Tokio ist eine Stadt, die niemals stillsteht. Wer durch Shinjuku, Shibuya oder Ginza läuft, ist überwältigt von Menschenmassen, Neonlichtern und einer schier endlosen Auswahl an Restaurants, Geschäften und Attraktionen. Doch nur eine halbe Stunde Zugfahrt westlich entfernt wartet eine ganz andere Welt – die Stadt Hino. Sie gehört zwar offiziell zum Großraum Tokio, wirkt aber wie ein Gegenentwurf zur Metropole: ruhiger, grüner, persönlicher.
Besonders bekannt ist Hino als Geburtsstadt vieler Mitglieder der legendären Shinsengumi, jener Samurai-Truppe, die in der turbulenten Zeit des 19. Jahrhunderts für Recht und Ordnung in Kyoto sorgte. Aber Hino hat noch mehr zu bieten: stille Tempel, interessante Museen, erholsame Spazierwege entlang des Tama-Flusses, familienfreundliche Attraktionen wie den Tama-Zoo und sogar die Möglichkeit, selbst ein Samurai-Schwert zu führen. Wer einen Ausflug machen möchte, der Geschichte, Kultur und Natur vereint, sollte Hino unbedingt auf die Liste setzen.
Shinsengumi Hometown History Museum – die Samurai im Mittelpunkt
Das Shinsengumi Hometown History Museum ist für viele Besucher der erste Anlaufpunkt in Hino. Schon von außen wirkt das Gebäude eher unscheinbar, fast wie ein kleines Bürgerhaus. Doch drinnen taucht man tief ein in eine Epoche, die für Japan entscheidend war.
Die Shinsengumi waren eine bewaffnete Einheit, die 1863 gegründet wurde, um in Kyoto für Sicherheit zu sorgen. Viele Mitglieder stammten aus Hino, allen voran Hijikata Toshizō, der später stellvertretender Kommandant wurde. Das Museum zeigt Dokumente, Briefe, Waffen und Uniformen, die ein lebendiges Bild dieser Männer zeichnen. Besonders spannend ist der Kontrast: Auf der einen Seite sieht man eiserne Disziplin, auf der anderen ganz menschliche Schwächen – Zweifel, Loyalitätskonflikte und tragische Schicksale.
Ein Highlight für Besucher ist die Möglichkeit, eine originalgetreu nachgebildete Shinsengumi-Uniform anzulegen. Plötzlich fühlt man sich selbst wie ein Teil der Truppe, und mit einem Schwert in der Hand ist es leicht, sich die Zeit von damals auszumalen. Gerade für Reisende, die sich für Samurai-Kultur interessieren, ist dieses Museum ein Schatz.
↗ Hier findet Ihr meinen ausführlichen Bericht über das Shinsengumi Hometown History Museum
- Adresse: 〒191-0016 Tokyo, Hino, Shinmei, 4 Chome−16−1
- Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 9:30 bis 17:00 Uhr (letzter Einlass 16:30 Uhr) | Montag Ruhetag
- Eintritt: Erwachsene 200 Yen | Kinder 50 Yen
- Weitere Informationen: www.city.hino.lg.jp

