Bonenkai: Die Kunst des Jahresvergessens. Wie Japaner traditionell das alte Jahr ausklingen lassen.

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Das Ende eines jeden Jahres bringt in allen Kulturen eine Zeit der Reflexion, des Feierns und der Vorbereitung auf einen Neuanfang mit sich. Doch kaum eine Kultur zelebriert diesen Übergang so spezifisch und intentional wie Japan mit dem Brauch des Bonenkai (忘年会). Diese Jahresabschlussfeier, die wörtlich “Versammlung zum Vergessen des Jahres” bedeutet, ist ein kulturelles Phänomen, das fast den gesamten Dezember dominiert. Ich lade euch ein, tiefer in die Bedeutung dieser Feiern einzutauchen, die den Weg für das große und besinnliche Neujahrsfest (Shōgatsu) bereiten.

Ich werde euch in diesem ausführlichen Bericht erklären, warum der Bonenkai für das soziale und berufliche Gefüge Japans so wichtig ist, welche Etikette ihr bei der Teilnahme beachten müsst und welche einzigartigen Mechanismen (Bureikō) hier zum Tragen kommen. Für euch als ausländische Besucher, sei es als Geschäftsreisende oder als neugierige Beobachter der japanischen Kultur, ist das Verständnis des Bonenkai der Schlüssel, um die Dynamik des japanischen sozialen Lebens am Jahresende wirklich zu begreifen.

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Die Philosophie hinter dem Bonenkai

Der Bonenkai ist weit mehr als nur eine Gelegenheit, sich zu betrinken oder gut zu essen. Er verkörpert eine tiefe kulturelle Notwendigkeit, einen klaren Abschluss mit dem Vergangenen zu finden.

Das “Jahr vergessen” – Eine symbolische Reinigung

Der Name Bōnenkai setzt sich aus drei Kanji zusammen:

  • 忘 (): Vergessen
  • 年 (Nen): Jahr
  • 会 (Kai): Versammlung/Treffen

Die Intention ist es, die negativen oder belastenden Ereignisse, Misserfolge, Fehler, Konflikte und den Stress, der sich über die vergangenen zwölf Monate angesammelt hat, bewusst hinter sich zu lassen. Ziel ist es, unbelastet und mit frischem Mut in das neue Jahr (Shinnen) zu starten. Es geht nicht darum, sich an nichts mehr erinnern zu können, sondern darum, die emotionalen und sozialen Bindungen, die durch diese negativen Erfahrungen entstanden sind, zu kappen. Ich sehe das als eine Form der kollektiven psychologischen Reinigung.

Das Konzept des Bureikō

Das vielleicht faszinierendste Element des Bonenkai ist das Konzept des Bureikō (無礼講). Dieses Wort bedeutet wörtlich “keine Manieren” oder “keine Etikette”.

Während des Bonenkai wird die extrem strenge japanische Hierarchie – die durch Dienstalter, Rang und soziale Position definiert wird (Senpai/Kōhai-System) – vorübergehend außer Kraft gesetzt.

  • Hierarchie-Auszeit: Vorgesetzte und Untergebene trinken und reden auf einer informelleren Ebene. Die formellen Verbeugungen (Ojigi) werden lockerer.
  • Offenheit: Es ist die einzige Zeit im Jahr, in der Mitarbeiter ihrem Chef sanft Kritik äußern oder Dampf ablassen dürfen, ohne befürchten zu müssen, dass es am nächsten Tag Konsequenzen hat.
  • Die Goldene Regel: Was beim Bonenkai gesagt oder getan wird, bleibt beim Bonenkai. Am nächsten Arbeitstag kehren alle Teilnehmer zu ihren normalen, formellen Rollen zurück, als wäre nichts geschehen. Diese Vereinbarung macht den Bonenkai zu einem wichtigen sozialen Ventil, das die Harmonie am Arbeitsplatz (Wa) über das Jahr hinweg aufrechterhält.

Wenn ihr an einem Bonenkai teilnehmt, werdet ihr feststellen, dass dieses Bureikō jedoch nicht bedeutet, völlig respektlos zu sein. Es ist eine erlaubte Lockerung, keine Aufforderung zur Barbarei.

Ein hohes Glas helles Bier mit Schaumkrone steht auf einem Holztisch. Auf dem Glas ist das Logo von Kirin Ichiban mit einem Drachen abgebildet, perfekt für die Feier des Bonenkai, während sich im verschwommenen Hintergrund Menschen versammeln.

