Kuriose Weihnachtsbräuche in Japan – Weihnachten anders erleben
Weihnachten in Japan unterscheidet sich stark von dem, was wir aus Europa oder Nordamerika kennen. Nur etwa ein Prozent der Bevölkerung ist christlich, dennoch hat sich das Fest über die letzten Jahrzehnte als kulturelles und kommerzielles Ereignis etabliert. Anders als in westlichen Ländern, wo Weihnachten vor allem ein religiöses Familienfest ist, steht in Japan die festliche Stimmung, Romantik und Konsum im Vordergrund.
Statt einer besinnlichen Familienfeier verbringen viele Japaner den Heiligabend mit Partnern, besuchen aufwendig dekorierte Einkaufszentren, genießen festliche Menüs oder staunen über die zahlreichen Lichterinstallationen, die Städte und Parks in funkelnde Wunderwelten verwandeln. Dabei werden westliche Traditionen wie der Weihnachtsmann, der Christmas Cake oder das Geschenketauschen kreativ adaptiert und an die japanische Kultur angepasst. Diese Mischung aus Kommerz, visueller Pracht und romantischem Flair macht Weihnachten in Japan zu einem einzigartigen Erlebnis, das Besucher fasziniert und bei Einheimischen tief verankert ist.
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Weihnachten als Fest der Liebe und Zweisamkeit
In Japan ist der 24. Dezember vor allem ein Tag für Paare, vergleichbar mit einem zweiten Valentinstag. Restaurants bieten spezielle Menüs für Paare an, Hotels locken mit romantischen Übernachtungspaketen, und viele Städte veranstalten aufwendige Lichtinstallationen, sogenannte Illuminationen, die ganze Parks, Plätze oder Straßen in ein Meer aus bunten Lichtern tauchen.
Die romantische Betonung von Weihnachten hat historische und kulturelle Gründe. Weihnachten wurde in Japan nie als religiöses Fest etabliert, sondern durch westliche Filme, Werbung und kommerzielle Impulse populär gemacht. Junge Menschen interpretierten das Fest als romantische Gelegenheit, um gemeinsame Zeit zu verbringen, Geschenke auszutauschen oder unter funkelnden Lichtern spazieren zu gehen.
Für Singles ist der Heiligabend dagegen oft ein Tag, der im Freundeskreis oder in entspannter Gesellschaft verbracht wird. Dennoch dekorieren viele Haushalte kleine Weihnachtsbäume, und Kinder nehmen an Schulveranstaltungen teil, bei denen Weihnachtslieder gesungen oder Bastelarbeiten präsentiert werden. Dieser Mix aus westlicher Symbolik, kommerziellen Einflüssen und japanischer Interpretation macht die japanische Weihnacht besonders und unterscheidet sie grundlegend von westlichen Traditionen.

Kentucky Fried Chicken – Der kurioseste Weihnachtsbrauch
Wohl einer der bekanntesten und kuriosesten Bräuche in Japan ist der Verzehr von KFC am Heiligabend. Die Tradition begann in den 1970er Jahren mit einer Marketingkampagne unter dem Motto „Kentucky for Christmas“. Da traditionelle westliche Weihnachtsgerichte wie Gans oder Truthahn in Japan nicht verbreitet waren, bot KFC eine einfache, aber festliche Lösung an: frittiertes Hühnchen.
Heute ist es für Millionen Japaner ein Muss, am 24. Dezember einen KFC-Eimer zu genießen. Viele reservieren Wochen im Voraus, um sicherzustellen, dass sie das festliche Menü erhalten. Die Menüs umfassen oft Chicken, Beilagen, Salate, Desserts und manchmal sogar Sekt oder Champagner. Lange Schlangen vor den Filialen gehören zur Tradition dazu und zeigen, wie stark kommerzielle Einflüsse westliche Bräuche in Japan geprägt haben.
Für westliche Besucher wirkt es zunächst skurril: Hähnchen statt Gans, Fast-Food statt traditionellem Weihnachtsessen. Für die Japaner ist es jedoch ein fester Bestandteil der Feierlichkeiten, ein Ritual, das genauso ernst genommen wird wie das Aufstellen eines Weihnachtsbaums in Europa.

Christmas Cake – Süße Symbolik und kulinarisches Highlight
Neben KFC spielt der Christmas Cake eine zentrale Rolle im japanischen Weihnachtsfest. Dieser Biskuitkuchen, gefüllt mit Schlagsahne und frischen Erdbeeren, ist besonders dekorativ und gilt als Symbol für Glück, Reinheit und festliche Freude. Die Tradition entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als Erdbeeren und Sahne Luxusartikel waren und der Kuchen zum Zeichen von Wohlstand wurde.
Heute sind die Kurisumasukēki kunstvoll gestaltet, oft mit Schokoladenfiguren, kleinen Weihnachtsmännern, Sternen oder glitzernden Zuckerelementen dekoriert. Die Konditoreien konkurrieren jedes Jahr mit neuen Designs, um Käufer anzulocken. Historisch hatte der Kuchen sogar gesellschaftliche Bedeutung: In den 1980er Jahren entstand der Ausdruck „Weihnachtskuchen über 25“, eine humorvolle Anspielung auf unverheiratete Frauen über 25 Jahre. Diese Redewendung ist zwar heute veraltet, verdeutlicht aber die kulturelle Einbettung des Christmas Cakes in die japanische Gesellschaft.

