Erdbeben in Japan – Wertvolle Tipps und Verhaltensweisen
Z22, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Keine Frage, Japan ist ein faszinierendes Land, das in vielerlei Hinsicht einzigartig ist – von seiner reichen Kultur über seine hochmoderne Technologie bis hin zu seiner atemberaubenden Natur. Doch eine Reise nach Japan ist nichts für schwache Nerven – zumindest wenn man an Erdbeben denkt. Denn das Land liegt direkt auf dem sogenannten „Pazifischen Feuerring“, einer der aktivsten tektonischen Zonen der Welt. Für Japaner sind Erdbeben so alltäglich wie Regen – sie gehören einfach zum Leben dazu. Doch wie können wir uns als Reisende vorbereiten und was gilt es zu tun, wenn ein Erbeben zuschlägt?
Wie entstehen Erdbeben?
Stellt Euch vor, die Erdkruste ist kein einziger, fester Ball, sondern ein riesiges, dreidimensionales Puzzle, das aus mehreren großen und vielen kleineren Stücken besteht. Diese Stücke nennen wir tektonische Platten.
Diese Platten schwimmen auf dem zähflüssigen Material des Erdinneren (dem Erdmantel) und sind ständig in Bewegung – zwar nur wenige Zentimeter pro Jahr, aber das reicht. An den Plattengrenzen stoßen sie aneinander, gleiten voneinander weg oder reiben sich aneinander. Das Problem: Die Platten sind rau und verhaken sich an bestimmten Stellen.
bwohl die Bewegung weitergeht, sind die Platten blockiert. Das führt dazu, dass sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg eine enorme Spannung und Energie in der Kruste aufbaut – wie bei einer Feder, die immer stärker gespannt wird. Wenn die Spannung irgendwann zu groß wird, bricht das Gestein an der Blockadestelle (dem sogenannten Hypozentrum oder Erdbebenherd). Die gespeicherte Energie wird plötzlich in Form von seismischen Wellen freigesetzt, die durch das Gestein laufen und die Erdoberfläche zum Beben bringen.

Warum ist Japan so erdbebengefährdet?
Japan ist quasi der Paradefall für diese geologischen Prozesse und liegt in einer der aktivsten Erdbebenregionen der Welt, dem sogenannten Pazifischen Feuerring.
Der Grund dafür ist die einzigartige und komplexe Lage des Landes, direkt am Treffpunkt von gleich vier tektonischen Platten:
- der Pazifischen Platte
- der Philippinischen Platte
- der Nordamerikanischen Platte
- der Eurasischen Platte
Die Pazifische und die Philippinische Platte sind besonders aktiv. Sie tauchen ständig unter die japanischen Platten ab (ein Prozess, den man Subduktion nennt). Dieser permanente Druck, die Verformung der Kruste und die daraus resultierende Spannung sind der Hauptgrund, warum Japan so häufig und so stark von Erdbeben erschüttert wird. Man könnte sagen, Japan lebt geologisch auf einem sehr wackeligen “Knotenpunkt”.
Muss ich auf einer Japan-Reise Angst vor Erdbeben haben?
Angesichts dieser ständigen Bedrohung könnte man meinen, dass die Menschen in Japan in ständiger Angst leben. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Japaner haben gelernt, mit Erdbeben zu leben, und sie haben sich darauf eingestellt, so gut es geht. Die Vorbereitung auf Erdbeben beginnt bereits im Kindesalter: Schon in der Grundschule lernen die Kinder, was sie im Falle eines Erdbebens tun müssen. Regelmäßige Notfallübungen gehören zum Alltag, und jeder Japaner weiß genau, wo sich der nächste Evakuierungsplatz befindet und wie er im Ernstfall handeln muss.
Die Antwort auf die Frage lautet also Jain. Ja, denn tatsächlich ist die Gefahr ein Erdbeben in Japan zu erleben natürlich um einiges größer als hier in Europa. Tatsächlich gibt es täglich mehrere kleine Erdbeben, die meisten davon sind allerdings nicht zu spüren. Ein größeres Erdbeben gibt es auch nur selten, trotzdem kann es natürlich passieren, dass Ihr eines erwischt. Wir waren bisher vier Mal in Japan und haben noch kein spürbares Beben erlebt – es besteht also Hoffnung für Eure Reise. Und aus einem anderen Grund musst Ihr auch keine Angst vor den Erdbeben haben, denn kaum ein Land ist so gut darauf vorbereitet wie Japan. Lasst Euch davon also Eure Reise nicht vermiesen.
