Akemashite Omedetou! Gesundes Neues Jahr! Ein Neuanfang nach japanischer Art

0
97
Leuchtend rosafarbene Feuerwerkskörper japanischer Art explodieren vor dem dunklen Nachthimmel, in der Mitte funkelnde weiße Lichterbüschel - ein inspirierendes Feuerwerk zur Feier von Neuanfang und Akemashite Omedetou.

Akemashite Omedetou! Heute ist Silvester. Das alte Jahr verblasst wie der Morgennebel, und vor uns liegt ein unbeschriebenes Blatt. Während wir im Westen das neue Jahr oft mit lauten Knallern und Vorsätzen begrüßen, die wir meist bis Februar wieder vergessen haben, bietet die japanische Kultur – Oshogatsu – eine faszinierende Alternative. Es ist eine Zeit der Stille, der Reinigung und der bewussten Wertschätzung.

In diesem Blogbeitrag möchte ich Euch mitnehmen auf eine Reise in das Land der aufgehenden Sonne und schauen, was wir von ihren Bräuchen lernen können, um das neue Jahr mit mehr Klarheit und Fokus zu beginnen.

Osōji: Der Zauber der reinen Wohnung

Bevor das neue Jahr überhaupt beginnt, widmen sich die Japaner dem Osōji, dem großen Hausputz. Doch es geht um weit mehr als nur Staubwischen. Es ist eine spirituelle Reinigung. Man schafft Platz für den Toshigami, den Gott des neuen Jahres, der Glück und Wohlstand bringt.

Was wir daraus lernen können: Ordnung im Außen schafft Ordnung im Innen. Nutzen wir die ersten Tage des Jahres nicht nur, um physischen Ballast abzuwerfen, sondern auch, um mentale Altlasten loszulassen. Was aus dem letzten Jahr darf gehen, damit Platz für Neues entsteht?

Wenn Ihr jetzt darüber nachdenkt, dass Putzen heute noch zu erledigen, dann lasst Euch gesagt sein, dass das eher eine unglückliche Wahl ist. Die Reinigung am letzten Tag des Jahres wird als Ichiya-kazari (一夜飾り) – “Eintags-Dekoration” – bezeichnet. Diese symbolisiert allerdings die Schlampigkeit und Respektlosigkeit gegenüber Toshigami.

Aber vielleicht macht Ihr Euch einen kleinen Vermerk für das nächste Neujahr in Euren Kalender. Denn die Ōsōji beginnt traditionell am 13. Dezember.

Zwei große Kadomatsu, traditionelle japanische Neujahrsdekorationen aus Bambus, Kiefer und Stroh, stehen auf beiden Seiten eines Hauseingangs und symbolisieren das Glück für das kommende Jahr.

Mr.ちゅらさん, CC0, via Wikimedia Commons

Kadomatsu und Shimekazari: Einladungen an das Glück

Vor den Haustüren in Japan sieht man in diesen Tagen rund um das Neue Jahr oft Gestecke aus Pinienzweigen und Bambus (Kadomatsu). Die Pinie steht für Beständigkeit und langes Leben, der Bambus für Widerstandsfähigkeit und schnelles Wachstum. So laden die Japaner das Glück für das Neue Jahr in Ihr Haus ein. Eine schöne Idee, wie ich finde.

Gedanke für das neue Jahr: Wie wäre es, wenn wir uns wie der Bambus vornehmen, im Sturm biegsam zu bleiben, ohne zu brechen, und gleichzeitig so tief verwurzelt zu sein wie eine alte Pinie?

Ein dekoratives Kadomatsu-Arrangement für das japanische Neujahrsfest mit drei Bambushalmen, Kiefernzweigen, roten Beeren, einem Kiefernzapfen, einem verzierten Fächer und einem weißen Anhänger mit japanischer Schrift, alles auf einem Strohsockel.

Kimberli Mäkäräinen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Hatsumode: Der erste Schreinbesuch

In den ersten drei Tagen des Januars strömen Millionen von Menschen für ihren ersten Besuch zu den Schreinen und Tempeln (Hatsumode). Es ist kein trauriges Bittstellen, sondern ein Moment der Dankbarkeit und des Wünschens. Man kauft ein Omikuji – ein kleines Papierlos, das die Zukunft voraussagt. Zieht man ein “schlechtes” Los, knotet man es einfach an einen Baum im Tempel, um das Unheil dort zu lassen.

