Kyoto – Stadt der tausend Tempel und Schreine

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Eine Collage aus vier Fotos, die traditionelle japanische Tempel zeigen: rote Pagoden, einen goldenen Pavillon an einem Teich und ein großes rotes Schreintor mit Besuchern unter einem verzierten Dach.

Kyoto – allein der Name weckt Bilder von stillen Zen-Gärten, prachtvoll geschwungenen Tempeldächern, in leichten Nebel gehüllten Bergen und Geishas, die lautlos durch enge Gassen gleiten. Die ehemalige Kaiserstadt Japans ist ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart auf poetische Weise die Hand geben. Über 1.600 buddhistische Tempel und etwa 400 Shintō-Schreine prägen das Stadtbild. Kyoto wird daher nicht umsonst die „Stadt der tausend Tempel“ genannt – und selbst das ist noch eine Untertreibung.

Aber was macht Kyoto so besonders? Es ist nicht nur die schiere Zahl an heiligen Stätten. Es ist ihre Vielfalt. Von riesigen, prachtvollen Anlagen mit goldverzierten Dächern bis hin zu winzigen, unscheinbaren Orten, die man nur entdeckt, wenn man zufällig vom Weg abkommt – jeder Tempel erzählt eine eigene Geschichte, jeder Schrein verströmt eine andere Energie. Und genau darum nehme ich Euch heute mit auf eine Reise durch die schönsten, bekanntesten und geheimnisvollsten Tempel und Schreine, die Kyoto zu bieten hat. Natürlich in meinen eigenen Worten – so, wie ich sie erlebt habe oder erleben würde.

Kinkaku-ji – Der Goldene Pavillon

Der Kinkaku-ji ist vermutlich der berühmteste Tempel in ganz Kyoto – und das aus gutem Grund. Der „Goldene Pavillon“, wie er auf Deutsch genannt wird, ist mit echtem Blattgold überzogen und spiegelt sich malerisch in einem künstlich angelegten Teich. Dieses Bild wirkt fast surreal, wie aus einem alten Gemälde. Ursprünglich war der Tempel eine private Villa, wurde aber im 14. Jahrhundert in einen Zen-Tempel umgewandelt. Obwohl das heutige Gebäude eine Rekonstruktion aus den 1950er Jahren ist – das Original wurde bei einem Brand zerstört –, bleibt der Zauber ungebrochen.

Was mich am Kinkaku-ji besonders beeindruckt hat, ist die Art, wie hier die Architektur mit der Natur verschmilzt. Der Weg führt durch einen wunderschön gepflegten Garten, vorbei an kleinen Schreinen, alten Steinen und Moosflächen. Und obwohl oft viele Besucher unterwegs sind, strahlt der Ort eine fast meditative Ruhe aus. Ein echtes Highlight und für viele der Inbegriff von Kyoto. Wenn Ihr zum ersten Mal in der Stadt seid, führt kein Weg an diesem goldenen Juwel vorbei.

↗ Hier findet Ihr meinen Beitrag über den Kinkaku-ji 

Kinkaku-ji
  • Adresse: 1 Kinkakujicho, Kita Ward, Kyoto, 603-8361
  • Öffnungszeiten: Täglich 09:00–17:00 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene 500 Yen | Kinder 300 Yen
  • Weitere Informationen: www.shokoku-ji.jp

Geschichtliches zum Kinkaku-ji-Tempel

Ginkaku-ji – Der Silberne Pavillon

Weniger prunkvoll, aber mindestens ebenso beeindruckend ist der Ginkaku-ji – der sogenannte „Silberne Pavillon“. Anders als der Name vermuten lässt, ist der Tempel nicht mit Silber bedeckt. Stattdessen verkörpert er die schlichte Schönheit des Wabi-Sabi-Stils: Eleganz durch Einfachheit und das Bewusstsein für Vergänglichkeit. Der Ginkaku-ji wurde im 15. Jahrhundert als Rückzugsort eines Shoguns erbaut und später ebenfalls in einen Zen-Tempel umgewandelt.

Der wahre Schatz liegt hier im Detail. Der Sandgarten mit dem berühmten „Silbernen Sandkegel“ symbolisiert den heiligen Berg Fuji und ist ein Paradebeispiel für japanische Gartenkunst. Beim Spazieren durch die Moosgärten und entlang kleiner Teiche fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Der Weg auf einen kleinen Hügel bietet zudem eine wunderschöne Aussicht über Kyoto. Wer die ruhige, kontemplative Seite der Stadt erleben will, ist hier genau richtig.

Ginkaku-ji
  • Adresse: 2 Ginkakujicho, Sakyo Ward, Kyoto, 606-8402
  • Öffnungszeiten: März bis November 8:30 – 17:00 | Dezember bis Februar 9:00 – 16:30
  • Eintritt: Erwachsene 500 Yen | Kinder 300 Yen
  • Weitere Informationen: www.shokoku-ji.jp

Fushimi Inari-Taisha – Die endlosen roten Torii

Einer der ikonischsten Orte in Kyoto ist der Fushimi Inari-Taisha. Der Schrein ist dem Reisgott Inari gewidmet und vor allem für seine Tausenden von leuchtend roten Torii-Toren bekannt, die sich kilometerweit den Berg Inari hinaufziehen. Ein Spaziergang durch dieses „Torii-Tunnel-Labyrinth“ ist ein unvergessliches Erlebnis – besonders in den frühen Morgenstunden oder in der Abenddämmerung, wenn kaum andere Besucher unterwegs sind.

Was mir besonders gefällt: Jeder dieser Torii wurde von einer Firma oder Privatperson gespendet – als Dank für geschäftlichen Erfolg oder in der Hoffnung auf zukünftiges Glück. Die Inari-Schreine erkennt man übrigens auch an den vielen Fuchs-Statuen – Füchse gelten als die Boten des Gottes. Wer sich sportlich fühlt, kann bis ganz nach oben wandern. Die gesamte Runde dauert etwa zwei bis drei Stunden, aber auch kürzere Strecken lohnen sich. Der Fushimi Inari-Taisha ist ein Ort zwischen Mystik und Bewegung – spirituell und doch voller Leben.

