Tokio ist eine faszinierende Metropole: Wolkenkratzer, Neonlichter, Einkaufsviertel, Tempel und unzählige Menschen. Doch manchmal wünscht man sich eine kleine Auszeit von all dem Trubel. Zum Glück muss man dafür gar nicht weit reisen, denn nur rund 50 Kilometer westlich der Innenstadt erhebt sich der Mt. Takao (高尾山, Takaosan), ein 599 Meter hoher Berg, der als Naherholungsgebiet, Wallfahrtsort und Wanderparadies gleichermaßen bekannt ist. Für die Menschen in Tokio ist er seit Jahrhunderten ein Ort der spirituellen Einkehr und Naturverbundenheit – und für Reisende bietet er die perfekte Gelegenheit, einen spannenden Tagesausflug mit Wandern, Kultur und großartigen Ausblicken zu verbinden.
Schon bei der Planung wird deutlich, dass Mt. Takao weit mehr ist als nur ein „schöner Berg“. Hier treffen Geschichte, Legenden und Moderne aufeinander. Vom alten buddhistischen Tempel Yakuōin über die geheimnisvollen Tengu-Figuren bis hin zu den praktischen Seilbahnen, die Besucher bequem auf halbe Höhe bringen – der Berg ist ein Ort, an dem sich die japanische Kultur in allen Facetten erleben lässt. Ob Ihr Euch für spirituelle Orte interessiert, gern wandert oder einfach ein Stück frische Bergluft schnappen möchtet: Takao ist wie ein Tor in eine andere Welt.
Übrigens: Wenn Ihr Euch nicht alleine auf die Wanderung traut, dann gibt es auch die Möglichkeit, eine geführt Tour zu buchen*. Dabei ist dann für alles gesorgt und Ihr müsst nur noch diesen einzigartigen Ort genießen.
- Anreise: mit der Keio-Linie direkt von Shinjuku nach Takaosanguchi (↗ Keio-Tagesticket buchen*), wenn Ihr mit dem Mietwagen* unterwegs seid, gibt es vor Ort verschiedene Parkmöglichkeiten
- Strecke: ca. 4,5 Kilometer / ca. 1,5 Stunden Wanderzeit => Ihr könnt aber auch anderen Wanderweg auf dem Mt. Takao auswählen und Eure Tour so anpassen
- Höhenmeter: ↗ 110 m ↘ 130 m
- Schwierigkeit: leicht
- Aufstiegshilfen: Ihr könnte die Seilbahn oder den Sessellift (Hin- und Rückfahrt Erwachsene 980 Yen) nutzen, wenn Ihr nicht von ganz unten auf den Mt. Takao steigen möchtet
- Einkehrmöglichkeiten: Auf dem Berg selbst gibt es verschiedene kleine Restaurants und auch Streetfood. Oder Ihr kauft Euch in Tokio (in Takaosanguchi gibt es leider keine Konbini) einen Snack und genießt diesen mit einem tollen Ausblick, in Takaosanguchi gibt es auch tolle Restaurants wie das Sakae chaya Honten
- Ausrüstung: Wanderrucksack*, Snacks, Getränke*, gute Wanderschuhe*, Wanderstöcke* sind hilfreich
- Wanderkarte: hier bestellen*
- Die Wanderung auf Komoot: hier klicken

Die Anreise – Von Shinjuku in die Natur
Die Reise beginnt im Herzen Tokios, genauer gesagt an der Shinjuku Station, einem der größten und geschäftigsten Bahnhöfe der Welt. Von hier aus fährt die private Keio-Linie direkt nach Takaosanguchi, dem Bahnhof am Fuße des Berges. Die Fahrt dauert weniger als eine Stunde, was Mt. Takao zu einem der beliebtesten Ziele für spontane Tagesausflüge macht.

Die Fahrt selbst ist schon eine kleine Reise: Während sich die Hochhäuser allmählich lichten, ziehen immer mehr Wohnviertel und kleine Städte am Zugfenster vorbei. Schließlich tauchen erste Hügel am Horizont auf, und man spürt, dass man sich der Natur nähert. Am Bahnhof Takaosanguchi angekommen, herrscht eine ganz andere Stimmung als in Shinjuku: Statt hektischem Großstadtleben erwarten einen frische Luft, grüne Wälder und ein entspanntes Ambiente.

