Tokio ist laut, schnell, bunt – ein ewiger Strom aus Menschen, Geräuschen und Eindrücken. Und genau deshalb lieben wir diese Stadt. Aber manchmal, da braucht es einfach eine kleine Pause vom Großstadtwahnsinn. Einen Ort, an dem man tief durchatmen und das Tempo drosseln kann. Genau so ein Ort ist der Togoshi Hachiman Schrein im Stadtteil Shinagawa. Vielleicht habt Ihr den Namen noch nie gehört – und das ist auch gut so. Denn der Schrein gehört nicht zu den typischen Touristen-Hotspots, sondern zu den ruhigen, fast vergessenen Kleinoden, die Tokio so besonders machen.
Der Weg dorthin führt Euch durch ein charmantes Wohnviertel, vorbei an kleinen Cafés, alten Holzhäusern und ruhigen Gassen. Schon bevor Ihr den Schrein überhaupt betretet, spürt Ihr, wie sich die Atmosphäre verändert. Es wird leiser, grüner, entspannter. Und dann steht Ihr plötzlich vor dem markanten roten Torii-Tor, das den Eingang zum Togoshi Hachiman markiert – und mit einem Mal fühlt sich Tokio ganz weit weg an.
- Adresse: 2 Chome-6-23 Togoshi, 品川区 Shinagawa City, Tokyo 142-0041
- Öffnungszeiten: 24/7, der Schrein ist immer geöffnet
- Eintritt: Der Besuch des Schreins ist kostenlos
- Weitere Informationen: togoshihachiman.jp

Ein Ort der Ruhe mitten im Großstadttrubel
Der Togoshi Hachiman Schrein ist kein riesiger, prunkvoller Tempel wie Meiji Jingu oder Senso-ji. Vielmehr wirkt er wie ein Teil der Nachbarschaft, eingebettet zwischen Wohnhäuser und umgeben von uralten Bäumen. Und doch blickt dieser Ort auf eine lange Geschichte zurück: Der Schrein wurde bereits im Jahr 1526 gegründet und gehört damit zu den ältesten seiner Art in dieser Region.
Ursprünglich diente der Schrein der Verehrung von Hachiman, dem Gott des Krieges und Schutzpatron der Samurai. Aber keine Sorge – heute ist hier niemand mehr mit Rüstung und Schwert unterwegs. Vielmehr ist der Schrein ein Ort für Wünsche, Bitten und Rituale, die ganz bodenständig sind: Gesundheit, Familienglück, Prüfungserfolg. Besonders zur Jahreswende oder bei den traditionellen Festen im Jahresverlauf versammeln sich viele Anwohner hier, um ihren Anliegen Ausdruck zu verleihen.
Was uns besonders gefallen hat: Trotz seiner historischen Bedeutung hat der Togoshi Hachiman nichts Elitäres an sich. Der Schrein wirkt nahbar, menschlich, lebendig – ein Ort, an dem man sich willkommen fühlt, auch wenn man nur auf der Durchreise ist.

Erste Eindrücke – von Steinlaternen und sakraler Stille
Wenn Ihr durch das Torii-Tor tretet, empfängt Euch eine breite Steingang, die von moosbedeckten Steinlaternen gesäumt wird. Besonders bei leichtem Regen oder am frühen Morgen liegt eine magische Stimmung in der Luft – fast wie in einem Studio-Ghibli-Film. Der Hauptweg führt durch eine kleine Allee, vorbei an einem Waschbecken mit Drachenkopf, an dem Ihr Euch traditionell die Hände waschen und den Mund spülen könnt – ein Reinigungsritual, das dem Besuch eine feierliche Note gibt.

Der Hauptschrein selbst ist aus dunklem Holz, reich verziert, aber nicht überladen. Das Dach ist in typischer Shinto-Manier geschwungen und mit Kupferplatten gedeckt, die mit der Zeit eine wunderschöne Patina entwickelt haben. Wenn Ihr genau hinschaut, entdeckt Ihr überall kleine Details: geschnitzte Tiere, goldene Embleme, kleine Holztafeln mit Wünschen (Ema) von Besucherinnen und Besuchern.
Und dann ist da noch diese Stille. Kein Hupen, kein Gedränge, keine Lautsprecherdurchsagen. Nur das Zwitschern der Vögel, das Rascheln der Blätter und das Klappern der Holztäfelchen im Wind. Es sind genau diese Momente, die einen Besuch am Togoshi Hachiman so besonders machen.

Der Charme der kleinen Rituale
Ein Besuch in einem japanischen Schrein ist mehr als nur Sightseeing – es ist ein Erlebnis mit allen Sinnen. Wenn Ihr mögt, könnt Ihr einen kleinen Geldbetrag (meist 5 oder 10 Yen) in den Opferkasten werfen, zwei Mal verbeugen, zwei Mal in die Hände klatschen, ein Gebet sprechen und Euch dann noch einmal verbeugen. Dieser Ablauf ist typisch für Shinto-Schreine und wirkt fast meditativ.

Natürlich gibt es auch Omikuji – kleine Papierzettel mit Euren persönlichen Glücksvorhersagen. Diese könnt Ihr am Schrein ziehen. Wenn Ihr Glück habt, freut Ihr Euch über eine “große Fortune”. Wenn nicht – keine Sorge. Die weniger guten Vorhersagen bindet man einfach an einen dafür vorgesehenen Draht und lässt das Unglück symbolisch am Ort zurück. Ein schöner Brauch, oder?
Wer ein Andenken mitnehmen möchte, findet am Schrein auch kleine Talismane (Omamori), etwa für Gesundheit, Liebe oder Erfolg. Jeder dieser Glücksbringer ist liebevoll gestaltet und erinnert lange nach dem Besuch an diesen besonderen Ort. Und natürlich kann man sich hier auch ein Goshuin schreiben lassen. Leider waren wir am späten Nachmittag am Togoshi Hachiman Schrein und das Goshuin-Fenster war leider schon geschlossen.