↗ Hier findet Ihr meinen Beitrag über den Fushimi Inari-Taisha

Fushimi Inari-Taisha
  • Adresse: 68 Fukakusa Yabunouchicho, Fushimi Ward, Kyoto, 612-0882
  • Öffnungszeiten: 24/7, der Schrein schließt nie, daher kann er auch am späten Abend oder am frühen Morgen besucht werden
  • Eintritt: Der Besuch des Schrein ist kostenlos
  • Weitere Informationen: www.inari.jp

Kyoto Fushimi Inari-taisha Schrein

Ryoan-ji – Der Zen-Garten der Stille

Wenn Ihr die meditative Seite Kyotos erleben wollt, dann führt kein Weg am Ryoan-ji vorbei. Der Tempel ist berühmt für seinen Zen-Garten – eine rechteckige Fläche aus weißen Kieseln, die regelmäßig geharkt werden, und in der sich fünfzehn unregelmäßig platzierte Felsen befinden. Was auf den ersten Blick unspektakulär wirkt, entfaltet bei längerem Betrachten eine tiefe Wirkung. Es heißt, man könne von keiner Position aus alle fünfzehn Steine gleichzeitig sehen – ein Sinnbild für die menschliche Begrenztheit.

Ryoan-ji stammt aus dem 15. Jahrhundert und diente einst als Villa eines Adligen, bevor er in einen Tempel umgewandelt wurde. Umgeben von Wald, kleinen Teichen und alten Mauern ist der Ort eine Oase der Ruhe. Der Zen-Garten ist nicht einfach ein Bild, das man anschaut – er ist eine Einladung, sich selbst zu begegnen. Vielleicht gerade deshalb ist dieser Tempel für viele Japaner so bedeutend. Wer offen ist für Stille, wird hier sehr viel finden.

Ryoan-ji
  • Adresse: 13 Ryoanji Goryonoshitacho, Ukyo Ward, Kyoto, 616-8001
  • Öffnungszeiten: März bis November 08:00–17:00 Uhr | Dezember bis Februar 8:30 – 16:30 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene 600 Yen | Kinder 300 – 500 Yen je nach Alter
  • Weitere Informationen: www.ryoanji.jp

Kiyomizu-dera – Der Tempel mit der hölzernen Bühne

Der Kiyomizu-dera ist einer der beliebtesten Tempel in ganz Japan – und das liegt nicht nur an seiner spektakulären Lage. Hoch oben an einem Hang im Osten Kyotos gelegen, bietet der Tempel eine weite Aussicht über die Stadt. Das absolute Highlight ist die gewaltige hölzerne Plattform, die ohne Nägel erbaut wurde und aus dem Hauptgebäude herausragt. Besonders zur Kirschblüte im Frühling und im leuchtenden Herbst ist dieser Ort magisch.

Der Tempel ist der Göttin Kannon gewidmet, der Göttin des Mitgefühls. Viele Besucher kommen mit Wünschen auf Heilung, Liebe oder Erfolg. Am Fuße des Tempels findet Ihr die „Otowa-Wasserfälle“, deren drei Ströme für Langlebigkeit, Erfolg in der Schule und Liebesglück stehen. Wer das Wasser trinkt, soll gesegnet sein – aber Achtung: nur aus einem der drei Ströme! Kiyomizu-dera ist mehr als nur ein Aussichtspunkt. Es ist ein Ort, an dem Spiritualität und Schönheit auf beeindruckende Weise verschmelzen.

↗ Hier findet Ihr meinen Beitrag über den Kiyomizu-dera

Kiyomizu-dera
  • Adresse: 1 Chome-294 Kiyomizu, Higashiyama Ward, Kyoto, 605-0862
  • Öffnungszeiten: 6:00 – 18:00 Uhr | bei verschiedenen Gelegenheit sind die Öffnungszeiten bis 21:30 Uhr verlängert
  • Eintritt: Erwachsene 500 Yen | Kinder 200 Yen
  • Weitere Informationen: www.kiyomizudera.or.jp

Kyoto Kiyomizu-dera-Tempel

Sanjūsangen-dō – Die Halle der 1001 Kannon-Statuen

Dieser Tempel ist einzigartig – und überwältigend. Die Sanjūsangen-dō („Halle mit 33 Räumen“) beherbergt 1001 lebensgroße Statuen der Göttin Kannon. Alle aus Holz, jede mit leicht anderen Gesichtszügen. In der Mitte thront eine riesige, elfköpfige Hauptfigur, die von einem wahren Heer aus goldenen Statuen flankiert wird. Das Zusammenspiel von Licht, Gold und der stillen Atmosphäre ist schlicht atemberaubend.

Die Halle selbst ist mit 120 Metern die längste Holzhalle Japans und wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Neben der spirituellen Kraft ist Sanjūsangen-dō auch historisch interessant: Hier fand einst ein berühmter Bogenschießwettbewerb statt. Noch heute wird der Tempel jedes Jahr im Januar zum Treffpunkt von Kyūdō-Schützen aus ganz Japan. Für mich ist dieser Ort ein Beispiel für die Großzügigkeit des Buddhismus – in seiner künstlerischen wie spirituellen Dimension.

Sanjūsangen-dō
  • Adresse: 657 Sanjusangendomawari, Higashiyama Ward, Kyoto, 605-0941
  • Öffnungszeiten: April bis November 8:30–17:00 Uhr | Dezember bis März 9:00–16:00 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene 300 Yen | Kinder 300-500 Yen
  • Weitere Informationen: www.sanjusangendo.jp

Danrin-ji – Der verschwundene Tempel von Arashiyama

Der Danrin-ji gilt als der erste Zen-Tempel Japans – doch heute sucht man ihn vergeblich, denn von ihm sind nur noch Spuren geblieben. Gegründet wurde er im 9. Jahrhundert von Kaiser Saga in Arashiyama, also im Westen Kyotos. Der Tempel war lange Zeit ein kulturelles Zentrum und einer der prächtigsten Orte der frühen Heian-Zeit.

Doch im Lauf der Jahrhunderte verfiel die Anlage durch Feuer und Vernachlässigung, bis sie im 14. Jahrhundert schließlich verschwand. An seiner Stelle steht heute der berühmte Tenryū-ji, der zum UNESCO-Welterbe gehört. Und doch ist der Geist des Danrin-ji nicht ganz verschwunden – historische Texte, alte Zeichnungen und archäologische Funde erinnern daran, dass hier einst ein bedeutender Ort buddhistischer Praxis war.

Wenn Ihr also durch den heutigen Tenryū-ji-Garten spaziert, geht Ihr quasi über die Geschichte des Danrin-ji hinweg – ein stilles Echo der Vergangenheit, das Kyoto so faszinierend macht. Wer sich für alte Tempelgeschichte interessiert, sollte diesen „nicht mehr existierenden“ Ort trotzdem mitdenken – als Grundlage für vieles, was heute als typisch „Zen“ gilt.