Ablauf, Organisation und Timing

Bonenkai-Feiern finden nicht nur einmal statt. Der Dezember ist ein Monat, in dem viele Japaner an mehreren Bonenkai teilnehmen, da sie oft von verschiedenen sozialen Gruppen ausgerichtet werden.

Wer feiert mit wem?

Bonenkai werden in verschiedenen Kontexten abgehalten:

  • Firmen-Bonenkai: Die häufigste und formalste Art. Sie wird meistens vom Management oder der Kanjii (Organisator) der Abteilung organisiert.
  • Abteilungs-Bonenkai: Kleiner und intimer, nur mit den engsten Kollegen.
  • Freundes-Bonenkai: Informelle Treffen mit ehemaligen Schulfreunden, Sportmannschaften oder Hobbyligen.

Der Kanjii: Der Zeremonienmeister

Der wichtigste Akteur ist der Kanjii (幹事), der Organisator. Dies ist oft ein jüngerer, aber zuverlässiger Mitarbeiter, der diese Aufgabe als Chance sieht, seine organisatorischen Fähigkeiten zu demonstrieren. Die Aufgaben des Kanjii sind enorm:

  • Reservierung: Die Buchung eines passenden Restaurants (Izakaya oder Themenrestaurant). Da die Nachfrage im Dezember extrem hoch ist, beginnt die Planung oft schon im Oktober.
  • Ablaufplanung: Die Organisation des Menüs (oft Nomihōdai – All-you-can-drink) und des zeitlichen Ablaufs.
  • Finanzen: Das Einsammeln der Teilnahmegebühr (Enkai-hi) und die Begleichung der Rechnung.
  • Aufsicht: Er oder sie stellt sicher, dass die wichtigsten Programmpunkte eingehalten werden.

Der typische Ablauf eines Bonenkai

Ein Bonenkai folgt oft einem vorhersehbaren Muster, das euch als Teilnehmer Orientierung gibt:

  1. Versammlung: Die Gruppe trifft sich im vorbestellten Restaurant, meist einem Izakaya mit separaten Räumen (Koshitsu) oder einem Bankettsaal (Enkai-jō).
  2. Ansprache des Seniors: Ein ranghoher Teilnehmer (z. B. der Abteilungsleiter) hält eine kurze Rede, in der er sich für die harte Arbeit des Jahres bedankt und den Sinn des Bonenkai erläutert (das Jahr vergessen).
  3. Kampai (乾杯): Der wichtigste Moment. Nach der Rede ruft der Redner oder der Kanjii das japanische “Prost” (Kampai) aus, und alle stoßen gleichzeitig mit ihrem ersten Getränk an. Erst nach dem Kampai darf mit dem Essen und Trinken begonnen werden.
  4. Nomihōdai und Essen: Es folgen Essen und Trinken. Die Atmosphäre wird schnell lebhafter.
  5. Aktivitäten: Manchmal gibt es kleine Spiele, Gesangseinlagen (Karaoke) oder informelle Darbietungen der jüngeren Mitarbeiter (Gei).
  6. Chō-ippon-jime (手一本締め): Zum Abschluss (etwa zwei Stunden später) führt der Senior oft einen rhythmischen Händeklatsch durch, um die Versammlung offiziell zu beenden.
  7. Nijikai (二次会): Die inoffizielle “zweite Runde”. Eine kleinere Gruppe zieht in eine Bar, eine Karaokebox (Karaoke Box) oder ein anderes Izakaya weiter. Die Teilnahme ist freiwillig, aber sozial erwünscht.
  8. Sanjikai (三次会): Manchmal folgt eine dritte Runde, die oft bis tief in die Nacht dauert.
Drei Personen halten große, mit goldenem Bier gefüllte Glaskrüge in die Höhe und stoßen gemeinsam auf einen lebhaften Bonenkai an. Die Krüge sind mit sichtbarem Kondenswasser vereist, und auf zwei der Krüge ist das Logo der Paulaner Brauerei zu sehen.

Ich, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Regeln und Etikette des Bonenkai

Obwohl das Bonenkai das Konzept des Bureikō nutzt, um die Formalitäten zu lockern, ist es entscheidend, dass ihr als Ausländer die grundlegenden Etikette-Regeln beachtet. Japanische Geschäftskollegen werden euer Bemühen, die Kultur zu respektieren, hoch zu schätzen wissen.