UNESCO / Roger Lesage, CC BY-SA 3.0 IGO, via Wikimedia Commons
Auch die Gebäude in Japan sind auf die Erdbebenanfälligkeit des Landes ausgelegt. Moderne Hochhäuser in Tokio und anderen Städten sind mit speziellen Dämpfungssystemen ausgestattet, die die Erschütterungen eines Erdbebens abmildern sollen. Diese Technologien sind beeindruckend: Selbst bei einem starken Beben bewegen sich die Gebäude sichtbar, schwanken und biegen sich, aber sie stürzen nicht ein. Auch traditionelle Holzhäuser haben sich als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen, da das flexible Material die Erschütterungen besser abfangen kann.
Ein weiteres wichtiges Element der Erdbebenvorsorge in Japan ist das Frühwarnsystem. Dank eines Netzwerks von Seismographen und Sensoren kann das japanische Meteorologische Amt oft schon Sekunden vor einem Erdbeben eine Warnung herausgeben, die über Fernsehen, Radio und sogar über Smartphones verbreitet wird. Diese wenigen Sekunden können den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen, indem sie den Menschen ermöglichen, sich in Sicherheit zu bringen, bevor das Beben beginnt.
Erdbebensichere Bauweise in Kumamoto Castle
Wie werden Erdbeben in Japan gemessen?
Was noch interessant ist, ist der Fakt, das Japan seine Beben anders kategorisiert. Während der Rest der Welt üblicherweise die Stärke des Bebens anhand der Stärke am Epizentrum auf der Richterskala messen, gibt es hier eine separate Skala.
Die in Japan hier verwendete JMA-Skala gibt die Stärke in der Einheit Shindo (震度) in den Orten selbst an, an den Auswirkungen des Bebens gemessen wird. Die Stärke ist also für unterschiedliche Orte unterschiedlich und stellt im Prinzip die Auswirkungen des Erdbebens für Gebäude und Menschen dar. Die höchste Stufe ist dabei die Stärke 7, die unter anderem bei dem schweren Tohoku-Erdbeben, aber auch bei dem Erdbeben in Kumamoto erreicht wurde.
Konkret sieht die Shindo-Skala so aus, in der die Stärke japanischer Erdbeben angegeben werden:
| Shindo (Intensität) | Wahrnehmung von Menschen |
| 1 | Das Erdbeben ist kaum spürbar |
| 2 | Das Beben ist für viele Menschen spürbar, Deckenlampen und ähnliches können pendeln |
| 3 | Das Beben ist für die meisten Menschen spürbar, wird beim Gehen bemerkt und viele wachen davon auf. Gegenstände in Regalen klappern und auch Stromleitungen schwanken |
| 4 | Das Beben ist für viele Menschen beängstigend, beim Gehen deutlich spürbar und die meisten wachen davon auf. Gegenstände in Regalen und hängende Gegenstände bewegen sich hörbar, auch die Stromleitungen schwingen stärker und können zur Gefahr werden |
| 5 – | Durch das Erdbeben bekommen viele Menschen Angst und halten sich an stabile Gegenstände fest und suchen Schutz. Gegenstände in Regalen und hängende Gegenstände bewegen sich hörbar, Möbel können verrutschen, Fensterscheiben können bersten und es kann vor allem an älteren Gebäuden auch schon zu Beschädigungen kommen. |
| 5 + | Bei dieser Stärke können viele Menschen kaum stehen, Das Gehen ist schwierig ohne sich an etwas Stabilem festzuhalten, viele geraten in Panik. Möbel können verrutschen und ungesicherte Gegenstände zur Gefahr werden. Die Beschädigungen an Gebäuden sowie Gasleitungen sind wahrscheinlich |
| 6 (schwach) | Bei dieser Erdbeben-Stärke ist es schwer stehen zu bleiben. Ungesicherte Möbel und Gegenstände werden zur Gefahr, Gebäude können stark beschädigt werden und zusammenbrechen. Extreme Vorsicht bei Gas- und Stromleitungen, es können auch Erdrutsche und Erdlöcher entstehen |