Direkt am Bahnhof gibt es ein Besucherzentrum, kleine Cafés und Läden mit lokalen Spezialitäten. Viele Besucher stärken sich hier mit einem Snack, bevor sie ihre Wanderung beginnen. Besonders beliebt sind gegrillte Dangos – süße oder salzige Reisklößchen am Spieß – sowie Soba-Nudeln, die in der Region rund um Takao traditionell angebaut werden.

Übrigens: Wenn Ihr vorab das Keio-Tagesticket bucht*, könnt Ihr clever sparen. Das Ticket beinhaltet die Fahrt mit der Keio-Linie ab/bis Shinjuku sowie die Fahrt mit der Seilbahn oder dem Sessellift.

Die Wahl des Aufstiegs – Seilbahn, Sessellift oder zu Fuß
Wer den Aufstieg auf den Berg beginnt, hat gleich am Start eine wichtige Entscheidung zu treffen: Soll man direkt zu Fuß losmarschieren oder sich mit der Seilbahn oder dem Sessellift auf halbe Höhe bringen lassen?

Die Seilbahn von Takao ist ein Erlebnis für sich. Sie gilt als eine der steilsten in Japan und legt in wenigen Minuten einen Höhenunterschied von rund 270 Metern zurück. Während der Fahrt öffnet sich der Blick über das Tal, und besonders im Herbst, wenn die Wälder in leuchtendem Rot und Gold erstrahlen, wirkt die Szenerie wie gemalt.

Noch schöner – und ein bisschen abenteuerlicher – ist jedoch der Sessellift, für den wir uns entschieden haben. Ganz ohne Kabine oder Bügel gleitet man hier langsam den Hang hinauf, nur auf einem schmalen Sitz, die Füße frei baumelnd. Unter einem erstreckt sich der grüne Teppich der Bäume, und der Fahrtwind bringt ein Gefühl von Freiheit mit sich. Für viele Besucher ist diese Liftfahrt schon eines der Highlights des Tages.

Natürlich ist es auch möglich, den Berg von ganz unten zu Fuß zu erklimmen. Wer genügend Zeit mitbringt und eine kleine sportliche Herausforderung sucht, erlebt so die Natur besonders intensiv.
- Adresse: 2205 Takaomachi, Hachioji, Tokyo 193-0844
- Öffnungszeiten: Je nach Jahreszeit variieren die Öffnungszeiten zwischen 8:00 und 18:30 Uhr | informiert Euch am Besten vorab auf der offiziellen Webseite
- Ticket: Einzelticket Erwachsene 490 Yen, Kinder 250 Yen | Hin- und Rückfahrt Erwachsene 980 Yen, Kinder 500 Yen
- Weitere Informationen: www.takaotozan.co.jp

Die Wanderwege – Vielfalt für jeden Geschmack
Am Mt. Takao gibt es mehrere Wanderwege, die unterschiedlich lang und unterschiedlich anspruchsvoll sind. Je nachdem, welche Kondition, Interessen und wieviel Zeit Ihr habt, könnt Ihr die Wege wählen und auch miteinander kombinieren. So kann sich jeder seiner ganz individuelle Route auf den Mt. Takao zusammenstellen.

Der bekannteste und meistgenutzte ist Trail Nr. 1. Dieser Weg ist breit, gut befestigt und führt vorbei an fast allen wichtigen Sehenswürdigkeiten des Berges, darunter Tempel, Schreine, kleine Gärten und Aussichtspunkte. Er eignet sich perfekt für einen ersten Besuch und vermittelt ein Gefühl dafür, warum Takao so besonders ist. Wer Probleme mit Treppenstufen hat oder mit Kinderwagen unterwegs ist, dem sei gesagt, dass der Trail Nr. 1 über sehr viele