Hijikata Toshizō Museum – auf den Spuren des Vizekommandanten
Während das Hometown History Museum die gesamte Shinsengumi beleuchtet, konzentriert sich das Hijikata Toshizō Museum auf eine einzelne Person. Hijikata war der Vizekommandant der Shinsengumi und gilt bis heute als Inbegriff des loyalen, unbeugsamen Samurai. Er stammte aus einer Bauernfamilie in Hino, kämpfte sich nach oben und wurde schließlich zu einer Schlüsselfigur in den letzten Jahren des Shogunats.
Das Museum ist in einem modernen Gebäude untergebracht, das eine angenehme Mischung aus schlichter Architektur und eindrucksvoller Präsentation bietet. Zu den Exponaten gehören Schwerter, Familienerbstücke, persönliche Briefe und sogar Kalligraphien, die Hijikata selbst verfasst hat. Diese Schriftstücke verraten viel über seinen Charakter: klar, entschlossen, aber auch voller Pflichtgefühl.
Viele Besucher sind beeindruckt von der Nähe, die dieses Museum schafft. Hijikata wird nicht nur als historischer Held dargestellt, sondern auch als Mensch, der Entscheidungen treffen musste, die sein Leben kosteten. Wer sich für japanische Geschichte interessiert, wird diesen Ort als besonders eindringlich erleben.
Leider ist das Museum allerdings nur sehr unregelmäßig an verschiedenen Sonntagen geöffnet. Das erschwert einen Besuch leider, was wirklich schade ist. Am besten informiert Ihr Euch vor einem geplanten Besuch auf der offiziellen Webseite darüber, wann das Museum geöffnet ist.
- Adresse: 〒191-0021 Tokyo, Hino, Ishida, 2 Chome−1−3
- Öffnungszeiten: 12:00-16:00 Uhr, allerdings unregelmäßig
- Eintritt: 500 Yen
- Weitere Informationen: toshizo-official.sakura.ne.jp
Hosenji-Tempel – stille Spiritualität und Erinnerung
Ein besonders atmosphärischer Ort in Hino ist der Hosenji-Tempel. Er liegt etwas abseits der großen Straßen, eingebettet zwischen alten Bäumen, deren Schatten das Gelände in sanftes Licht tauchen. Schon beim Betreten spürt man die Ruhe, die hier herrscht.
Der Tempel ist eng mit der Shinsengumi verbunden, denn hier befindet sich das Grab von Inoue Genzaburō, einem ihrer Kommandanten. Viele Besucher legen Blumen nieder oder verneigen sich still – eine stille Erinnerung an jene, die in einer unruhigen Zeit für ihre Ideale kämpften. Aber auch abseits dieser historischen Bedeutung ist Hosenji ein Ort, an dem man einfach verweilen möchte.
Die Architektur ist schlicht, aber elegant. Holzbalken, die von der Zeit nachgedunkelt sind, harmonieren mit den gepflegten Gärten. Kleine Statuen und steinerne Laternen säumen die Wege, Vögel zwitschern, und im Herbst färben sich die Bäume in leuchtende Farben. Wer Hino besucht, sollte sich Zeit nehmen, hier einen Moment innezuhalten.
↗ Hier findet Ihr meinen ausführlichen Bericht über den Hosenji-Tempel
- Adresse: 〒191-0011 Tokyo, Hino, Hinohonmachi, 3 Chome−6−9
- Öffnungszeiten: Täglich 8:30 – 16:00 Uhr
- Eintritt: Der Besuch des Tempel ist kostenlos

Takahata Fudō-son Kongoji – einer der großen Tempel der Region
Während Hosenji eher still und intim wirkt, ist der Takahata Fudō-son Kongoji groß und lebendig. Er gehört zu den fünf großen Fudō-Tempeln in der Region und zieht nicht nur Pilger, sondern auch viele Besucher an, die seine prachtvolle Architektur und die festliche Stimmung erleben wollen.
Das Tempelgelände ist weitläufig. Mehrere Hallen, Pagoden und Nebengebäude laden zum Entdecken ein. Besonders beeindruckend ist die Haupthalle, in der eine Statue des Fudō Myō-ō verehrt wird – einer Schutzgottheit, die mit Schwert und Seil dargestellt ist und für Entschlossenheit und Schutz steht.
Im Frühling, wenn die Kirschblüten blühen, verwandelt sich das Gelände in ein Meer aus Rosa und Weiß. Im Herbst hingegen leuchten die Ahornbäume in Rot und Gold. Viele Menschen kommen zu dieser Zeit hierher, um Fotos zu machen oder einfach die Atmosphäre zu genießen. Auch kleine Märkte mit Streetfood-Ständen und Souvenirs finden regelmäßig statt, was dem Tempel eine fast schon festliche Stimmung verleiht.
- Adresse: 733 Takahata, Hino, Tokyo 191-0031
- Öffnungszeiten: Täglich 9:00 – 17:00 Uhr
- Eintritt: Kostenlos
- Weitere Informationen: www.takahatafudoson.or.jp

Samurai hautnah – Training in der Schwert-Akademie
Ein echtes Highlight für alle, die Samurai-Kultur nicht nur anschauen, sondern erleben möchten, ist die Samurai-Schwert-Akademie in Hino. Hier können Besucher in traditioneller Kleidung selbst ein Katana in die Hand nehmen und die Grundlagen der Schwertkunst erlernen.
Unter Anleitung erfahrener Lehrer übt man nicht nur Haltungen und Bewegungen, sondern erfährt auch etwas über die Philosophie, die hinter der Kampfkunst steckt. Disziplin, Respekt und innere Ruhe spielen eine ebenso große Rolle wie Technik. Schon nach kurzer Zeit merkt man, wie anspruchsvoll diese Kunst ist – und wie viel Training nötig wäre, um sie zu meistern.
Dieses Erlebnis ist nicht nur für Kampfkunst-Interessierte spannend. Es vermittelt einen tiefen Respekt für die Samurai und macht deutlich, warum die Shinsengumi bis heute in Japan so verehrt werden. Wer nach Hino reist, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen.
↗ Hier könnt Ihr das Training buchen*