| 6 (stark) | Bei dieser Stärke des Bebens ist es unmöglich zu stehen oder zu gehen ohne zu kriechen. Es kann zu schweren Beschädigungen an älteren oder nicht erdbebensicheren Häusern kommen, mit Gas-, Wasser- und Stromausfällen ist zu rechnen auch Erdspalten und Erdrutsche sind nicht selten. |
| 7 | Bei dieser Erdbebenstärke ist eine gezielte Fortbewegung nicht mehr möglich. Selbst schwere Möbelstücke könne in die Luft geworfen werden. Und auch selbst erdbebensichere Gebäude können bei dieser Stärke beschädigt werden. Es ist mir einem verbreiteten Ausfall der Strom-, Gas- und Wasserversorgung zu rechnen |

Tipps zur Vorbereitung auf ein Erdbeben
Eines vorab und wie schon oben geschrieben: Lasst Euch von der Angst vor einem Erdbeben nicht Eure Reise nach Japan vermiesen. Wie oben beschrieben gehören die Beben zum alltäglichen Leben hier und die Menschen sind sehr gut vorbereitet – vielleicht mehr als in jedem anderen Land der Welt. Zudem haben die meisten Beben nur eine geringe Intensität. So haben wir bisher glücklicherweise noch keine wirklich spürbares Beben erlebt.
Trotzdem ist die Natur natürlich unberechenbar und daher gibt es einige Dinge, die auch Ihr tun könnt, um im Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Das hilft nicht nur im Notfall, sondern gibt vor allem einem selbst ein beruhigendes Gefühl – selbst wenn nichts passiert.
Nutze die Erdbeben-Frühwarnsysteme
Japan verfügt über ein sehr gutes Vorwarnsystem, dass Ihr zu Eurem Vorteil nutzen könnt. Aber Achtung: Wir reden hier meist nur von wenigen Sekunden. Diese können aber dafür sorgen, dass Ihr Euch rechtzeitig in eine sichere Position begebt, bevor das “Wackeln” los geht. Gerade bei schweren Beben kann das zwischen Leben und Tod entscheiden.
Wenn Ihr eine japanische SIM-Karte in Euer Handy eingelegt habt, solltet Ihr über das allgemeine Cell Broadcast-System gewarnt werden. Wenn Ihr noch sicherer gehen wollt, installiert Euch am besten eine der verfügbaren Warn-Apps und aktiviert unbedingt jeweils die Push-Nachrichten.
RuinDig/Yuki Uchida, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Weitere Möglichkeiten den Vorsorge
Neben dem Frühwarnsystem gibt es natürlich auch andere Möglichkeiten, um sich auf ein mögliches Erdbeben vorzubereiten
- Evakuierungsplan – besonders im Hotel ist es wichtig, sich den Evakuierungsplan genau studieren. So seid Ihr im Notfall (und das muss nicht nur bei einem Erdbeben sein) bereits vorbereitet und müsst Euch nicht erst informieren, wie Ihr das Hotel verlassen könnt. Wenn Ihr Euch unsicher seid, dann könnt Ihr auch gerne an der Rezeption noch einmal nachfragen, wie Ihr Euch am Besten verhalten solltet.
- Taschenlampe und Notfallpack – Da bei einem Beben meist auch der Strom ausfällt, gibt es in fast allen Hotelzimmern auch eine Taschenlampe. Auch hier solltet Ihr Euch beim Beziehen des Zimmers darüber informieren, wo diese zu finden ist. Dann müsst Ihr nicht im Dunklen herumsuchen. Einige Hotels bieten sogar sogenannte Notfallpacks an, in denen alles wichtige vorhanden ist, das man bei einem Beben benötigt. Wer sehr ängstlich ist, der kann sich so ein Notfallpack auch selbst aus einer Wasserflasche, Keksen, einem Erste-Hilfe-Kit*, einer Taschenlampe* und Batterien*, einer Trillerpfeife* und Arbeitshandschuhen* selbst zusammenstellen.