Danrin-ji
  • Adresse: 2-10 Sagatoriimoto Kozakacho, Ukyo Ward, Kyoto, 616-8435

Ein traditionelles japanisches hölzernes Tempeltor mit einem Ziegeldach steht offen und ist an weißen Wänden befestigt. Das von oben einfallende Sonnenlicht beleuchtet das Tor und wirft Schatten auf den Boden. Im Hintergrund sind Bäume und Hügel zu sehen.

Heian-jingū – Der Schrein mit dem riesigen Torii

Der Heian-jingū ist einer der jüngeren Schreine Kyotos, aber deshalb nicht weniger eindrucksvoll. Er wurde 1895 zum 1100-jährigen Bestehen der Stadt Kyoto erbaut und ist dem ersten und letzten Kaiser gewidmet, die in Kyoto residierten. Schon von Weitem erkennt man den Schrein an seinem riesigen, orangeroten Torii-Tor, das als eines der größten in ganz Japan gilt.

Der eigentliche Schrein ist in der Architektur des alten Kaiserpalasts gehalten und von einem großzügigen Garten umgeben, der zu jeder Jahreszeit seinen eigenen Charme entfaltet. Besonders die Kirschblüte im Frühling ist ein echtes Highlight. Viele Paare lassen sich hier traditionell trauen, was den Schrein zu einem Ort des Neuanfangs macht. Obwohl er etwas touristischer ist, ist er für mich ein wunderbarer Kontrast zu den älteren Schreinen – und ein Symbol dafür, wie Tradition auch in der Moderne ihren Platz findet.

Heian-jingū
  • Adresse: 97 Okazaki Nishitennocho, Sakyo Ward, Kyoto, 606-8341
  • Öffnungszeiten: Täglich 06:00–17:00 Uhr
  • Eintritt: Online lässt sich hierzu leider keine Information finden
  • Weitere Informationen: www.heianjingu.or.jp

Nanzen-ji – Tor zum Zen

Der Nanzen-ji gehört zu den wichtigsten Zen-Tempeln Japans und liegt malerisch am Fuß der Higashiyama-Berge. Schon das mächtige Sanmon-Tor am Eingang ist ein echter Hingucker: ein gewaltiges Holzbauwerk, das einst Samurai als Aussichtspunkt nutzten. Von oben habt Ihr einen fantastischen Blick über Kyoto – besonders im Herbst ein Traum.

Der Tempel wurde im 13. Jahrhundert gegründet und diente einst sogar als Residenz des Kaisers. Heute ist er vor allem wegen seines meditativen Zen-Gartens und des beeindruckenden Aquädukts im römischen Stil beliebt, das durch die Tempelanlage führt – ein absolut ungewöhnlicher Anblick für japanische Verhältnisse! Die gesamte Atmosphäre hier ist ruhig, kontemplativ, fast feierlich. Besonders schön ist es am frühen Morgen, wenn der Ort noch menschenleer ist und nur das Rauschen des Windes durch die Pinien zu hören ist.

Wenn Ihr eine Pause vom Trubel Kyotos braucht, aber dennoch nicht auf Geschichte und Atmosphäre verzichten wollt, dann ist der Nanzen-ji ein echter Geheimtipp – imposant, spirituell und trotzdem angenehm wenig überlaufen.

↗ Hier findet Ihr meinen Beitrag über den Nanzen-ji

Nanzen-ji
  • Adresse: 86 Nanzenji Fukuchicho, Sakyo Ward, Kyoto, 606-8435
  • Öffnungszeiten: Dezember bis Februar 8:40 – 16:30 Uhr | März bis November 8:40 – 17:00 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene 400 Yen | Kinder 250 Yen
  • Weitere Informationen: nanzenji.or.jp

Die spirituelle Bedeutung des Nanzenji-Tempels

Tōfuku-ji – Herbstwunder unter Ahornblättern

Der Tōfuku-ji ist vor allem im Herbst ein echtes Spektakel. Dann verwandeln sich die Ahornbäume rund um die Anlage in ein glühendes Meer aus Rot, Orange und Gold. Die Tsutenkyo-Brücke, die sich über ein kleines Tal mit dichtem Ahornbestand spannt, ist dabei der absolute Blickfang – und dementsprechend auch ein sehr beliebter Fotospot.

Doch auch abseits der Laubverfärbung hat dieser Zen-Tempel aus dem 13. Jahrhundert viel zu bieten. Besonders bekannt ist der Hojo-Garten, der aus vier verschiedenen Zen-Gärten besteht – jeder mit seiner eigenen Komposition aus Steinen, Moos und Kies. Hier wird Zen-Ästhetik zur Kunstform. Während manche Besucher einfach nur staunen, kann man sich als sensibler Geist richtig darin verlieren.

Was mir persönlich am Tōfuku-ji gefällt, ist diese perfekte Balance zwischen Tradition und Naturschauspiel. Er ist groß, ohne überwältigend zu sein, bekannt, ohne überlaufen zu wirken (außer vielleicht im Herbst). Wer Kyoto im Spätherbst besucht, sollte diesen Ort auf keinen Fall auslassen.

Tōfuku-ji
  • Adresse: 15 Chome-778 Honmachi, Higashiyama Ward, Kyoto, 605-0981
  • Öffnungszeiten: April bis Oktober 9:00-16:00 Uhr | November 8:30-16:00 Uhr | Dezember bis März 9:00-15:30 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene 500 Yen | Kinder 300 Yen
  • Weitere Informationen: tofukuji.jp

Nonomiya-Schrein – Zwischen Bambus und alter Literatur

Der Nonomiya-Schrein liegt idyllisch am Rand des berühmten Bambuswalds von Arashiyama und gehört zu den charmantesten kleinen Schreinen Kyotos. Er ist tief verwoben mit der japanischen Literaturgeschichte, insbesondere mit dem berühmten „Genji Monogatari“, dem ersten Roman der Weltliteratur. In dieser Geschichte wird beschrieben, wie kaiserliche Prinzessinnen vor ihrer Einweihung als Priesterinnen des Ise-Schreins hier in ritueller Reinheit lebten. Und genau das war die Funktion des Nonomiya-Schreins: ein Ort der Vorbereitung, der Reinigung, des Übergangs.