Die Etikette des Trinkens (O-shaku)

Das Wichtigste beim japanischen Trinkgelage ist, niemals euer eigenes Glas nachzufüllen. Dies ist die Aufgabe euerer Tischnachbarn oder euch selbst für andere.

  • Gegenseitiges Nachschenken: Ihr solltet stets auf die Gläser euerer Vorgesetzten, Kollegen und Nachbarn achten. Wenn ihr seht, dass ein Glas leer wird, fragt ihr höflich: “O-shaku shimasu ka?” (“Soll ich nachschenken?”).
  • Wie man ein Glas annimmt: Wenn euch jemand nachschenkt, haltet ihr euer Glas mit beiden Händen leicht an, als Zeichen des Respekts.
  • Bier oder Sake: Das erste Getränk ist oft Bier, aber im Laufe des Abends wird gerne auf Sake, Shōchū (japanischer Schnaps) oder andere Spirituosen gewechselt.

Rang und Sitzordnung

Obwohl die Hierarchie gelockert wird, beginnt der Bonenkai sehr formell, was sich in der Sitzordnung widerspiegelt.

  • Der Ehrenplatz (Kamiza): Der ranghöchste Teilnehmer (Boss, Senpai) sitzt am weitesten vom Eingang entfernt, oft mit Blick auf diesen.
  • Der Sitz der Untergebenen (Shimoza): Ihr und die jüngeren oder rangniedrigeren Kollegen sitzt näher am Eingang, da ihr für das Servieren und die Kommunikation mit dem Servicepersonal zuständig seid.

Essen und Trinken

Das Essen beim Bonenkai ist typischerweise ein Festmahl im Izakaya-Stil, das zum Teilen gedacht ist.

  • Teilen (Toriawase): Die Gerichte werden in der Mitte des Tisches platziert. Benutzt das Servierbesteck (Toribashi), um Essen auf euren eigenen Teller zu legen.
  • Niemand zwingt euch: Ihr werdet möglicherweise freundlich dazu aufgefordert, mehr zu trinken. Es ist jedoch völlig akzeptabel, höflich abzulehnen oder ein alkoholfreies Getränk (Non-arukōru oder O-cha) zu bestellen. Wählt dieses aber von Anfang an, um Missverständnisse zu vermeiden. Ich rate euch, nicht zu versuchen, mit den erfahrenen Japanern im Trinken mitzuhalten.

Bonenkai vs. Shinnenkai: Der Kontrast

Um die Funktion des Bonenkai vollständig zu verstehen, müsst ihr ihn im Kontext des gesamten japanischen Jahreswechsels sehen. Er steht in scharfem Kontrast zum Shinnenkai (新年会), der Neujahrsfeier.

Merkmal Bonenkai (忘年会) – Das Jahr vergessen Shinnenkai (新年会) – Das neue Jahr begrüßen
Wörtliche Bedeutung Versammlung zum Vergessen des Jahres Versammlung zum Begrüßen des neuen Jahres
Zeitpunkt Meist im gesamten Dezember Im Januar, nach der Rückkehr aus den Feiertagen
Zweck Probleme, Stress und Konflikte des Vorjahres vergessen und hinter sich lassen. Neue Vorsätze fassen, Motivation und Glück für das kommende Jahr wünschen.
Atmosphäre Ausgelassen, locker, Bureikō (formlose Etikette). Formeller, fokussierter, oft mit Toast auf den Erfolg des neuen Jahres.
Fokus Rückblick, Abschluss, Entladung von Spannung. Ausblick, Planung, neue Motivation.

Der Bonenkai ist die emotionale Entladung, die notwendig ist, um die besinnliche und familiäre Neujahrszeit (Shōgatsu) und den optimistischen Start in das Shinnenkai zu ermöglichen. Erst wenn das alte Jahr angemessen “vergessen” wurde, ist man mental frei für den Neuanfang.

Bonenkai in der modernen Zeit und seine Herausforderungen

Obwohl der Brauch des Bonenkai eine jahrhundertelange Tradition hat, hat er sich im modernen Japan verändert und steht vor neuen Herausforderungen. Ich möchte euch zeigen, wie sich die Moderne auf diese alte Tradition auswirkt.