- Das Handy aufgeladen halten – und auf noch etwas solltet Ihr achten, da bei Erdbeben der Strom abgeschaltet wird. Versucht Euer Handy immer so gut wie möglich aufgeladen, damit Ihr es im Notfall möglichst lange nutzen könnt. Auch eine aufgeladenen Power-Bank* kann helfen, damit Ihr möglichst lange ohne Strom durchhaltet. Habt auch alle wichtigen Nummern (wie die der Deutschen Botschaft) im Handy bereit.
- Seid bereit zum Aufbruch – Nach dem Beben solltet Ihr Gebäude so schnell als möglich verlassen. Daher solltet Ihr im Notfall bereit sein, schnell aufzubrechen. Das sind nur Kleinigkeiten wie die wichtigsten Sachen wie Euren Reisepass in einer Tasche griffbereit zu haben, die Schuhe so zu stellen, dass Ihr schnell hinein schlüpfen könnt, und auch Eure Jacke sollte schnell greifbar sein.
- Notfallnummern notieren – Falls Ihr Euer Handy verliert, es zerstört wird oder einfach keinen Saft mehr hat, solltet Ihr Euch die wichtigsten Rufnummern inklusive der Nummer der Deutschen Botschaft auch auf einem Zettel notieren, den Ihr bei Euren Papieren aufbewahrt. So habt Ihr sie jederzeit griffbereit. Und es macht auch Sinn einen Nummer zu notieren, die kontakt werden kann, wenn Euch selbst etwas passiert ist.
- Vereinbart einen Treffpunkt – Vereinbart mit Euren Mitreisenden einen Treffpunkt, falls Ihr euch während eines Erdbebens aus den Augen verliert. Das gilt auch, wenn Ihr Euch unterwegs trennt. Nach einem Beben sind die Mobilfunknetze meist überlastet und so findet Ihr Euch auf jeden Fall wieder.
- Eine gute Reiseversicherung – Eine gute Reiseversicherung* gibt Euch die Sicherheit, dass Ihr im Notfall versorgt seid. So könnt Ihr problemlos medizinisch Versorgt und sicher wieder nach Hause gebracht werden.
Toby Oxborrow, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Verhalten während eines Erdbeben
Sollte Euch dann doch ein Beben treffen, dann gibt es einige Verhaltensweisen, die Ihr beachten solltet. Sie können Euch dabei helfen, alles möglichst unbeschadet zu überleben:
Versucht Euch am Besten fallen zu lassen, um nicht umgeworfen zu werden. Wenn Ihr die Möglichkeit habt unter einen Tisch zu kriechen, dann solltet Ihr das tun. Ansonsten schützt Euren Kopf und sucht Schutz unter einem Türrahmen oder in der Nähe einer Säule, die sich nicht bewegt oder von der Gegenstände heruntergefallen sind. Haltet Euch auf jeden Fall fest, damit Ihr nicht umhergeschleudert werdet.
Während des Bebens aus einem Gebäude zu laufen ist übrigens keine gute Idee. Die Gefahr von herabstürzenden Trümmern oder Stromleitungen ist in diesem Moment einfach zu gefährlich. Verlasst feste Gebäude erst wenn sich 1-2 Minuten lang nichts mehr bewegt.
Haltet Ihr Euch gerade draußen auf, versucht so weit als möglich Abstand zu Gebäuden zu halten. Habt Ihr eine Tasche oder Rucksack dabei? Dann schützt damit Euren Kopf vor herabfallenden Trümmern.
Solltet Ihr in Bus und Bahn unterwegs sein, setzt oder hockt Euch hin und haltet Euch so gut als möglich fest. Zudem solltet Ihr mit Tasche oder Rucksack Euren Kopf schützen. Auch den der öffentlichen Nahverkehr ist mit dem japanischen Frühwarnsystem verbunden und Bahnen werden im Normalfall vor dem Beben angehalten um größere Unfälle zu vermeiden.
Wenn Ihr übrigens total überfordert seid und nicht wisst, was Ihr tun sollt, dann achtet auf die Einheimischen. Diese werden von Kindesbeinen an auf das richtige Verhalten bei Erdbeben trainiert und wissen, was zu tun ist. So könnt Ihr zumindest die Zeit bis zum Ende des Bebens überstehen und Euch dann in Ruhe sortieren.