Der Schrein selbst ist klein, aus dunklem Holz gebaut und wirkt sehr ursprünglich – fast wie ein Fenster in eine andere Zeit. Besonders auffällig ist das schwarze Torii, das aus unbehandeltem Holz besteht – sehr selten in Japan. Auch heute noch kommen viele Frauen hierher, um für Familie, Kinderwunsch oder gute Beziehungen zu beten. Wer den Spaziergang durch den Bambuswald macht, sollte unbedingt einen kurzen Abstecher hierher einplanen. Der Nonomiya-Schrein ist kein Ort des Prunks, sondern einer leisen Magie, die vor allem in der Stille spürbar wird.

Nonomiya Schrein
  • Adresse: 1 Sagatenryuji Tateishicho, Ukyo Ward, Kyoto, 616-8375, Japan
  • Öffnungszeiten: den Nonomiya Schrein könnt Ihr jederzeit besuchen
  • Eintritt: der Besuch des Nonomiya Schrein ist kostenlos
  • Weitere Informationen: www.nonomiya.com

Ein kleiner Shinto-Schrein mit roten Torii-Toren, traditionellen Dekorationen und Talismanen aus Papier steht friedlich inmitten von Grünpflanzen und Bambus und erinnert an einen ruhigen japanischen Tempel im Freien.

Eikan-dō – Der Tempel des zurückblickenden Amida

Der Eikan-dō, offiziell Zenrin-ji genannt, ist ein weiterer Ort, der besonders im Herbst große Beliebtheit genießt. Die Tempelanlage schmiegt sich an einen bewaldeten Hang und bietet mit ihren hölzernen Wandelgängen, Teichen und Pagoden ein Bild wie aus einem Bilderbuch. Doch auch jenseits der Laubfärbung lohnt sich ein Besuch – vor allem wegen der berühmten Amida-Statue.

Diese Statue zeigt den Buddha mit dem Kopf leicht über die Schulter gedreht – als würde er zurückblicken. Der Legende nach drehte sich die Statue während einer Zeremonie zu ihrem Gläubigen um und sprach ihn direkt an. Seitdem wird sie als „Mikaeri Amida“ (rückblickender Amida) verehrt.

Was diesen Tempel so besonders macht, ist die Verbindung aus landschaftlicher Schönheit, spiritueller Tiefe und einer fast poetischen Ruhe. Die Wege sind geschwungen, der Garten wirkt wie ein lebendiges Gemälde, und in jedem Winkel scheint eine Geschichte verborgen zu liegen. Wenn Ihr Orte liebt, die eine gewisse Sanftheit und Tiefe ausstrahlen, dann wird Euch der Eikan-dō ganz sicher berühren.

Zenrin-ji
  • Adresse: 48 Eikandocho, Sakyo Ward, Kyoto, 606-8445
  • Öffnungszeiten: Täglich 09:00–16:00 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene 600 Yen | Kinder 400 Yen
  • Weitere Informationen: www.eikando.or.jp

Yasaka-jinja – Der Schrein, der nie schläft

Der Yasaka-jinja liegt mitten im lebendigen Viertel Gion und ist einer der zentralen Schreine Kyotos. Besonders bekannt ist er für das Gion Matsuri, eines der berühmtesten Feste Japans, das jedes Jahr im Juli stattfindet. Dann verwandeln sich die Straßen in ein buntes Meer aus Umzügen, traditionellen Gewändern und lebhaften Ständen. Aber auch außerhalb des Festivals ist der Schrein ein sehr belebter Ort – fast rund um die Uhr besuchen ihn Einheimische wie Touristen.

Die leuchtend roten Gebäude, das große Eingangstor und die vielen Laternen machen den Yasaka-jinja zu einem besonders fotogenen Ort. Er ist den Göttern des Wohlbefindens und der Schönheit gewidmet – was vielleicht erklärt, warum hier besonders viele junge Leute beten.

Was mir an diesem Schrein gefällt, ist sein offener Charakter. Er wirkt nicht abgeschieden oder streng, sondern wie ein selbstverständlicher Teil des täglichen Lebens. Ihr kommt vielleicht wegen der Architektur – aber Ihr bleibt wegen der Energie. Und wenn Ihr am Abend durch Gion spaziert: der beleuchtete Schrein hat eine ganz eigene Magie.

↗ Hier findet Ihr meinen Beitrag über den Yasaka-jinja

Yasaka-jinja
  • Adresse: 625 Gionmachi Kitagawa, Higashiyama Ward, Kyoto, 605-0073
  • Öffnungszeiten: Der Yasaka-jinja ist rund um die Uhr geöffnet
  • Eintritt: Der Besuch des Yasaka-jinja ist kostenlos
  • Weitere Informationen: www.yasaka-jinja.or.jp

Yasaka-Schrein Ninenzaka Kyoto

Daigo-ji – Tempel der verborgenen Schätze

Der Daigo-ji ist eine weitläufige Tempelanlage, die sich vom Fuße bis auf die Höhen des Daigo-Bergs erstreckt. Wer bereit ist, ein wenig zu wandern, wird hier mit einer Kombination aus spektakulärer Aussicht, tiefer Spiritualität und absoluter Ruhe belohnt. Der Tempel ist UNESCO-Welterbe und war einst Rückzugsort für Kaiser und Mönche. Besonders berühmt ist er für seine fünfstöckige Pagode – die älteste erhaltene in Kyoto, erbaut im Jahr 951.

Im Frühling verwandelt sich Daigo-ji in ein Blütenmeer – mehr als 1.000 Kirschbäume blühen hier gleichzeitig, was ihn zum Lieblingsort für Hanami (Blütenschau) macht. Doch auch im Rest des Jahres lohnt sich ein Besuch. Der untere Teil der Anlage mit dem Bentendo-Pavillon an einem kleinen See ist fast kitschig schön – vor allem, wenn sich das Gebäude im Wasser spiegelt.

Der Aufstieg zum oberen Tempelbereich erfordert etwas Kondition, aber oben angekommen werdet Ihr mit Stille und Weite belohnt. Daigo-ji ist für mich der perfekte Ort, um Kyoto von einer fast vergessenen Seite zu erleben – weit weg vom Trubel, tief verwurzelt in Geschichte und Natur.