Daneben gibt es aber auch ruhigere Routen:
- Trail Nr. 2 führt durch einen Wald aus über 60 verschiedenen Baumarten und ist besonders für Naturfreunde interessant. Er ist eine der Alternativen, wenn Ihr den Mt. Takao zu Fuß und nicht mit Seilbahn oder Lift erklimmen wollten.
- Trail Nr. 3 dieser Weg schlängelt sich durch einen etwas abgelegeneren Bereich, wo weniger Touristen unterwegs sind. Ich habe diesen für den Abstieg genutzt und war teilweise alleine unterwegs
- Trail Nr. 4 dieser Weg führt vom Affenpark durch den Wald zum Gipfel. Unterwegs kommt Ihr an einer tollen Hängebrücke vorbei
- Trail Nr. 5 der Weg umrundet den Gipfel, von Ihm biegen verschiedene andere Wanderwege ab
- Trail Nr. 6 gilt als einer der schönsten, da er entlang eines Flusses verläuft und an einem kleinen Wasserfall vorbeiführt. Hier erlebt Ihr die Bergnatur fast ohne Ablenkung. Er ist auch die zweite der Alternativen, wenn Ihr den Mt. Takao zu Fuß und nicht mit Seilbahn oder Lift erklimmen wollten.

Egal welchen Weg man wählt, überall trifft man auf kleine Details, die typisch japanisch wirken: Moosbewachsene Steinstatuen, kleine Holzschreine am Wegesrand oder Schilder, die auf Mythen und Geschichten hinweisen.

Der Yakuōin Tempel – Spirituelles Herz des Berges
Ein absolutes Muss auf dem Weg zum Gipfel ist der Yakuōin Tempel, ein buddhistischer Tempel, der im 8. Jahrhundert gegründet wurde. Er liegt etwa auf halber Höhe des Berges und ist seit Jahrhunderten ein wichtiges Zentrum der Shugendō-Religion, einer mystischen Tradition, die Elemente des Buddhismus, Shintoismus und Daoismus verbindet.

Schon beim Betreten des Tempelgeländes spürt man die besondere Atmosphäre. Ein imposantes Torii markiert den Eingang, und dahinter führen Stufen zu den Haupthallen. Hier riecht es nach Räucherstäbchen, Gebetsfahnen flattern im Wind, und Pilger verneigen sich respektvoll vor den Statuen.

Gegründet wurde der Tempel im Jahr 744 während der Nara-Zeit auf Befehl von Kaiser Shōmu. Damals war es üblich, dass bedeutende Berge in Japan mit buddhistischen Tempeln verbunden wurden, um die Kraft der Natur mit der Religion zu verbinden. Der Yakuōin wurde dem Medizinbuddha Yakushi Nyorai geweiht, dessen Aufgabe es ist, Krankheiten zu heilen und Schutz zu spenden. Daher leitet sich auch der Name „Yakuōin“ ab – er bedeutet in etwa „Tempel des Arzneikönigs“.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Tempel zu einem wichtigen Zentrum der Shugendō-Lehre, einer asketischen Bergreligion, die Elemente aus Buddhismus, Shintoismus und taoistischen Praktiken miteinander verband. Shugendō-Mönche glaubten, dass man durch strenge körperliche Übungen in den Bergen spirituelle Erleuchtung erlangen könne. So war der Mt. Takao über viele Generationen hinweg ein Ort, an dem man nicht nur wanderte, sondern auch asketische Rituale durchführte, etwa Fasten, Meditation oder das Besteigen besonders schwer zugänglicher Wege.

Heute ist der Yakuōin ein lebendiger Ort, an dem Besucher sowohl traditionelle Zeremonien als auch moderne Gebetsrituale erleben können. In den Hallen des Tempels finden sich prachtvolle Statuen, darunter auch die der Tengu, die als Beschützer des Tempels verehrt werden. Viele Menschen kommen speziell hierher, um Amulette zu kaufen, die Gesundheit, Erfolg im Beruf oder Schutz auf Reisen versprechen.

Auch das Tempelfest spielt eine wichtige Rolle: Jedes Jahr im Frühjahr und Herbst finden große Feste statt, bei denen Mönche Feuerlauf-Zeremonien durchführen. Besucher können dabei beobachten, wie die Priester barfuß über glühende Kohlen gehen, um spirituelle Reinheit zu demonstrieren. Dieses Spektakel zieht nicht nur Gläubige, sondern auch viele neugierige Touristen an.