DFID – Britisches Ministerium für internationale Entwicklung, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Verhalten nach einem Erdbeben
Nach einem Erdbeben solltet Ihr Euch erstmal beruhigen und dann vor allem auf die Anweisungen von zuständigen Personen egal ob Personal, Feuerwehr oder Polizei achten. Öffentliche Gebäude und Sehenswürdigkeiten werden so effizient evakuiert. Auch hier solltet Ihr Euch darauf verlassen, dass ein Beben hier immer wieder trainiert wird, um im Fall der Fälle auf alles vorbereitet zu sein.
Nach einem Beben kann auch die App Pocket Shelter Plus hilfreich sein. Hier findet Ihr den nächstgelegenen Evakuierungspunkt. Zudem biete die App die Möglichkeit im Falle einer größeren Katastrophe eine Info an Eure Lieben zu senden, dass Ihr in Sicherheit seid.
Wenn Ihr ein Gebäude verlasst, dann bitte erst nachdem sich für mindestens 1-2 Minuten nichts mehr bewegt, denn es kann immer noch zu keinen Nachbeben kommen. Und denkt daran, auf keinen Fall den Aufzug zu benutzen sondern immer die Treppe.
Seid Ihr in Eurem Hotel, informiert Euch erst, ob Ihr das Gebäude wirklich verlassen müsst. Sollte es nicht einsturzgefährdet sein, dann ist es meistens sicherer, dort zu bleiben und erstmal abzuwarten. Bei Fragen hilft Euch das Personal sicher gerne weiter.
Solltet Ihr irgendwo (z.B. durch eine klemmende Tür oder im Aufzug) gefangen oder verschüttet sein, dann macht Euch lautstark bemerkbar. Mit einem Gegenstand klopfen ist dabei übrigens besser als rufen – einfach weil man das länger machen kann und ggf. verbraucht Ihr nicht unnötig wertvollen Sauerstoff. Solltet Ihr verletzt sein, dann wendet Euch an das Personal oder einen anderen Einheimischen und bittet um Hilfe.
Bei größeren Zerstörungen begebt Euch zu den Evakuierungsplätzen (広域避難場所 Koueki-Hinan-Basho) oder in Schutzräume (避難所 Hinanjo). Hier gibt es zum Beispiel eine Übersicht an Evakuierungsplätzen in Tokyo.
Auswirkungen des Erdbeben in Kumamoto
Die unterschätzt Gefahr nach dem Erdbeben – Der Tsunami
Nach Erdbeben kommt es immer wieder zu Tsunamis, die dann noch mehr Schäden nach sich ziehen und Menschenleben fordern. Doch diese werden oft unterschätzt.
Solltet Ihr Euch in der Nähe der Küste aufhalten und eine Tsunami-Warnung erhaltet, dann solltet Ihr schnellstmöglich höhergelegene Gebiete aufsuchen. So könnt Ihr Euch selbst in Sicherheit bringen, denn im Gegensatz zum Erdbeben-Frühwarnsystem habt Ihr bei einer Tsunami-Warnung (津波!避難! oder つなみ!ひなん (Tsunami Hinan!) ) noch etwas mehr Zeit zum evakuieren.
In Küstenregionen gibt es übrigens regelmäßig Schilder, die Euch anzeigen, auch welcher Höhe Ihr Euch befindet und in welche Richtung Ihr noch höhere Gebiete erreichen könnt. Auch Entfernungen zu sicheren Orten sind hier angegeben.
Tsunami-Informationen in Kamakura
Das Nankai-Trog-Beben/Nankai Trough Earthquake – eine drohende Gefahr
Der Nankai-Trog ist das Schreckgespenst in Japan. Das ist eine tief liegende “Sollbruchstelle” vor der Südküste. Hier schiebt sich die Philippinische Platte besonders aggressiv unter Japan.
Die Wahrscheinlichkeit des Nankai-Trog-Bebens
Das Wichtigste zuerst: Das Nankai-Trog-Beben ist kein “ob”, sondern ein “wann”. Die Gefahr ist sehr hoch und messbar.
Der 90-Jahre-Zyklus
Japanische Seismologen haben die historischen Aufzeichnungen und geologischen Spuren der letzten 1300 Jahre intensiv analysiert. Sie haben festgestellt, dass es in dieser Region einen wiederkehrenden Zyklus gibt. Im Durchschnitt bricht die gesamte Verwerfung alle 90 bis 200 Jahre in einem sogenannten Megathrust-Erdbeben der Stärke 8 oder 9.