Daigo-ji
  • Adresse: 22 Daigohigashiojicho, Fushimi Ward, Kyoto, 601-1325
  • Öffnungszeiten: Täglich 09:00–17:00 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene 600 Yen | Kinder 400 Yen
  • Weitere Informationen: www.daigoji.or.jp

Tenryū-ji – Zen und Landschaft in perfekter Harmonie

Der Tenryū-ji ist einer der berühmtesten Tempel in Kyoto – und ein Muss, wenn Ihr in Arashiyama unterwegs seid. Gegründet wurde er 1339 von Ashikaga Takauji zur Besänftigung des Geistes des abgesetzten Kaisers Go-Daigo. Er gehört zur Rinzai-Schule des Zen-Buddhismus und ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Was ihn so besonders macht, ist die meisterhafte Verbindung von Architektur und Natur: Der Garten wurde vom legendären Gartenkünstler Musō Soseki gestaltet und gilt als einer der schönsten in ganz Japan.

Der Blick vom Hauptgebäude auf den Teich, die umgebenden Steine, Pflanzen und den dahinter aufragenden Arashiyama ist einfach perfekt komponiert – als würde man in ein lebendiges Gemälde schauen. Die Atmosphäre ist trotz vieler Besucher ruhig und friedlich, fast meditativ. Wenn Ihr im Frühling oder Herbst kommt, verwandelt sich der Garten in ein Farbenmeer. Und wer etwas Zeit mitbringt, kann durch den Zen-Garten spazieren und die Ruhe in sich aufnehmen.

Tenryū-ji ist ein Ort, an dem sich Geschichte, Kunst und Natur auf tiefgründige Weise begegnen. Für mich einer der eindrucksvollsten Tempel Kyotos – und ein Platz, an den man gerne zurückkehrt.

Tenryū-ji
  • Adresse: 〒616-8385 Kyoto, Ukyo Ward, Sagatenryuji Susukinobabacho, 68
  • Öffnungszeiten: Täglich 08:30–17:00 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene 500 Yen | Kinder 300 Yen
  • Weitere Informationen: www.tenryuji.com

Ein traditionelles Holztor mit Ziegeldach markiert den Eingang eines japanischen Tempels, in den ein steinerner Weg führt und in dessen Hintergrund Menschen zu sehen sind. An dem Tor sind Schilder mit japanischer Schrift angebracht.

Shimogamo-jinja – Zwischen alten Bäumen und neuer Hoffnung

Der Shimogamo-jinja gehört zu den ältesten Shintō-Schreinen Japans und liegt eingebettet in einen alten Auenwald, den Tadasu-no-mori („Wald der Wahrheitsfindung“). Hier fühlt man sich sofort wie in einer anderen Welt – fast so, als hätte man die Stadtgrenzen überschritten und sei in ein mythisches Reich getreten.

Der Schrein ist UNESCO-Weltkulturerbe und wird eng mit dem Kamo-Clan und den Ursprüngen der Stadt Kyoto verbunden. Besonders beliebt ist er bei Paaren, die hier für Fruchtbarkeit und eine glückliche Familie beten. Auch viele Studenten kommen hierher, um sich für Prüfungen segnen zu lassen.

Die Atmosphäre ist friedlich und naturverbunden. Die großen Bäume, die alten Holzbauten, das plätschernde Wasser – alles wirkt wie aus einem alten Märchen. Besonders schön ist es im Frühling, wenn der Schrein mit kleinen Festen und Zeremonien zum Leben erwacht. Wer die spirituelle Seite Kyotos jenseits der Touristenmassen erleben will, wird im Shimogamo-jinja einen echten Kraftort finden.

Shimogamo-jinja
  • Adresse: 〒606-0807 Kyoto, Sakyo Ward, Shimogamo Izumikawacho
  • Öffnungszeiten: Täglich 06:00–17:00 Uhr
  • Eintritt: Der Besuch des Shimogamo-jinja ist kostenlos
  • Weitere Informationen: www.shimogamo-jinja.or.jp

Hōkan-ji – Die Pagode von Gion

Der Hōkan-ji-Tempel ist vielleicht besser bekannt als „Yasaka-no-tō“, denn seine elegante fünfstöckige Pagode ist eines der berühmtesten Fotomotive in ganz Kyoto. Sie ragt malerisch zwischen den historischen Gassen von Higashiyama auf – besonders früh morgens oder bei Sonnenuntergang entsteht hier dieser ikonische Japan-Moment, den man von Postkarten kennt.

Der Tempel stammt ursprünglich aus dem 6. Jahrhundert, wurde jedoch mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Heute gehört er zum Kennin-ji-Zen-Zweig. Das Innere ist nur an ausgewählten Tagen zugänglich, doch schon der äußere Anblick verzaubert.

Wer das seltene Glück hat hineinzukommen, entdeckt alte Buddha-Statuen und bemalte Säulen. Der Hōkan-ji ist kleiner als viele andere Tempel Kyotos, aber sein Charisma ist riesig – er ist kein Ort der großen Zeremonien, sondern ein markanter Ruhepol inmitten der belebtesten Altstadtgassen.

Hōkan-ji
  • Adresse: 〒605-0862 Kyoto, Higashiyama Ward, 清水八坂上町388
  • Öffnungszeiten: Samstag + Sonntag 10:00–15:00 Uhr
  • Eintritt: Online konnte ich hierzu nichts finden
  • Weitere Informationen:

Im Hintergrund erhebt sich eine traditionelle fünfstöckige Pagode vor einem klaren blauen Himmel. Im Vordergrund säumen Holzgebäude und ein großer grüner Baum Ninenzaka und lassen auf eine historische japanische Kulisse schließen, möglicherweise ein geschäftiges Dorf oder eine Stadt.

Kitano Tenmangū – Der Schrein der Gelehrten

Wenn Ihr während Eures Aufenthalts in Kyoto besonders viel Glück bei Prüfungen oder im Studium braucht, dann solltet Ihr unbedingt beim Kitano Tenmangū vorbeischauen. Dieser große Schrein ist dem Gelehrten Sugawara no Michizane gewidmet, der nach seinem Tod als Gott der Bildung (Tenjin) verehrt wird. Entsprechend pilgern Schüler und Studenten aus ganz Japan hierher, um sich geistigen Beistand zu holen – besonders zur Prüfungszeit.

Typisch für diesen Schrein sind die vielen Statuen von Rindern, die mit Sugawara assoziiert werden. Man sagt, wer einem der Ochsen den Kopf streichelt, verbessert seine eigenen geistigen Fähigkeiten. Die Anlage selbst ist weitläufig, traditionell und wirkt trotz der vielen Besucher erstaunlich entspannt. Besonders schön ist der Markt, der an jedem 25. des Monats stattfindet – ein lebendiges Event mit Street Food, Antiquitäten und viel Atmosphäre.

