Hallo ihr Lieben! Habt ihr euch jemals gefragt, wie es wäre, in eine Welt einzutauchen, in der der größte Superheld buchstäblich aus Brot besteht und seinen eigenen Kopf verschenkt, um Hungrigen zu helfen? Nein? Ich bis vor kurzem auch nicht. Aber ich sage euch: Wenn ihr in Japan seid, kommt ihr an einem Namen nicht vorbei: Anpanman.
Als großer Anpanman-Fan habe ich mich für euch in das Getümmel gestürzt und das Fukuoka Anpanman Children’s Museum besucht. Und auch wenn ich ohne Kinder unterwegs war, habe ich dort so viel über die japanische Seele, exzessives Merchandising und die Kunst des Backens gelernt, dass ich euch diesen ausführlichen Bericht einfach schuldig bin.
Schnallt euch an, nehmt euch einen Snack (vielleicht ein Marmeladenbrot?) und kommt mit auf eine Reise in die bunteste Ecke von Kyushu!
Wer ist dieser Anpanman eigentlich? (Damit ihr nicht völlig planlos seid)
Damit ihr im Museum nicht völlig planlos vor den Statuen steht, schauen wir uns mal kurz an, wer dieser Anpanman* überhaupt ist. Erfunden wurde die Figur von Takashi Yanase, der die ersten Geschichten rund um den Brot-Helden im Jahr 1973 veröffentlichte.
Der Clou: Sein Kopf ist ein echtes Anpan (ein mit süßer Bohnenpaste gefülltes Hefeweizenbrötchen). Und hier kommt die Action ins Spiel: Anpanmans größte Schwäche ist es, wenn sein Kopf beschädigt wird. In fast jeder Folge versucht sein Erzfeind Baikinman (ein kleiner, lila Keimling), Anpanman den Garaus zu machen. Er bespritzt ihn mit Wasser oder verschmutzt ihn – und da Brot bekanntlich weich wird, wenn es nass wird, verliert Anpanman sofort seine Superkräfte.
In diesen Momenten muss Onkel Jam, der Bäcker, in seiner fliegenden Bäckerei (dem Anpanman-Go) einen brandneuen Kopf backen. Sobald der frische Kopf serviert und auf Anpanmans Schultern „installiert“ wird, ist er wieder bei vollen Kräften und kann Baikinman mit seinem berühmten „An-Punch“ in die Flucht schlagen. Zwar teilt Anpanman in Notsituationen tatsächlich auch mal ein Stück seines Kopfes mit Hungernden, aber der Hauptplot dreht sich meistens um den Kampf gegen Baikinmans fiese Tricks und die Rettung seines essbaren Hauptes. Diese Mischung aus Backhandwerk und Superhelden-Action ist es, was die Kinder in Japan seit Jahrzehnten so fasziniert!
Übringens: 2009 wurde die Anpanman-Serie sogar vom Guinness-Buch der Rekorde für die weltweit größte Anzahl an Charakteren ausgezeichnet! Es gibt also viel zu entdecken.

Die Ankunft: Mitten in Fukuoka und doch in einer anderen Welt
Das Museum in Fukuoka ist etwas ganz Besonderes, denn es liegt nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern mitten in der Stadt, im Hakata Riverain Center. Das ist ein schicker Komplex direkt an der Metro-Station Nakasu-Kawabata
Sobald Ihr aus der U-Bahn gestiegen seid, ist das Museum bereits gut ausgeschildert. Nachdem Ihr die Rolltreppe nach oben genommen habt, steht Ihr plötzlich vor einem riesigen, bunten Eingang im 5. Stock. Schon hier werdet ihr merken: Japaner lieben Ordnung. Alles ist perfekt ausgeschildert. Der Eintritt kostete je nach Wochentag 2.000 – 2.200 Yen. Und sofort mach sich dieses breite Grinsen im Gesicht breit, das man automatisch bekommt, wenn man von Primärfarben umzingelt ist.
Ein Museum, das eigentlich eine Mall ist (und umgekehrt)
Was ihr wissen müsst: Das Museum in Fukuoka ist „in Mall“. Das bedeutet, es ist komplett überdacht. Das ist ein riesiger Vorteil! Egal ob es draußen in Fukuoka mal wieder schüttet oder die Sommerhitze euch den Schweiß auf die Stirn treibt – drinnen herrscht perfektes Klima. Die Anlage erstreckt sich über den 5. und 6. Stock und ist nach oben hin offen gestaltet, sodass man ein tolles Raumgefühl hat.