Die letzten großen Ereignisse im Nankai-Trog fanden 1944 (Shōwa-Tōnankai-Beben) und 1946 (Shōwa-Nankai-Beben) statt. Diese Beben haben zwar Teile des Grabens gebrochen, aber die Experten gehen davon aus, dass sich die Spannung in den umliegenden Abschnitten seitdem wieder massiv aufgebaut hat.
Die aktuelle Gefahrenlage
Basierend auf diesen Zyklen und den aktuellen Messungen der Plattenbewegung veröffentlicht die japanische Regierung regelmäßig Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten dieses Bebens.
Aktuellen Schätzungen zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein großes Erdbeben (Magnitude 8-9) im Nankai-Trog innerhalb der nächsten 30 Jahre auftritt, bei etwa 70 bis 80 Prozent.
Das ist eine extrem hohe Zahl und der Grund, warum in Japan alle Vorsorgemaßnahmen auf dieses Szenario ausgerichtet sind. Man berechnet das Risiko, um zu wissen, wie viele Brücken, Hochhäuser und Küstenschutzanlagen dem standhalten müssen.
Das Katastrophenpotenzial: Warum es so gefürchtet ist
Was dieses Beben so furchtbar macht, ist nicht nur die pure Stärke, sondern die geografische Lage und die doppelte Bedrohung:
- Die Erschütterung: Ein Megathrust-Beben der Stärke 9 würde stärkere und länger anhaltende Bodenbewegungen verursachen als das Tohoku-Beben von 2011. Millionen Menschen in den Ballungszentren von Osaka, Nagoya und der Tokai-Region wären betroffen.
- Der Tsunami: Weil das Erdbeben direkt am Meeresboden stattfindet, würde es eine enorme Welle auslösen. Im Gegensatz zu Beben, die weit entfernt sind, hätte die Bevölkerung nur wenige Minuten Zeit, sich in Sicherheit zu bringen, bevor der Tsunami die Küste erreicht. Prognosen deuten auf Wellenhöhen von bis zu 30 Metern in einigen Buchten hin.
Wissenschaftler warnen, dass ohne die massiven Vorbereitungen, die Japan seit 2011 getroffen hat, die Zahl der Opfer und der wirtschaftliche Schaden (der auf Hunderte von Milliarden Euro geschätzt wird) unvorstellbar wären. Japan setzt alles daran, durch frühzeitige Warnsysteme und bauliche Maßnahmen diesen Wahrscheinlichkeiten entgegenzuwirken.
Z22, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Fazit – Respekt aber keine Angst
Zusammengefasst lässt sich sagen: Ja, man sollte vor Erdbeben Respekt haben und sich im Klaren sein, dass diese jederzeit passieren können. Aber man sollte sich auch seine Japan-Reise nicht vor lauter Angst vermiesen lassen. Japan und seine Bevölkerung ist sehr gut auf solche Ereignisse vorbereitet. Und wenn Ihr einige Verhaltensweise im Kopf habt, dann könnt Ihr auch ein solches Ereignis überstehen.
Zum Schluss bleibt mir, uns allen die Daumen zu drücken, dass wir die Verhaltensregeln bei einem Erdbeben nie benötigen. Trotzdem habe ich hier noch einmal alle wichtigen Informationen als Infografik zusammengestellt. Das Ganze könnt Ihr auch als PDF herunterladen, so dass Ihr Euch die Grafik für Eure nächste Japan-Reise ausdrucken könnt.
- Ihr möchtet noch mehr über Erdbeben erfahren? Dann schaut doch mal im Okumura Commemorative Museum in Nara vorbei schauen
- An die Geschichte des großen Kanto-Erdbebens erinnert das Great Kanto Earthquake Memorial Museum
- Und Jenny von Weltwunderer war im Life Safety Learning Centre in Ikebureko unterwegs
- Informationen zu den Beben der vergangenen Tage findet Ihr bei der Japan Meteorological Agency
- Während eines Erdbebens Papiere in Japan verloren? Hier findet Ihr Hilfe
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