Zur Pflaumenblüte im Frühjahr verwandelt sich der Schrein in ein wahres Blütenmeer. Dann ist er nicht nur ein Ort für Wünsche und Gebete, sondern auch einer der schönsten Plätze der Stadt. Ein wunderbarer Mix aus Volksnähe, Historie und Spiritualität.

Kitano Tenmangū
  • Adresse: Bakurocho, Kamigyo Ward, Kyoto, 602-8386
  • Öffnungszeiten: Täglich 07:00–20:00 Uhr
  • Eintritt: Der Besuch des Kitano Tenmangū ist kostenlos
  • Weitere Informationen: kitanotenmangu.or.jp

Tō-ji – Die höchste Holzpagode Japans

Der Tō-ji, südlich vom Kyotoer Hauptbahnhof gelegen, ist unübersehbar – im wahrsten Sinne des Wortes. Seine fünfstöckige Pagode ist mit 55 Metern die höchste Holzpagode Japans und gilt als Symbol für die Stadt. Der Tempel wurde bereits kurz nach der Gründung Kyotos im Jahr 794 errichtet und war einer der beiden Tempel, die die kaiserliche Hauptstadt schützen sollten. Er gehört zur Shingon-Schule des esoterischen Buddhismus und ist tief mit dem legendären Mönch Kūkai (Kōbō Daishi) verbunden, der ihn im 9. Jahrhundert zur bedeutendsten Ausbildungsstätte des Shingon machte.

Im Inneren der Tempelhalle befinden sich eindrucksvolle buddhistische Statuen, die eine kosmische Mandala-Welt darstellen. Sie sind nicht nur spirituell bedeutsam, sondern auch künstlerisch meisterhaft gefertigt. Besonders beliebt ist der monatliche Flohmarkt „Kōbō-san“, der jeden 21. stattfindet – eine wunderbare Gelegenheit, um in alten Büchern, Stoffen oder Keramik zu stöbern und dabei echtes Tempelflair zu genießen.

Der Tō-ji ist ein Ort, an dem man die spirituelle Ernsthaftigkeit ebenso spürt wie die lebendige Alltagskultur. Wer sich für buddhistische Kunst interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten – ein Tempel, der tief beeindruckt und lange nachhallt.

Tō-ji
  • Adresse: 1 Kujocho, Minami Ward, Kyoto, 601-8473
  • Öffnungszeiten: Täglich 08:00–17:00 Uhr
  • Eintritt: Der Eintritt in die Goei-do-Halle ist kostenlos, Gebühren werden für den Kondo- und den Hörsaal fällig
  • Weitere Informationen: toji.or.jp

Eine hell erleuchtete traditionelle japanische Pagode steht vor einem tiefblauen Abendhimmel, teilweise umrahmt von dunklen Bäumen und Grünpflanzen im Vordergrund, die an die heitere Atmosphäre eines historischen Tempels erinnern.

Kurama-dera – Mystik in den Bergen

Ein echtes Abenteuer ist der Besuch des Kurama-dera, denn dieser Tempel liegt mitten in den bewaldeten Bergen nördlich von Kyoto. Schon die Anreise mit der kleinen Eizan-Eisenbahn ist ein Erlebnis für sich. Oben angekommen erwartet Euch eine spirituelle Anlage mit Panoramablick, frischer Bergluft und einem Hauch von Magie. Der Kurama-dera ist nicht nur ein buddhistischer Tempel, sondern auch eng mit alten Legenden und dem Shugendō-Bergglauben verbunden.

Der Weg zum Tempel führt über viele Treppen und durch einen Wald, der wie verzaubert wirkt – mit riesigen Zedern, Moos und stillen Wegen. Am Eingang begrüßt Euch der mystische „Tengu“ – ein Fabelwesen mit langem Gesicht und roten Wangen, das als Beschützer der Berge gilt. Der Haupttempel bietet einen grandiosen Ausblick ins Tal und eine spürbare spirituelle Tiefe.

Wer Lust hat, kann von hier aus noch weiter nach Kibune wandern – ein schöner Pilgerweg über den Bergrücken. Kurama ist nicht nur ein Tempel, sondern ein kleines Abenteuer, das Körper und Geist gleichermaßen anspricht. Und wer abends zurückfährt, erlebt die Wälder Kyotos in besonders mystischem Licht.

Kurama-dera
  • Adresse: 1074 Kuramahonmachi, Sakyo Ward, Kyoto, 601-1111
  • Öffnungszeiten: Täglich 09:00–16:00  Uhr
  • Eintritt: Der Besuch des Kurama-dera ist kostenlos
  • Weitere Informationen: www.kuramadera.or.jp

Kennin-ji – Wo Zen und Kunst sich begegnen

Mitten im Herzen des Gion-Viertels liegt der Kennin-ji, der älteste Zen-Tempel Kyotos. Bereits im Jahr 1202 gegründet, gilt er als Wiege des japanischen Zen-Buddhismus – und gleichzeitig als Ort, an dem sich Spiritualität und Kunst besonders harmonisch begegnen. Der Tempel ist nicht überladen oder pompös, sondern eher schlicht – aber genau diese Reduktion macht seinen Reiz aus.

Berühmt ist Kennin-ji vor allem für das monumentale Deckenbild zweier Drachen, das im Dharma-Halle thront. Es wurde erst im Jahr 2002 anlässlich des 800. Jubiläums des Tempels gemalt und wirkt gleichzeitig archaisch und modern. Wer sich darunter stellt, spürt förmlich die Energie, die von diesem Kunstwerk ausgeht.

Die Gärten des Kennin-ji sind Zen in Reinform: Kiesflächen, sorgfältig gesetzte Steine, Moos und Bambus schaffen eine fast meditative Atmosphäre. Die Holzveranden laden zum Verweilen ein – und wer hier sitzt, vergisst schnell, dass draußen das trubelige Gion beginnt. Für mich ist Kennin-ji ein Ort der Ruhe mitten im Herzen der Stadt – und ein echtes Juwel für alle, die sich für Zen, Kunst und klare Linien begeistern.