Besonders schön ist der Yakuōin auch durch seine Lage: Umgeben von dichten Wäldern wirkt er fast wie aus einer anderen Zeit. Wenn Nebel über den Berg zieht, erscheinen die roten Tempeltore, Steinlaternen und Gebetshallen noch mystischer. Für viele Besucher ist der Moment, an dem man durch das große Niō-Tor schreitet und die ersten Tempelgebäude sieht, einer der eindrucksvollsten auf dem ganzen Berg.

Auffällig sind auch die vielen Tengu-Figuren, die überall rund um den Tempel zu sehen sind. Tengu sind mythische Berggeister, die in der japanischen Folklore eine große Rolle spielen. Sie haben rote Gesichter und sehr lange Nasen und gelten einerseits als furchterregend, andererseits als Beschützer. Auf dem Mt. Takao symbolisieren sie die Kraft der Berge und die Verbindung zwischen Mensch und Natur. Viele Besucher glauben, dass ein Gebet bei den Tengu Mut und Stärke verleiht.

Der Yakuōin ist nicht nur ein religiöser Ort, sondern auch ein Stück lebendige Kulturgeschichte. Mönche halten hier täglich Zeremonien ab, und manchmal hört man ihre Gesänge, während man den Weg entlanggeht. Wer Zeit mitbringt, sollte sich unbedingt einen Moment nehmen, um in der Tempelanlage zur Ruhe zu kommen.

Kleine Schreine und Statuen am Weg
Neben dem großen Yakuōin gibt es am Mt. Takao noch viele kleinere Schreine und spirituelle Orte. Einige sind winzig, kaum größer als eine Holzkiste, andere etwas aufwendiger gestaltet. Besonders eindrucksvoll sind die Steinlaternen und Statuen, die am Wegrand stehen und teils von Moos überwuchert sind. Sie vermitteln den Eindruck, dass dieser Berg schon seit Jahrhunderten als heiliger Ort verehrt wird.

Eine bekannte Figur ist die Statue des Bishamonten, eines buddhistischen Schutzgottes, der Glück und Wohlstand bringen soll. Viele Wanderer bleiben hier kurz stehen, werfen eine Münze in den Opferkasten und verneigen sich.

Auch kleine Fuchsstatuen, die auf den Shinto-Gott Inari hinweisen, begegnen einem am Weg. Sie erinnern daran, dass in Japan oft buddhistische und shintoistische Traditionen nebeneinander bestehen und sich miteinander verbinden.

Eine etwas skurrile, aber beliebte Sehenswürdigkeit am Mt. Takao ist die Oktopus-Statue („Tako no Ishi“). Sie zeigt einen Stein in Form eines Oktopus, dem nachgesagt wird, dass er Wünsche erfüllt und Hindernisse im Leben glätten kann – so wie sich der Oktopus durch enge Spalten zwängt. Viele Besucher legen hier eine kurze Pause ein, berühren die Statue oder machen ein Foto, denn sie gilt als kleiner Glücksbringer auf dem Weg zum Gipfel.

Am Gipfel – Ein Blick bis zum Fuji
Nach etwa einer Stunde Wanderung erreicht man schließlich den Gipfel des Mt. Takao. Hier öffnet sich eine große Fläche mit Aussichtspunkten, Bänken und kleinen Imbissständen. Das Panorama ist schlicht atemberaubend: Nach Osten reicht der Blick bis nach Tokio, wo man bei klarer Sicht die Skyline erkennen kann. Nach Westen erhebt sich der majestätische Fuji-san, dessen schneebedeckter Kegel oft wie aus einem Bilderbuch wirkt.

Am Gipfel treffen sich Menschen aus aller Welt – Wanderer, Familien, Touristen, aber auch ältere Japaner, die regelmäßig heraufkommen, um ihre Fitness zu trainieren. Es herrscht eine fröhliche, entspannte Stimmung, und viele lassen sich hier zu einem Picknick nieder.