Das Problem des Harasement

In den traditionellen Bureikō-Settings, in denen viel Alkohol fließt, kam es in der Vergangenheit leider oft zu Vorfällen, die heute als Power Harassment (Machtmissbrauch) oder Sake Harassment (Zwang zum Alkoholkonsum) betrachtet werden.

  • Wandel: Viele moderne, internationale Unternehmen in Japan haben die Regeln für ihre Bonenkai verschärft oder sie in formellere Abendessen umgewandelt. Der Druck, Alkohol zu trinken, ist in den letzten Jahren gesunken.
  • Alternativen: Junge Arbeitnehmer in Japan veranstalten oft lieber “Nihonshu-kai” (Sake-Treffen) oder andere gesellige Runden mit Freunden, die weniger von hierarchischen Erwartungen geprägt sind, als eine Firmenfeier.

Die Auswirkungen von COVID-19 und Remote Work

Die Pandemie hat die traditionelle Bonenkai-Kultur stark beeinflusst.

  • Digitale Bonenkai: In den Jahren 2020 und 2021 wurden viele Bonenkai als Online-Nomikai (Online-Trinktreffen) abgehalten. Die Teilnehmer bestellten Essen nach Hause und trafen sich virtuell. Diese Form ist zwar sicher, aber das entscheidende Element des Bureikō – das physische Entladen von Spannung – geht dabei verloren.
  • Reduzierte Größe: Die meisten Bonenkai sind kleiner und finden in privateren, besser belüfteten Räumen statt, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu gewährleisten.

Ökonomischer Druck und Belegschaft

Die Kosten für die Organisation mehrerer Bonenkai können sich summieren. In einer alternden Gesellschaft und mit einer zunehmend vielfältigen Belegschaft (mit mehr Ausländern und Mitarbeitern, die keinen Alkohol trinken), muss der Kanjii heute kreativer sein. Das Izakaya mit All-you-can-drink ist zwar immer noch Standard, aber die Auswahl an qualitativ hochwertigen, alkoholfreien Optionen (Soft Drinks oder Amazake) hat zugenommen.

Ein altes Carlsberg-Schild mit einer Hand, die ein Glas Bier hält, und dem Text Carlsberg und Das glorreiche Bier von Kopenhagen, perfekt für Bonenkai-Treffen, an einer beigen Wand über einem Holzregal.

Eure Rolle als Gast beim Bonenkai

Wenn ihr die Ehre habt, zu einem Bonenkai eingeladen zu werden – besonders von euren Geschäftspartnern oder Kollegen – seht dies als ein großes Zeichen des Vertrauens. Es ist eine seltene Gelegenheit, die Menschen hinter den Anzügen kennenzulernen.

Dos und Don’ts

  • DO: Seid pünktlich. Pünktlichkeit ist in Japan immer wichtig, auch bei Feiern.
  • DO: Füllt die Gläser anderer auf. Dies ist euer wichtigster Beitrag zur Etikette. Wenn ein ranghöherer Kollege euer Glas füllt, zeigt euren Respekt mit einem leichten Kopfnicken und indem ihr das Glas leicht haltet.
  • DO: Bestellt euer eigenes Essen nicht sofort. Das Menü ist meistens vorbestellt (Tsukuri-oki). Wartet, bis das Essen auf dem Tisch steht und beginnt nicht vor dem Kampai zu essen.
  • DON’T: Füllt euer eigenes Glas auf. Dies wirkt unhöflich und egoistisch.
  • DON’T: Werdet zu laut. Auch unter Bureikō solltet ihr auf eure Lautstärke achten, um die anderen Tische im Restaurant nicht zu stören.
  • DON’T: Geht am nächsten Tag ins Detail. Erinnert euch am nächsten Tag nicht an die peinlichen Momente eurer Kollegen. Das Bonenkai ist abgeschlossen; haltet euch an die Goldene Regel.

Der richtige Umgang mit Bureikō

Nutzt die Gelegenheit, um die Spannungen des Jahres abzubauen, aber nutzt das Bureikō nicht als Freifahrtschein. Ihr könnt entspannter und offener sein, aber behaltet immer ein gewisses Maß an Respekt bei. Wenn euer Chef Witze macht, lacht. Wenn jemand eine Rede hält, hört zu. Eure Rolle ist es, euch in die Gruppe zu integrieren und die gemeinsame Absicht, das Jahr zu vergessen, zu unterstützen.

