Das japanische Mondfest – Jugoya und Tsukimi

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Eine ruhige Seeszene bei Sonnenuntergang mit einem traditionellen Holzhaus, leuchtenden Laternen, die an einem Baum hängen, ruhigem Wasser, Bambus und Bergen im Hintergrund unter einem vollen Mond.

Wenn im Herbst der Himmel klar wird, die Luft frisch und kühl in die Abende weht und der Vollmond seine runde, helle Gestalt über die Landschaft legt, dann ist in Japan die Zeit des Mondfestes gekommen. Es heißt Jugoya oder auch Tsukimi, was wörtlich übersetzt so viel wie „Mondschau“ bedeutet.

Dieses Fest ist tief verwurzelt in der japanischen Tradition, und es vereint Naturbeobachtung, Spiritualität, Ästhetik und Genuss auf eine Art und Weise, wie man sie nur in Japan erleben kann. Es geht nicht darum, große Menschenmengen zu versammeln oder laut zu feiern, sondern vielmehr um ein Innehalten, ein gemeinsames Schauen, Essen, Staunen und Danken. Ihr werdet merken: Das Mondfest ist weit mehr als nur ein Abend, an dem man in den Himmel blickt – es ist ein kulturelles Erlebnis, das alle Sinne anspricht und tiefer führt in das Verständnis der japanischen Seele.

Schon seit Jahrhunderten gilt der Herbstmond als der schönste des Jahres. Seine Klarheit ist ein Symbol für Reinheit und gleichzeitig ein Anlass, die Ernte zu feiern und für das, was die Natur geschenkt hat, Dankbarkeit auszudrücken. Dabei hat das Mondfest seine Wurzeln sowohl in China als auch in alten japanischen Traditionen, was zu einer einzigartigen Mischung geführt hat, die wir heute in Japan erleben können.

In diesem Beitrag bekommt Ihr einen ersten Eindruck  warum dieses Fest für die Menschen in Japan so wichtig ist. Es ist ein Moment der Harmonie zwischen Natur und Mensch, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und genau deshalb lohnt es sich, tiefer einzutauchen.

Ein heller, voller Mond leuchtet vor einem tiefblauen Himmel, mit der Silhouette eines Vogels, der in der Ferne rechts vom Mond fliegt.

halfrain, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Ursprung und Geschichte – Von China nach Japan

Das Mondfest in Japan ist ohne einen Blick auf China kaum zu verstehen. Denn dort liegt der Ursprung: Schon in der Tang-Dynastie feierten die Menschen den Vollmond im achten Monat nach dem alten Mondkalender. Es war ein Fest, das eng mit Landwirtschaft und Spiritualität verbunden war.

Händler, Diplomaten und buddhistische Mönche brachten diese Tradition schließlich nach Japan, wo sie sich ab der Heian-Zeit (794–1185) zu einem festen Bestandteil des höfischen Lebens entwickelte. Vor allem die aristokratischen Kreise der damaligen Hauptstadt Heian-kyō (dem heutigen Kyoto) machten aus dem Betrachten des Herbstmondes ein kulturelles Ritual. Gedichte wurden geschrieben, Lieder gesungen, und der Vollmond spiegelte sich in den stillen Wasseroberflächen von Teichen in den kaiserlichen Gärten.

Das war aber nur der Anfang. Im Laufe der Jahrhunderte verbreitete sich die Tradition des Mondschauens über den Adel hinaus in alle gesellschaftlichen Schichten. Bauern verknüpften das Fest stärker mit der Ernte und mit Ritualen des Dankes für Reis und Süßkartoffeln, die in dieser Jahreszeit reichlich geerntet wurden. So entstand eine besondere Verbindung zwischen dem ästhetischen Genuss des Mondschauens und dem ganz praktischen Wunsch nach Fruchtbarkeit, Wohlstand und Schutz.

Wenn Ihr heute in Japan zum Mondschauen eingeladen werdet, erlebt Ihr eine jahrhundertealte Tradition, die sich stets gewandelt hat, ohne ihren Kern zu verlieren. Es geht um Staunen und Ehrfurcht – aber auch um geselliges Zusammensein. Das macht die Geschichte des Mondfestes so lebendig: ein Wandel zwischen höfischem Zeremoniell und ländlicher Dankbarkeit, der schließlich zu dem führte, was wir heute als Jugoya oder Tsukimi kennen.

Ein traditioneller japanischer Tempel mit einem goldenen Mond-Ornament auf dem Dach ist von üppig grünen Bäumen unter einem klaren blauen Himmel umgeben. Das Sonnenlicht scheint auf die Holzkonstruktion und das Blattwerk.