↗ Hier findet Ihr meinen Beitrag über den Kennin-ji,

Kennin-ji
  • Adresse: Komatsucho, Higashiyama Ward, Kyoto, 605-0811
  • Öffnungszeiten: Täglich 10:00 bis 16:30 Uhr (die Tore schließen um 17:00 Uhr).
  • Eintritt: Erwachsene 800 Yen | Schüler 500 Yen 
  • Weitere Informationen: www.kenninji.jp

Teekultur im Kenninji Tempel

Daitoku-ji – Zen-Labyrinth für Fortgeschrittene

Der Daitoku-ji ist eigentlich kein einzelner Tempel, sondern ein ganzer Komplex aus über 20 Subtempeln – ein echtes Paradies für Zen-Liebhaber und alle, die sich tiefer mit der Philosophie und Ästhetik des japanischen Buddhismus beschäftigen wollen. Jeder der Subtempel hat seinen eigenen Charakter, seinen eigenen Garten, seine eigene Geschichte. Manche sind öffentlich zugänglich, andere nur zu bestimmten Zeiten – aber gerade diese Vielfalt macht den Reiz aus.

Besonders hervorzuheben sind die Gärten des Daisen-in, eines der Subtempel. Der Steingarten dort gilt als Meisterwerk der Symbolik: eine ganze spirituelle Reise von der Quelle des Lebens bis zum Ozean, dargestellt durch Kies, Felsen und Moos. Wer sich darauf einlässt, entdeckt hier viel mehr als nur schöne Landschaft.

Der Daitoku-ji ist kein Ort für einen schnellen Besuch – hier lohnt es sich, Zeit mitzubringen, zu schauen, zu lesen, zu verweilen. Und vielleicht auch, mit den Mönchen ins Gespräch zu kommen, die einem gerne mehr über die Tempelkultur erzählen. Für mich ist dieser Ort eine Art „Universität des Zen“ – fordernd, vielschichtig, aber auch unglaublich bereichernd.

Daitoku-ji
  • Adresse: 53 Murasakino Daitokujicho, Kita Ward, Kyoto, 603-8231
  • Öffnungszeiten: Täglich 9:00 bis 17:00 Uhr 
  • Eintritt: Der Besuch der Daitoku-ji ist kostenlos
  • Weitere Informationen: daitokujidaijiin.com

Byōdō-in – Der Tempel auf der Rückseite der 10-Yen-Münze

Zugegeben, der Byōdō-in liegt nicht direkt in Kyoto, sondern im benachbarten Uji – aber mit der Bahn seid Ihr in 20 Minuten dort, und der Ausflug lohnt sich absolut. Der Tempel ist eines der bekanntesten Bauwerke Japans, denn seine berühmte Phönix-Halle ziert die Rückseite der 10-Yen-Münze. Und genau so elegant wie auf dem Geldstück präsentiert sich das Original: ein pavillonartiges Gebäude, das sich anmutig in einem Teich spiegelt, umgeben von einem gepflegten Garten.

Der Byōdō-in wurde im Jahr 1052 erbaut und gilt als eines der schönsten Beispiele für die sogenannte „Jōdo“-Architektur, die das buddhistische Paradies symbolisieren soll. Innen thront eine große Buddha-Statue, flankiert von 52 fliegenden Himmelswesen – eine himmlische Szene, die man nicht so schnell vergisst.

Das angeschlossene Museum ist modern gestaltet und bietet einen spannenden Einblick in die Geschichte des Tempels und die Kunst der Heian-Zeit. Und wenn Ihr danach durch Uji spaziert, lohnt sich ein Abstecher in eines der vielen Tee-Häuser – denn Uji gilt als die Hauptstadt des Matcha. Ein kulturelles und kulinarisches Erlebnis zugleich!

Byōdō-in
  • Adresse: Renge-116 Uji, Kyoto 611-0021
  • Öffnungszeiten: Täglich 8:45 bis 17:30 Uhr 
  • Eintritt: Erwachsene 700 Yen | Schüler 300-400 Yen 
  • Weitere Informationen: www.byodoin.or.jp

Ryōzen Kannon – Mahnmal des Friedens

Der Ryōzen Kannon ist weniger Tempel im klassischen Sinne, sondern vielmehr ein Friedensdenkmal – und dennoch tief spirituell. Dominierendes Element ist die 24 Meter hohe weiße Statue der Kannon, der buddhistischen Göttin des Mitgefühls, die über Kyoto blickt.

Errichtet wurde sie 1955 zum Gedenken an die Gefallenen des Pazifikkriegs. Besucher können im Inneren der Statue kleine Altäre und eine Gedenkhalle besichtigen, in der die Namen von zwei Millionen Kriegstoten aufbewahrt werden. Die Atmosphäre hier ist still, nachdenklich und berührend – ein Ort zum Innehalten.

Vor der Statue befindet sich ein kleiner Weihrauchofen, an dem man für Frieden beten kann. Besonders eindrucksvoll ist der Blick von hier Richtung Higashiyama – man sieht zugleich Schönheit und Erinnerung. Für mich ist Ryōzen Kannon ein Ort, der zeigt, dass Spiritualität auch Verantwortung bedeutet.

Ryōzen Kannon
  • Adresse: 526-2 Shimokawaracho, Higashiyama Ward, Kyoto, 605-0825
  • Öffnungszeiten: Täglich 8:40 bis 16:00 Uhr 
  • Eintritt: Erwachsene 300 Yen | Schüler 100-200 Yen 
  • Weitere Informationen: www.ryozen-kwannon.jp

Der Ryōzen Kannon Tempel in Ninenzaka

Hōnen-in – Ein verstecktes Juwel am Philosophenweg

Der Hōnen-in ist einer dieser Tempel, die man fast übersehen könnte – obwohl er direkt am beliebten Philosophenweg liegt. Und genau das macht seinen Charme aus. Der Eingang liegt etwas versteckt im Wald, zwei mit Moos bewachsene Tore flankieren den Weg – und plötzlich steht Ihr in einer anderen Welt. Ruhig, grün, fast märchenhaft.

Der Tempel ist dem buddhistischen Mönch Hōnen gewidmet, dem Gründer der Jōdo-Schule. Die Anlage selbst ist klein, aber äußerst liebevoll gestaltet. Besonders auffällig sind zwei Sandhügel, die rechts und links vom Weg zur Haupthalle liegen – sie symbolisieren Reinigung und Schutz. Je nach Jahreszeit werden sie mit kunstvollen Mustern versehen.

Was mich am Hōnen-in besonders fasziniert, ist seine stille Kraft. Es ist kein Ort der großen Touristenströme, sondern einer zum Innehalten. Wenn gerade keine Zeremonie stattfindet, kann man sich auf eine der Bänke setzen, den Blick über die Gärten schweifen lassen und einfach nur tief durchatmen. Ein idealer Ort für alle, die den Trubel hinter sich lassen möchten.