Illuminationen – Die leuchtende Magie der Weihnachtszeit
In Japan sind Weihnachtsmärkte nach europäischem Vorbild selten. Stattdessen dominieren Illuminationen, die ganze Stadtviertel, Parks und Einkaufszentren in funkelnde Lichtermeere verwandeln. Berühmte Beispiele sind die „Shibuya Blue Cave“ in Tokio, die „Kobe Luminarie“ in Kobe und die „Sapporo White Illumination“ auf Hokkaidō.
Diese Lichtinstallationen sind oft aufwendig choreografiert und ziehen jedes Jahr Tausende Besucher an. Sie verbinden visuelle Pracht mit musikalischer Begleitung, manchmal mit Shows oder interaktiven Displays. Anders als in westlichen Ländern, wo Weihnachten besinnlich gefeiert wird, liegt der Schwerpunkt in Japan auf Unterhaltung, Festlichkeit und Fotomotiven. Paare nutzen die Illuminationen für romantische Spaziergänge, Familien oder Gruppen von Freunden genießen die spektakuläre Atmosphäre.
Die Lichterinstallationen variieren von Jahr zu Jahr und werden oft in Zusammenarbeit mit Künstlern, Unternehmen oder Städten gestaltet. Sie sind ein zentraler Bestandteil der japanischen Weihnachtskultur und machen das Fest zu einem visuellen Erlebnis.
Foto von Robby McCullough auf Unsplash
Geschenke – klein, aber symbolisch
Geschenke spielen in Japan eine untergeordnete Rolle. Meist werden kleine Aufmerksamkeiten zwischen Partnern ausgetauscht, wie Schmuck, Süßigkeiten oder Accessoires. Kinder erhalten selten Geschenke zu Weihnachten; für sie ist das Neujahrsfest wichtiger, an dem das Otoshidama, kleine Geldumschläge*, überreicht werden.
Diese Tradition verdeutlicht, dass Weihnachten in Japan primär ein kulturelles und kommerzielles Ereignis ist. Dennoch übernehmen viele japanische Familien, insbesondere in Großstädten, westliche Geschenkpraktiken. Unternehmen schenken Angestellten kleine Aufmerksamkeiten, und Paare nutzen den Anlass, um romantische Gesten auszutauschen. Die Kombination aus Symbolik, Kommerz und kreativer Adaption macht das japanische Weihnachtsfest einzigartig.

Der Weihnachtsmann auf Japanisch
Der Weihnachtsmann ist auch in Japan präsent, wurde jedoch lokal interpretiert. Er erscheint oft fröhlich, rundlich und freundlich, ähnlich einem japanischen Glücksgott. Kaufhäuser und Freizeitparks stellen Santas auf, die für Fotos posieren oder kleine Geschenke verteilen. Auch Rentiere und Figuren wie Rudolph tauchen häufig auf, oft in Anime, Werbespots oder Dekorationen integriert.
Die Figur steht nicht für religiöse Bedeutung, sondern symbolisiert Freude, festliche Stimmung und Unterhaltung. Kinder und Erwachsene identifizieren sich gleichermaßen mit der fröhlichen Figur, wodurch die japanische Weihnacht lebendig und einzigartig bleibt.
Regionale Besonderheiten
Japanweit gibt es einige regionale Besonderheiten:
- Kobe Luminarie: Ursprünglich zur Erinnerung an das Erdbeben 1995, heute eines der bekanntesten Lichterfeste des Landes.
- Sapporo White Illumination: Auf Hokkaidō verbindet sich Winterlandschaft mit Lichterinstallationen zu einer romantischen Atmosphäre.
- Yokohama Red Brick Warehouse: Ein Weihnachtsmarkt nach deutschem Vorbild mit Glühwein, Bratwurst und handgefertigten Waren.
- Nagasaki Huis Ten Bosch: Ein Freizeitpark im niederländischen Stil, der sich in ein riesiges Weihnachtswunderland mit Paraden, Konzerten und Illuminationen verwandelt.
Diese Beispiele zeigen, wie lokale Traditionen, kommerzielle Initiativen und kreative Inszenierungen das japanische Weihnachten vielfältig machen.

Weihnachten im Alltag
In Schulen singen Kinder Weihnachtslieder, basteln Dekorationen oder führen kleine Aufführungen auf. Unternehmen organisieren Weihnachtsfeiern, bei denen Kuchen oder Fried Chicken serviert wird. Religiöse Elemente spielen kaum eine Rolle. Das Fest dient primär der Unterhaltung, gesellschaftlichen Interaktion und dem Schaffen von festlicher Atmosphäre.
Selbst in kleineren Städten und Vororten ist Weihnachten sichtbar: geschmückte Schaufenster, Tannenbäume in Einkaufszentren und lokale Veranstaltungen sorgen dafür, dass die festliche Stimmung auch abseits der Metropolen spürbar ist.
Fazit – Weihnachten in Japan – anders, aber faszinierend
Weihnachten in Japan unterscheidet sich stark von westlichen Traditionen. Der Fokus liegt auf romantischen Begegnungen, festlichem Essen wie KFC und Christmas Cake sowie beeindruckenden Illuminationen. Geschenke spielen eine untergeordnete Rolle, religiöse Aspekte sind kaum vorhanden, und regionale Unterschiede sorgen für Vielfalt.
Für Besucher ist Weihnachten in Japan ein faszinierendes Erlebnis: Bekanntes wird kreativ umgesetzt, westliche Traditionen werden adaptiert und japanisch interpretiert. Das Fest zeigt, wie Kultur, Kommerz und Kreativität verschmelzen und eine einzigartige Weihnachtsstimmung erzeugen.

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