Ein Ort für Feste und Gemeinschaft
Was uns besonders überrascht hat: Der Togoshi Hachiman Schrein ist nicht nur ein spiritueller Ort, sondern auch ein sozialer Mittelpunkt des Viertels. Besonders zum jährlichen Hachiman-Matsuri, das jedes Jahr am zweiten Samstag und Sonntag im September stattfindet, verwandelt sich das Gelände in ein buntes Festival mit Musik, Laternen, Essensständen und Umzügen. Die Straßen rund um den Schrein sind dann voller Leben – und Ihr könnt tief in die Nachbarschaftskultur Tokios eintauchen.
Auch kleinere Feste, Neujahrsfeiern oder Shichi-Go-San-Zeremonien bringen Leben auf das Gelände. Wenn Ihr zur richtigen Zeit kommt, erlebt Ihr hier nicht nur den Schrein selbst, sondern auch die tiefe Verbindung zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen Spiritualität und Alltag.
Wir waren kurz vor dem Hina-Matsuri, dem Mädchentag, am Togoshi Hachiman Schrein und konnten so die wunderschöne Ausstellung an Puppen bestaunen, die hier schon für dieses Fest hergerichtet waren.

Umgeben von Geschichte – und kleinen Überraschungen
Der Schrein liegt nicht weit vom Togoshi Ginza – einer der längsten Einkaufsstraßen Tokios. Nach dem Besuch des Schreins bietet sich ein Bummel durch diese lebendige Shotengai an, in der Ihr alles findet: frisch gebackene Taiyaki, gebratene Croquettes, Matcha-Eis, Secondhand-Mode und Kuriositätenläden. Hier mischt sich das Alte mit dem Neuen, das Bodenständige mit dem Trendigen – typisch Tokio eben.
Und wenn Ihr einen kleinen Abstecher machen wollt: Der nahegelegene Shinagawa Kumin Park ist perfekt für eine entspannte Pause oder ein Picknick unter Kirschbäumen. Auch der Gotanda-Bezirk ist nicht weit entfernt – mit spannenden Cafés, netten Buchläden und versteckten Bars.
Übrigens verstecken sich rund um den Togoshi Hachiman Schrein auch noch weitere kleine Schreine, die es zu entdecken gilt. Dieses kleinen Inari-Schrein mit den wunderschönen roten Torii findet Ihr zum Beispiel gleich um die Ecke beim Eingang zum Togoshi Hachiman Schrein. Also haltet die Augen immer schön offen. Man weiß nie, was einen erwartet.
Ein idealer Zwischenstopp – oder ein stilles Highlight
Ob Ihr gerade einen längeren Aufenthalt in Tokio plant oder nur auf der Durchreise seid – der Togoshi Hachiman Schrein ist definitiv einen Abstecher wert. Gerade, wenn Ihr Euch für spirituelle Orte interessiert, aber die Menschenmassen an bekannten Sehenswürdigkeiten eher meiden wollt, seid Ihr hier genau richtig. Der Schrein eignet sich perfekt als kleine Auszeit – zum Krafttanken, Durchatmen und vielleicht auch zum Reflektieren.
Auch als Fotospot ist der Ort ein Geheimtipp. Besonders morgens, wenn das Licht durch die Bäume fällt und der Schrein noch ganz leer ist, entstehen wunderschöne Aufnahmen. Oder Ihr kommt in der Abenddämmerung, wenn die Laternen angehen und der Ort in ein warmes Licht getaucht wird.

Mein persönlicher Eindruck
Für mich war der Besuch am Togoshi Hachiman ein echtes Highlight – nicht, weil es dort etwas Spektakuläres oder Großes zu sehen gibt, sondern gerade wegen der kleinen Dinge. Die Atmosphäre, die Ruhe, die Offenheit des Ortes. Ich habe dort eine Stunde auf einer Bank gesessen, Menschen beobachtet, ein Omikuji gezogen und einfach den Moment genossen. In einer Stadt wie Tokio ist das ein echtes Geschenk.
Und ich bin überzeugt: Wenn Ihr den Togoshi Hachiman Schrein besucht, werdet auch Ihr dieses Gefühl mitnehmen. Vielleicht anders, vielleicht ganz individuell. Aber definitiv besonders.

Fazit – Warum sich ein Besuch lohnt
Der Togoshi Hachiman Schrein ist kein Must-See, das in jedem Reiseführer ganz oben steht. Aber genau das macht ihn so besonders. Er ist einer dieser Orte, die man nicht vergisst, weil sie etwas in einem berühren. Ein Stück altes Japan mitten in der modernen Stadt. Ein Ort, der leise, aber eindrucksvoll ist. Und vielleicht ja auch für Euch ein neues Lieblingsziel abseits der ausgetretenen Pfade.
Wenn Ihr auf Eurer Reise durch Tokio etwas Zeit habt – gönnt Euch diesen kleinen Abstecher. Ihr werdet es nicht bereuen.

- Zusammen mit dem Togoshi Hachiman Schrein haben wir natürlich auch Togoshi Ginza besucht
- Vorher waren wir noch im Rinshi-no-mori Park unterwegs, der auch zu Fuß von hier aus zu erreichen ist
- Erfahre mehr über den Stadtteil Shinagawa
- Hier erfahrt Ihr alles, was Ihr für einen Besuch in einem Shinto-Schrein wissen müsst
- Finde eine tolle Übernachtung in Shinagawa*
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