Ich versichere euch, die Teilnahme an einem Bonenkai wird euer Verständnis für die japanische Arbeits- und Sozialkultur revolutionieren.

Bonenkai und der Rest des japanischen Jahresendes

Der Bonenkai ist die notwendige Vorstufe zu den traditionellen und ruhigen Neujahrsbräuchen. Er schafft die mentale und soziale Ordnung, die für die weiteren Rituale erforderlich ist.

  • Oosouji (大掃除): Das Große Putzen. Unmittelbar nach der Bonenkai-Saison (meist um den 28. Dezember) folgt die traditionelle Großreinigung von Haus, Büro und manchmal sogar dem eigenen Körper. So wie der Bonenkai die emotionalen Lasten beseitigt, entfernt der Oosouji den physischen Schmutz.
  • Toshikoshi Soba (年越しそば): Die Silvester-Nudeln. Am Silvesterabend (Ōmisoka) essen die Japaner Toshikoshi Soba (Jahreswechsel-Nudeln). Die langen Nudeln symbolisieren ein langes Leben. Diese Nacht ist familiär und ruhig, ein starker Kontrast zum lauten Bonenkai.
  • Joya no Kane (除夜の鐘): Die 108 Glockenschläge. Buddhistische Tempel läuten um Mitternacht 108 Mal ihre Glocken, um die 108 irdischen Begierden (Bon’nō) zu vertreiben.

Der Bonenkai ist der erste Schritt in dieser Kette der Reinigung. Er erlaubt den Menschen, die kollektive Anspannung abzubauen, bevor sie sich der Stille und der spirituellen Bedeutung der Neujahrszeit widmen.

Fazit

Der Bonenkai ist ein Meisterstück der japanischen Sozialstruktur, ein kultureller Mechanismus, der es einer traditionell sehr hierarchischen und leistungsorientierten Gesellschaft ermöglicht, am Jahresende auf eine kollektive Reset-Taste zu drücken. Wie ich euch gezeigt habe, ist diese Feier zum “Vergessen des Jahres” nicht nur ein Trinkgelage, sondern ein essenzielles Ventil, das die soziale Harmonie (Wa) aufrechterhält und die Menschen mental auf einen unbelasteten Start ins neue Jahr vorbereitet.

Für euch, die ihr in die japanische Kultur eintaucht, ist das Verständnis des Bonenkai von unschätzbarem Wert. Es ist die Zeit, in der ihr eure Kollegen und Vorgesetzten in einer informelleren Umgebung erleben könnt – eine seltene Gelegenheit, die Bindungen zu stärken, die das ganze Jahr über durch strenge Hierarchien verdeckt werden. Denkt daran, dass das Bureikō-Prinzip zwar eine Lockerung der Manieren erlaubt, aber niemals als Freibrief für Respektlosigkeit missverstanden werden sollte. Eure Bereitschaft, die Etikette des gegenseitigen Nachschenkens (O-shaku) zu respektieren und am nächsten Tag über die Ereignisse des Abends zu schweigen, ist euer Beitrag zu dieser einzigartigen Tradition.

Die Bonenkai-Saison, die den gesamten Dezember umfasst, ist die letzte große Anstrengung vor dem besinnlichen und familiären Shōgatsu. Sie ist der laute, ausgelassene Kontrast, der die Stille des Neujahrs erst möglich macht. Indem die Japaner die Anspannung, die Fehler und die Sorgen des alten Jahres aktiv “vergessen”, schaffen sie den psychologischen und sozialen Raum für neue Pläne, neue Ziele und neue Motivationen, die im Shinnenkai dann offiziell besiegelt werden.

Ich hoffe, dieser detaillierte Einblick in die Kunst des Jahresvergessens hat euch geholfen, diesen wichtigen japanischen Brauch zu verstehen. Wenn ihr in diesem Dezember in Japan seid, haltet die Augen offen für die lebhaften Gruppen in den Izakayas und die Geschäftsmänner, die nach der letzten Runde ihren Weg nach Hause suchen. Sie alle sind Teil dieses faszinierenden Rituals, das Jahr für Jahr die Grundlage für einen erfolgreichen Neuanfang in Japan legt.

Eine große grüne Flasche mit japanischem Schriftzug steht auf einem Holztresen neben einem klaren Glas mit Flüssigkeit - und fängt die Essenz einer Bonenkai-Feier im warm beleuchteten Inneren eines japanischen Restaurants oder einer Bar ein.
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