Ein kulinarisches Highlight am Gipfel sind die berühmten Tororo Soba, Buchweizennudeln mit geriebener Yamswurzel, die frisch zubereitet in einem der kleinen Lokale serviert werden. Nach der Wanderung schmecken sie besonders gut.

Jahreszeiten auf dem Mt. Takao – Ein Berg im Wandel
Ein weiterer Reiz des Mt. Takao ist, dass er zu jeder Jahreszeit eine andere Stimmung vermittelt.
- Im Frühling locken Kirschblüten und Azaleen, die den Berg in ein Farbenmeer verwandeln.
- Im Sommer ist es angenehm kühl im Wald, und viele Einheimische nutzen Takao, um der Hitze Tokios zu entkommen.
- Im Herbst ist der Berg besonders beliebt, denn dann verfärben sich die Blätter der Ahornbäume in leuchtendes Rot und Orange – ein Spektakel, das jedes Jahr tausende Besucher anzieht.
- Im Winter liegt manchmal Schnee auf dem Gipfel, und an klaren Tagen ist der Fuji so deutlich zu sehen wie selten sonst.
Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz, und wer einmal dort war, versteht schnell, warum viele Menschen den Mt. Takao mehrmals im Jahr besuchen.

Bei unserem Besuch Anfang März hatten wir übrigens gleich zwei Jahreszeiten auf einmal. Einige Tage zuvor hatte es noch einmal geschneit, so dass wir uns teilweise durch kleine Schneefelder kämpfen mussten. Glücklicherweise nur an ebenen Stellen, so dass wir keine Probleme damit hatten. Und keine zehn Meter weiter erwarteten uns dann wunderschöne Pflaumenblüten, die den Frühling einläuteten. Und das grün der Bäume mit dem blauen Himmel vermittelte dazu fast schon einen sommerlichen Eindruck. Einfach nur herrlich.

Weitere Highlights – Monkey Park und Botanischer Garten
Neben den Tempeln, Schreinen und Aussichtspunkten bietet der Mt. Takao auch zwei kleine Attraktionen, die sich besonders dann lohnen, wenn Ihr etwas mehr Zeit mitbringt oder den Ausflug abwechslungsreicher gestalten wollt: den Monkey Park und den Botanischen Garten. Beide liegen in der Nähe der Bergstation der Seilbahn und des Sessellifts, also dort, wo viele Wanderer ihre Tour starten oder beenden.

Der Monkey Park ist ein eingezäuntes Gebiet, in dem rund 70 Japanmakaken – auch Schneeaffen genannt – leben. Anders als in freier Wildbahn, wo man sie manchmal in heißen Quellen oder an Berghängen beobachten kann, sind sie hier an den Menschen gewöhnt und lassen sich aus nächster Nähe studieren. Besucher können die Affen beim Spielen, Streiten und Fressen beobachten und dabei spannende Einblicke in das Sozialverhalten dieser Tiere gewinnen. Besonders interessant ist, wie streng die Rangordnung innerhalb der Gruppe eingehalten wird – manchmal sieht man, wie ein rangniedriger Affe blitzschnell das Feld räumt, wenn ein dominanter Artgenosse auftaucht. Für Kinder ist das Ganze natürlich ein Highlight, aber auch Erwachsene finden es oft faszinierend, diese Tiere so lebendig zu erleben.

Direkt daneben liegt der Botanische Garten, der sich auf die Flora der Region spezialisiert hat. Mehr als 500 verschiedene Pflanzenarten sind hier zu sehen, darunter viele, die typisch für die Bergregionen rund um Tokio sind. Im Frühling blühen hier wilde Kirschbäume, Azaleen und Pflaumen, während im Herbst die Farben der Ahornbäume und Gräser den Garten in ein leuchtendes Spektakel verwandeln. Auch für Hobby-Botaniker ist der Garten spannend, denn jede Pflanze ist beschildert, und man erfährt eine Menge über die heimische Vegetation Japans.