Der 6. Stock: Wo die Action beginnt
Ich habe meinen Rundgang oben im 6. Stock gestartet. Sobald ihr durch die Ticketkontrolle seid, werdet ihr von einer riesigen Statue von Anpanman und seinen Freunden begrüßt. Ein perfekter Ort für das erste Foto!
Die Miniaturwelt von Anpanman
Ich sage euch, die Liebe zum Detail ist Wahnsinn. Es gibt dort eine komplette Miniaturstadt. Ihr könnt in „Onkel Jams Bäckerei“ schauen (natürlich im Spielzeugformat), die Mühle sehen und durch kleine Tunnel krabbeln. Ich musste mich echt beherrschen, nicht selbst durch die Tunnel zu kriechen – für Kinder ist das das absolute Paradies.
Besonders fasziniert hat mich die „Mimi-sensei’s School“. Das ist ein Bereich, in dem gebastelt wird. Ich habe dabei zugesehen, wie Kinder (mit Hilfe ihrer Eltern, die oft noch motivierter wirkten) kleine Anpanman-Masken aus Papier gebastelt haben. Es ist diese typisch japanische Art, Kinder spielerisch an Kreativität heranzuführen. Falls ihr mit euren Kleinen dort seid: Plant hier Zeit ein, die Kinder lieben es, etwas zum Mitnehmen zu gestalten.
Der „Baikinman’s Secret Base“ Bereich
Kennt ihr Baikinman? Er ist der Gegenspieler, ein kleiner lila Keimling, der alles verschmutzen will. Aber in Japan sind auch die Bösewichte irgendwie süß. Sein Versteck ist mechanischer, metallischer und hat diese coolen lila Lichter. Es gibt dort riesige Bällebäder und Klettergerüste. Ich habe dort Väter gesehen, die wahrscheinlich lieber selbst im Bällebad versunken wären als ihre Kinder.

Die Shows: Gänsehautmomente in Plüsch
Eines meiner absoluten Highlights war die Show auf der Hauptbühne. Ihr müsst euch das so vorstellen: Es gibt keine festen Sitzplätze, sondern man setzt sich einfach auf den Boden (der übrigens super sauber ist, ihr seid schließlich in Japan).
Plötzlich dröhnt das Titellied „Anpanman no March“ aus den Lautsprechern. Ich garantiere euch, dieses Lied bekommt ihr den restlichen Tag nicht mehr aus dem Kopf. Dann stürmen die Charaktere die Bühne: Anpanman, Shokupanman (Brotlaib-Mann), Currypanman und natürlich die süße Dokin-chan.
Die Choreografie ist perfekt. Die Kinder rasten förmlich aus, klatschen und rufen die Namen ihrer Helden. Es hat etwas von einem Rockkonzert für Dreijährige. Was ich besonders schön fand: Die Charaktere kommen nach der Show oft noch für „Greetings“ herum. Wenn ihr also ein High-Five von einem lebensgroßen Brötchen wollt – das ist eure Chance!

Kulinarik: Ich habe noch nie so süßes Essen gesehen
Nach so viel Action bekommt man Hunger. Und hier setzt das Museum dem Ganzen die Krone auf. Ich war in verschiedenen Themen-Restaurants, und ich sage euch: Es tut fast weh, das Essen anzurühren, weil es so gut aussieht.
Onkel Jams Bäckerei (Uncle Jam’s Bakehouse)
Das ist das Herzstück des Museums. Ihr müsst dort unbedingt hin! Es ist eine echte Bäckerei, in der ihr durch Glasscheiben zusehen könnt, wie die Brötchen geformt werden. Jedes Brötchen sieht exakt so aus wie ein Charakter aus der Serie.
- Anpanman: Natürlich mit süßer roter Bohnenpaste (Anko).
- Baikinman: Oft mit Blaubeer- oder Schokoladenfüllung.
- Koshianman: Mit feinerer Bohnenpaste.
- Saisonale Specials: Als ich da war, gab es eine Variante mit Erdbeeren aus der Region Fukuoka (die berühmten Amaou-Erdbeeren).
Die Brötchen kosten so um die 300 bis 500 Yen das Stück. Ja, das ist teurer als beim Bäcker um die Ecke, aber ihr zahlt für das Kunstwerk. Ich habe mir einen Anpanman und einen Currypanman geholt. Der Currypanman war herzhaft und leicht scharf – eine willkommene Abwechslung zum ganzen Zucker!
Weitere Restaurants
Ihr möchtet lieber etwas deftigeres essen? Kein Problem, denn es gibt im Anpanman-Museum Fukuoka noch mehr Kulinarisches zu entdecken
- Dokins herzförmiges Café
- Anpanman & Pekos Küche
- Fluffy Rice Factory
- Udon-chans
- Anpanmans Station