Weil das Thema so interessant ist, gibt es demnächst hierzu auch noch einen separaten Blogbeitrag.

Mein Wunsch für euch: Möget ihr im neuen Jahr die Gelassenheit besitzen, die “schlechten Lose” des Lebens einfach stehen zu lassen und euch auf die positiven Möglichkeiten zu konzentrieren.

Osechi-Ryori: Essen mit Symbolkraft

Die japanische Neujahrsküche ist ein Kunstwerk für sich. Jede Zutat in den lackierten Bento-Boxen hat eine eigene Bedeutung:

  • Daidai  – eine japanische Bitterorange, die den Wunsch nach Kindern im neuen Jahr symbolisiert.
  • Datemaki – ein süßes, zusammengerolltes Omelett, gefüllt mit Fischpaste oder pürierten Garnelen. Dieses steht für den Wunsch nach vielen Erfolg verheißenden Tagen.
  • Kamaboko – Scheiben aus gedämpfter Fischpaste. Man stellt meist rote und weiße Kamaboko her, deren Scheiben abwechselnd in Reihen oder Mustern angeordnet werden. Oft erinnern diese Muster an das Symbol der aufgehenden Sonne.
  • Kazunoko  – Heringsrogen. Auch diese symbolisieren den Wunsch nach vielen Kindern.
  • Konbu – Seetang, dessen Name mit dem Wort yorokobu assoziiert wird, das „sich freuen“ bedeutet.
  • Kuromame  –  Schwarze Sojabohnen. Diese symbolisiert den Wunsch nach Gesundheit.
  • Tai – Der Name der Meerbrasse soll ein erfolgversprechendes Ereignis symbolisiert.
  • Tazukuri – die getrocknete Sardinen, die in Sojasauce gekocht werden, stehen für den Fisch, der früher zum Düngen der Reisfelder genutzt wurde. Dieses Gericht symbolisieren damit eine reiche Ernte.

In Japan genießt man diese Speisen langsam und in Gemeinschaft. Es ist eine Zeit, in der die Hektik des Alltags pausiert. Auch wenn Ihr zum Neuen Jahr etwas anderes esst, nehmt Euch Zeit und genießt sowohl das Essen als auch die Zeit mit Euren Lieben und lasst so das alte Jahr entspannt ausklingen.

Osechi_ryori_-_new_Year_2010

Osechi Ryori – dnak, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Akemashite Omedetou! Mein Neujahrsgruß für Euch

Ich wünsche Euch für das kommende Jahr die Klarheit eines japanischen Wintermorgens. Möget Ihr die Disziplin finden, deine Ziele zu verfolgen, aber auch die Weichheit, dir selbst Fehler zu verzeihen.

Lass uns das neue Jahr nicht als ein Rennen betrachten, das es zu gewinnen gilt, sondern als einen Hatsuhinode – den ersten Sonnenaufgang des Jahres, den man in Japan schweigend und voller Ehrfurcht betrachtet. Jeder Tag ist eine neue Chance, das Licht zu sehen.

In diesem Sinne: Akemashite Omedetou Gozaimasu! (Herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahr!)

Vor dem schwarzen Nachthimmel explodiert ein orangefarbenes Feuerwerk, dessen leuchtende Schlieren nach außen strahlen - ein feierliches "Gesundes Neues Jahr" und ein strahlender Neuanfang Japan.
Transparenz und Vertrauen: In diesen Beitrag befinden sich Empfehlungs-Links, welche mit *gekennzeichnet sind. Diese bedeutet für dich keine Mehrkosten, aber: Wenn du über einen dieser Links etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Diese hilf mir, diese Seite zu betreiben und unterstützt den Blog und meine Arbeit. Vielen lieben Dank!

Empfehlungen

Nutzt Du diese Links, dann erhalte ich eine kleine Provision. Du hast dadurch keine Extra-Kosten, unterstützt mich aber dabei, diesen Blog zu betreiben

Sharing is caring