Kōdaiji – Eleganz zwischen Bambus und Zen

Der Kōdaiji wurde Anfang des 17. Jahrhunderts von Kita-no-Mandokoro, der Witwe von Toyotomi Hideyoshi, gestiftet – als Ort der Erinnerung und Verehrung ihres berühmten Gatten. Die Geschichte ist also schon einmal spannend. Doch auch die Architektur und die Gärten des Tempels sind beeindruckend: kunstvoll, elegant und sehr harmonisch angelegt.

Der Tempel liegt am Hang, von wo aus man einen schönen Blick auf Kyoto hat. Besonders stimmungsvoll ist ein Spaziergang durch den kleinen Bambuswald hinter dem Hauptgebäude – ein echtes Highlight, das viele Besucher überrascht, weil es so ruhig und wenig bekannt ist. Die Gärten wurden vom legendären Gartengestalter Kobori Enshū angelegt und gelten als wahre Meisterwerke.

Was mir am Kōdaiji besonders gut gefällt, ist das Zusammenspiel aus Geschichte, Natur und Ästhetik. In der Dämmerung wird der Tempel oft stimmungsvoll beleuchtet, was ihn in ein fast magisches Licht taucht. Besonders zur Kirschblüte oder im Herbst empfehle ich Euch einen Besuch in den Abendstunden – es ist ein Fest für alle Sinne.

Shinnyodō – Der stille Riese

Shinnyodō ist einer der größten Tempel Kyotos – und dennoch ein echter Geheimtipp. Er liegt etwas versteckt auf einem Hügel in der Nähe des Philosophenwegs und wird oft übersehen. Dabei ist die riesige Haupthalle schon allein einen Besuch wert. Sie wirkt imposant, aber gleichzeitig offen und einladend.

Der Tempel gehört zur Tendai-Schule des Buddhismus und ist besonders zur Herbstlaubzeit ein echter Geheimtipp. Dann leuchten die Ahornbäume rund um die Tempelgebäude in sattem Rot und Orange – und im Gegensatz zu den berühmteren Orten seid Ihr hier oft fast allein unterwegs. Auch die friedliche Atmosphäre auf dem Gelände trägt dazu bei, dass man hier wirklich zur Ruhe kommt.

Innen könnt Ihr wunderschöne Buddha-Statuen bewundern, und die gepflegten Gärten laden zum Verweilen ein. Für mich ist der Shinnyodō ein Ort, an dem Spiritualität nicht aufgesetzt wirkt, sondern einfach selbstverständlich da ist. Wer den Menschenmengen entkommen will und ein Gefühl für das „echte“ Kyoto sucht, sollte hier unbedingt vorbeischauen.

Enryaku-ji – Der Ursprung auf dem heiligen Berg

Streng genommen liegt der Enryaku-ji nicht in Kyoto, sondern auf dem heiligen Berg Hiei, der die Stadt im Nordosten überragt. Doch dieser Tempelkomplex ist eng mit Kyotos Geschichte verwoben – er war über Jahrhunderte das geistige Zentrum Japans. Hier wurden viele der einflussreichsten Mönche Japans ausgebildet, darunter auch die Gründer von Zen-, Jōdo- und Nichiren-Buddhismus.

Der Weg nach oben lohnt sich. Ihr erreicht den Tempel mit der Seilbahn oder einer kleinen Wanderung – und oben angekommen, erwartet Euch eine Welt der Ruhe. Der Enryaku-ji besteht aus mehreren Teilbereichen, verteilt über ein großes bewaldetes Areal. Besonders beeindruckend ist die Halle „Konpon Chūdō“, in der eine ewige Flamme brennt – seit über 1.200 Jahren.

Der Blick über den Biwa-See und das Tal ist atemberaubend. Enryaku-ji ist kein Tempel für einen schnellen Besuch, sondern ein Ort für einen halben Tagesausflug – ideal, wenn Ihr tief eintauchen wollt in Geschichte, Spiritualität und Natur. Für mich ist es einer der bewegendsten Orte rund um Kyoto.

Anraku-ji – Kleinod am Philosophenweg

Der Anraku-ji ist so klein und still, dass man ihn leicht übersieht – aber wer stehen bleibt und durch das kleine Tor tritt, wird belohnt. Dieser Tempel liegt ein wenig versteckt nahe des Philosophenwegs und öffnet seine Tore nur zu bestimmten Jahreszeiten, meist im Frühjahr und Herbst. Dann aber verwandelt sich das Gelände in eine Oase aus Farben und Licht.

Ursprünglich wurde der Tempel von zwei chinesischen Mönchen gegründet, was man seiner Architektur und Gestaltung teilweise noch anmerkt. Besonders schön ist der mit Moos bewachsene Garten, der im Herbst von Ahornblättern überzogen wird. Die Hauptgebäude sind schlicht, aber voller Charakter – kein Prunk, sondern eine stille Würde.

Was mir hier besonders gefällt: Der Tempel ist meist menschenleer. Man hat das Gefühl, ein gut gehütetes Geheimnis entdeckt zu haben. Hier könnt Ihr einfach auf den Holzplanken sitzen, die Augen schließen und das sanfte Rascheln der Blätter hören. Anraku-ji ist wie ein Gedicht aus Stein und Moos – leise, aber tief berührend.

Fazit: Kyoto – mehr als nur ein Ort, ein Erlebnis

Kyoto ist ein lebendiges Museum unter freiem Himmel. Eine Stadt, in der sich Jahrhunderte an Geschichte, Spiritualität und Kultur in Form von Tempeln und Schreinen materialisieren. Jeder Ort hat seine eigene Atmosphäre, seine eigene Geschichte, seinen eigenen Zauber. Ob prunkvoll wie der Kinkaku-ji, mystisch wie der Fushimi Inari-Taisha oder meditativ wie der Ryoan-ji – Kyoto zeigt, wie vielfältig der Zugang zu Spiritualität sein kann.

Was mir an Kyoto besonders gefällt, ist, dass man sich treiben lassen kann. Zwischen alten Steinen, leise raschelnden Bambuswäldern und dem Duft von Räucherstäbchen findet man nicht nur beeindruckende Bauten, sondern oft auch ein Stückchen innere Ruhe. Wenn Ihr also jemals das Gefühl haben solltet, dass die moderne Welt zu laut, zu schnell oder zu chaotisch ist – dann ist Kyoto der perfekte Ort, um wieder bei Euch selbst anzukommen.

Kiyomizu-dera Haupteingangstor – Nio-mon

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