Shopping-Wahn: Warum euer Koffer in Fukuoka voll werden wird
Ich habe versucht, stark zu bleiben. Wirklich. Aber das Museum ist eine Falle für jeden, der auch nur einen Funken Sinn für Merchandising hat. Im 5. Stock gibt es eine ganze Ladenstraße.
- Der Souvenir-Shop: Hier gibt es alles. Von Socken über Handtücher bis hin zu Reis-Förmchen, mit denen ihr euer eigenes Anpanman-Bento zu Hause machen könnt.
- Die Spielzeug-Ecke: Hier können die Kids (und ich) die neuesten Spielzeuge ausprobieren. Es gibt ganze Modellbahnen und interaktive Küchen.
- Fukuoka-Exclusives: Achtet auf Produkte, die es nur hier gibt! In Fukuoka trägt Anpanman manchmal traditionelle Kleidung oder hat Motive der lokalen Feste (wie das Hakata Gion Yamasasa) auf seinen Accessoires. Das sind die besten Mitbringsel für Freunde, die Japan-Fans sind.
Ja, ich gebe zu, das auch ich das ein oder andere Souvenir mit nach Hause genommen habe. Was soll man als Fan auch anderes machen.

Wissenswertes und Tipps für euren Besuch
Damit euer Besuch so entspannt wie möglich wird, habe ich euch ein paar Insider-Tipps zusammengestellt:
Die beste Besuchszeit
Ich empfehle euch dringend, unter der Woche direkt zur Öffnung (meistens 10:00 Uhr) hinzugehen. Am Wochenende und an Feiertagen wird es dort so voll, dass ihr kaum treten könnt. Die Japaner lieben ihre Familienausflüge, und das Anpanman-Museum ist das Ziel Nummer eins. Wenn ihr also keine Lust auf 45 Minuten Schlange stehen beim Bäcker habt: Geht früh hin!
Kinderwagen-Etikette
Falls ihr mit Nachwuchs reist: Ihr müsst eure Kinderwagen meistens in einem speziellen Parkbereich am Eingang lassen. Das Museum ist so konzipiert, dass die Kinder herumlaufen sollen. Es gibt aber Schließfächer für eure Taschen, nutzt die! Es ist viel entspannter, ohne schweren Rucksack durch die Gegend zu flitzen.
Die Fotospots
Sucht nach den „Photo Ops“. Es gibt Stellen, an denen das Licht perfekt ist und Schilder stehen, wo man sich positionieren soll. Die Mitarbeiter sind dort übrigens extrem hilfsbereit. Wenn ihr alleine seid, fragt sie einfach: „Shashin o totte morraemasu ka?“ (Könnten Sie ein Foto machen?). Sie machen das mit einer Begeisterung, als wäre es ihr Lebensziel.
Bargeld vs. Karte
Obwohl Japan moderner wird, ist in den kleineren Shops innerhalb des Museums Bargeld oft noch gern gesehen. In den großen Restaurants könnt ihr problemlos mit Kreditkarte oder Suica*/Pasmo* (oder jeden anderen IC-Card) zahlen.
Warum das Museum auch für Erwachsene (ein bisschen) cool ist
Ich weiß, was ihr denkt: „Ist das nicht nur was für Dreijährige?“ Jein. Natürlich ist die Zielgruppe jung. Aber wenn ihr euch auf die japanische Kultur einlasst, werdet ihr feststellen, dass dieses Museum viel über die Gesellschaft aussagt. Diese absolute Hingabe zur Höflichkeit, die Sauberkeit (ich habe niemanden gesehen, der seinen Müll liegen ließ!) und die Freude an den kleinen, süßen Dingen des Lebens.
Für mich war es eine Flucht aus dem Alltag. Man vergisst für zwei Stunden seine Sorgen und freut sich darüber, dass ein Brötchen-Mann die Welt rettet. Es ist purer Eskapismus in seiner niedlichsten Form.

Mein Fazit: Lohnt es sich für euch?
Wenn ihr in Fukuoka seid und…
- …Kinder dabei habt: Absolutes Muss! Ihr werdet die Helden des Tages sein.
- …Anime- und Manga-Fans seid: Ja! Es gehört zur Popkultur-Bildung dazu.
- …einfach mal etwas skurril-süßes Japan-Feeling wollt: Auf jeden Fall.
Ich habe den Aufenthalt dort sehr genossen. Es ist laut, es ist bunt, es riecht überall nach frisch gebackenem Brot und die Fröhlichkeit dort ist einfach ansteckend. Fukuoka hat so viele Sehenswürdigkeiten (den Ohori-Park, den Fukuoka-Tower, die Yatai-Stände am Fluss und vieles mehr), aber das Anpanman-Museum ist definitiv das Herzstück für alle, die das „Kawaii-Japan“ suchen.
Ich hoffe, mein kleiner Einblick hat euch gefallen! Wenn ihr jetzt auch Lust bekommen habt, mal ein Gesicht aus Bohnenpaste zu probieren, dann schaut euch Fukuoka unbedingt an. Die Stadt ist sowieso eine meiner absoluten Lieblingsstädte in Japan – viel entspannter als Tokio, aber mit genauso viel Charakter.

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