Der Besuch von Monkey Park und Botanischem Garten ist zwar nicht zwingend notwendig, um den Mt. Takao zu genießen – die meisten kommen ja wegen der Tempel und der Aussicht – aber er fügt sich wunderbar in einen gemächlichen Tagesausflug ein. Wenn Ihr also mit Familie unterwegs seid, Lust auf Abwechslung habt oder einfach noch ein bisschen mehr über die Natur erfahren möchtet, lohnt es sich, hier einen Stopp einzulegen. Außerdem ist es ein schöner Kontrast: Während Ihr beim Tempel Yakuōin eher die spirituelle Seite des Berges erlebt, zeigt Euch der Park die lebendige Tierwelt, und der Garten offenbart die Vielfalt der Pflanzen – zusammen ergibt das ein rundes Bild dieses besonderen Ortes.

Rückweg und entspannter Ausklang
Für den Rückweg hat man die Wahl: denselben Weg hinunter oder einen anderen Wanderweg ausprobieren. Da ich Treppen nicht so sehr mag, habe ich mich für den Trail Nr. 5 in Kombination mit Trail Nr. 3 und 1 entschieden. Dieser führt auf gemütlichen Waldwegen im Bogen um den Berg herum bis zum Yakuōin.

Auf dem Waldweg war ich teilweise ganz alleine unterwegs, und konnte so die Natur regelrecht in mich aufsaugen und die Ruhe von den Menschenmassen Tokyos genießen. Da es in den Tagen vor unserer Wanderung noch einmal geschneit hatte, bekam ich sogar einige Schneereste entdecken und einen kleinen Schneemann bauen. Der perfekte Abschluss dieser Wanderung.

Wenn Ihr für den Rückweg wie wir den Sessellift nutzt, dann kommt hier eine kleine Warnung. Auf halber Strecke versteckt sich im Gebüsch ein Fotograf, der ein Bild von Euch schießt, das Ihr in der Talstation dann erwerben könnt. Ansich keine schlechte Idee, jedoch war die Vorbereitungszeit zu kurz und wegen dem kalten Wind dick eingemummelt, entstand leider kein so schönes Foto. Aber vielleicht seid Ihr ja jetzt besser vorbereitet als wird.

Unten angekommen, lohnt es sich, noch ein wenig im kleinen Ort rund um Takaosanguchi zu verweilen. Dort gibt es charmante Läden mit lokalen Spezialitäten, wie eingelegtem Gemüse, Soba-Mehl oder süßen Reiskuchen. Wir sind erst einmal im Sakae chaya Honten eingekehrt und haben uns mit einer Schüssel dampfender Soba-Nudeln aufgewärmt.
Ein weiteres Highlight ist das Onsen Keio Takaosan Gokurakuyu, ein modernes Badehaus direkt beim Bahnhof (↗ Hier erfahrt Ihr mehr). Nach der Wanderung in den heißen Quellen zu entspannen, ist der perfekte Abschluss für den Tag.

Wer stattdessen noch etwas Action mag, dem empfehle ich einen Besuch im Mount Takao Trick Art Museum. Ähnlich dem Tokyo Trick Art Museum kann man hier noch einmal richtig viel Spaß haben und tolle Fotos machen.

Unsere Wanderung im Überblick
Ihr habt Lust bekommen, diese Wanderung selbst einmal zu machen? Dann gibt es hier unserer Version der Wanderung am Mt. Takao im Überblick und als GPS-Download.
Fazit – Ein Berg für Körper und Seele
Eine Wanderung auf den Mt. Takao ist weit mehr als ein einfacher Ausflug. Sie ist eine Reise in die Natur, eine Begegnung mit Japans Spiritualität und eine Möglichkeit, die Metropole Tokio aus einer neuen Perspektive zu erleben. Wer sich auf die Wege des Berges begibt, spürt schnell die besondere Energie, die hier seit Jahrhunderten verehrt wird.

Ob Ihr den ganzen Berg sportlich zu Fuß erklimmt, den gemütlicheren Weg mit Lift und Seilbahn wählt oder einfach die Aussicht am Gipfel genießt – am Ende nehmt Ihr ein Stück Ruhe und Inspiration mit zurück in die Stadt. Der Mt. Takao zeigt, dass man in Japan immer wieder Orte findet, an denen Tradition und Moderne, Natur und Kultur so harmonisch zusammenfließen, dass sie unvergesslich bleiben.

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