Natur und Freizeit – vom Tama-Fluss bis zum Zoo
Neben Geschichte und Kultur bietet Hino auch viel Natur. Besonders schön ist ein Spaziergang oder eine Radtour entlang des Tama-Flusses, der sich sanft durch die Stadt schlängelt. Hier treffen sich Familien zum Picknick, Angler werfen ihre Ruten aus, Kinder spielen am Ufer, und Jogger genießen die weiten Wege.
Im Frühling blühen am Flussufer unzählige Kirschbäume, deren Blüten im Wind tanzen. Im Sommer ist der Fluss ein beliebter Ort für kleine Feste und Feuerwerke. Im Herbst färbt sich die Landschaft bunt, und im Winter ist die klare Luft ideal, um vom Ufer aus die schneebedeckten Berge im Hintergrund zu sehen.
Ein weiteres Ausflugsziel ist der Tama-Zoo. Er gehört zu den größten Zoos Japans und ist bekannt für seine weitläufigen Gehege. Statt kleine Käfige findet man hier großzügige Flächen, die den Tieren viel Bewegungsfreiheit geben. Besonders spannend ist die Safari-Bahn, mit der man Löwen, Giraffen oder Zebras aus nächster Nähe erleben kann. Für Familien mit Kindern ist das ein perfektes Ziel.
Essen in Hino – authentisch und abwechslungsreich
Nach einem Tag voller Erlebnisse meldet sich der Hunger. Hino ist kein typischer Touristenort, und genau das macht das Essen hier so spannend. Statt internationaler Ketten findet man kleine Lokale, die traditionelle Gerichte servieren.
Besonders beliebt sind die Ramen-Restaurants. Jede kleine Gasse hat mindestens ein Lokal, in dem man dampfende Nudelsuppen in verschiedenen Varianten bekommt: mit Shōyu (Sojasauce), Miso oder Tonkotsu (Schweineknochenbrühe). Dazu gibt es oft hausgemachte Gyoza, kleine Teigtaschen, die frisch gebraten serviert werden.


Auch Izakayas, japanische Kneipen mit Speisen, sind in Hino verbreitet. Hier sitzt man an niedrigen Holztischen, bestellt Yakitori (gegrillte Hühnerspieße), Karaage (frittierte Hähnchenstücke) oder saisonale Fischgerichte und trinkt dazu Sake oder Bier. Die Stimmung ist gesellig, man kommt leicht ins Gespräch mit Einheimischen, und oft endet der Abend mit einem herzlichen Lachen. Wir haben uns am Ende für das たまり処ごん entschieden, dass in der Nähe des Bahnhof Hino liegt. Sehr lecker und sehr gemütlich.
Wer Süßes liebt, sollte unbedingt eines der kleinen Cafés besuchen, die Matcha-Tee, japanische Süßigkeiten wie Mochi oder Dorayaki servieren. Gerade nach einem langen Spaziergang durch Tempel und Museen ist das ein wunderbarer Abschluss.
Wie komme ich nach Hino?
Die Anreise nach Hino ist unkompliziert. Von Shinjuku aus nimmt man die JR Chūō-Linie Richtung Westen. Je nach Verbindung dauert die Fahrt etwa 30 bis 40 Minuten. Einige Züge halten direkt in Hino, andere erfordern einen kurzen Umstieg.
Eine Alternative ist die Keio-Linie, die ebenfalls mehrere Stationen in Hino bedient. Von dort aus sind viele Sehenswürdigkeiten entweder zu Fuß erreichbar oder mit kurzen Busfahrten.
Für Reisende mit dem Japan Rail Pass ist die JR Chūō-Linie die bequemste Option, da sie abgedeckt ist. Wer in der Nähe der Keio-Linie wohnt, spart hingegen Zeit und Geld mit dieser Verbindung. Egal, welche Variante man wählt: Die gute Anbindung macht Hino zu einem idealen Ziel für einen spontanen Ausflug.
Fazit – Tokyo abseits des Trubels und viel Geschichte
Hino ist eine Stadt, die überrascht. Auf den ersten Blick mag sie wie ein Vorort von Tokio wirken, doch wer sich die Zeit nimmt, entdeckt eine reiche Geschichte, spannende Museen, stille Tempel und eine herzliche Alltagskultur. Besonders die Verbindung zur Shinsengumi macht Hino einzigartig. Nirgendwo sonst spürt man die Samurai-Geschichte so hautnah, sei es im Museum, am Grab von Inoue Genzaburō oder beim eigenen Schwerttraining.
Doch Hino ist mehr als nur Geschichte. Die Natur entlang des Tama-Flusses, der familienfreundliche Zoo, die kleinen Restaurants und die ruhigen Unterkünfte zeigen eine Seite Japans, die oft im Schatten der Metropole bleibt.
Für alle, die Tokio besuchen und einen Tag abseits der Großstadthektik verbringen möchten, ist Hino ein perfektes Ziel. Hier treffen Tradition, Geschichte und Alltagsleben auf eine Weise zusammen, die unvergesslich bleibt.

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