu tun hat.

Ein kleiner Keramikteller mit rosafarbenen und weißen Kirschblüten- und Kaninchenmotiven, der hölzerne Essstäbchen hält, steht auf einem Holztisch im Restaurant neben einer Speisekarte.

Zusammenfassung und Eure Haltung

Japan ist ein Land, das auf dem Prinzip des “Gesichts wahren” (Men-tsu) und der Aufrechterhaltung der sozialen Harmonie basiert. Euer Ziel als Gast sollte nicht sein, perfekt zu sein – das erwartet niemand! Euer Ziel sollte sein, eine Haltung der Achtsamkeit, Bescheidenheit und des Respekts zu zeigen.

Wenn Ihr Euch unsicher seid:

  1. Beobachtet: Wie machen es die Menschen um Euch herum?
  2. Fragt: Ein freundliches Sumimasen und eine Entschuldigung für einen Fehler sind immer die beste Reaktion.
  3. Lächelt: Ein Lächeln kann in vielen interkulturellen Situationen Spannungen lösen.

Mit diesem Wissen und dieser Haltung seid Ihr bestens gerüstet für eine respektvolle und tiefgehende Erfahrung im Land der aufgehenden Sonne. Euer Abenteuer wartet!

Eine Hand mit einem Marker umkreist den Satz "Manieren kosten nichts" in schwarzer Schrift vor einem blauen Himmel mit Wolken - eine moderne Anspielung auf die zeitlosen Prinzipien von Knigge.

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