Bedeutung des Mondes in der japanischen Kultur

Der Mond spielt in Japan eine ganz besondere Rolle. Während die Sonne in vielen Kulturen das zentrale Symbol für Leben, Kraft und Herrschaft darstellt, ist der Mond in Japan oft mit Ruhe, Nachdenken und Schönheit verbunden. Er ist das Licht, das die Nacht erhellt, ohne sie zu verdrängen – ein stiller Begleiter, der gerade im Herbst eine fast magische Aura erhält. In unzähligen Gedichten, Liedern und Geschichten taucht der Mond auf. Er ist ein Bild für Vergänglichkeit, für die Schönheit des Augenblicks, und für eine Harmonie, die nicht laut, sondern leise beeindruckt.

Das zeigt sich auch in der Kunst. Japanische Maler haben den Herbstmond in Tuschebildern verewigt, Dichter der Edo-Zeit haben Verse geschrieben, die oft nur wenige Worte lang sind, aber die ganze Stimmung einer mondhellen Nacht einfangen. Haikus zum Mond gehören zu den bekanntesten Beispielen – sie fassen die Klarheit und gleichzeitige Tiefe dieses Symbols auf knappste Weise zusammen.

Doch es geht nicht nur um Poesie. Der Mond wird in Japan auch spirituell gesehen. Er steht für Reinheit, für den Kreislauf der Natur und für den ewigen Fluss der Zeit. Gleichzeitig gibt es die Vorstellung, dass Kaninchen auf dem Mond Mochi stampfen – eine süße und humorvolle Legende, die wir uns gleich genauer ansehen. Ihr merkt also: Der Mond ist in Japan weit mehr als nur ein Himmelskörper. Er ist Teil der Kultur, der Kunst und des Alltags.

Ein leuchtend roter Mond erhebt sich über einem ruhigen, dunklen Gewässer und wirft ein lebhaftes rotes Licht auf die Oberfläche unter dem Nachthimmel.

Peg, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Legende vom Mondhasen

Keine Mondfest-Erzählung in Japan wäre komplett ohne die Geschichte vom Mondhasen. Fast jedes Kind kennt sie, und auch Erwachsene erzählen sie gerne weiter. Nach dieser Legende lebt auf dem Mond ein Hase, das unermüdlich Mochi, also klebrigen Reiskuchen, stampft. Schaut Ihr an einem klaren Herbstabend in den Vollmond, könnt Ihr tatsächlich die Umrisse eines Hasen erkennen, die sich in den hellen und dunklen Flächen abzeichnen.

Doch woher stammt diese Vorstellung? Sie hat ihre Wurzeln in alten buddhistischen Geschichten, die aus Indien über China nach Japan kamen. Eine der bekanntesten erzählt von einem Hasen, das sich opferte, um einem hungrigen Wanderer – der in Wahrheit eine Gottheit war – Nahrung zu schenken. Da es selbst nichts hatte, warf es sich ins Feuer. Zum Dank wurde es auf den Mond gesetzt, wo es seitdem sichtbar ist.

Diese Legende prägt das Mondfest bis heute. Das Bild des Kaninchens taucht in Dekorationen auf, Kinder basteln Hasenfiguren, und auch in Süßigkeiten findet sich das Motiv. Für viele Japaner ist der Gedanke an das fleißige Mondhasen nicht nur niedlich, sondern auch ein Symbol für Opferbereitschaft, Hilfsbereitschaft und Reinheit. Wenn Ihr also beim Tsukimi den Mond betrachtet, werdet Ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Suche nach dem kleinen Kaninchen sein. Und vielleicht entdeckt Ihr es ja tatsächlich.

Ein Kaninchen sitzt auf einer felsigen, mit Kratern gefüllten Landschaft unter einem hellen, vollen Mond, mit Schatten und kühlen Blautönen, die eine surreale oder jenseitige nächtliche Szene suggerieren.

Erstellt mit KI

Tsukimi-Dango und andere Speisen

Ein Fest in Japan ohne Essen? Das ist kaum vorstellbar. Auch beim Mondfest gehören spezielle Gerichte und Snacks dazu, die nicht nur den Gaumen erfreuen, sondern auch symbolische Bedeutung haben. Besonders wichtig sind die Tsukimi-Dango – kleine, runde Reisbällchen, die an den Mond erinnern. Sie werden oft pyramidenförmig aufgestapelt und als Opfergabe für den Mond präsentiert, bevor man sie später gemeinsam isst. Die Anzahl der Bällchen variiert, aber häufig sind es 15, passend zum Vollmond des 15. Tages im achten Monat nach dem Mondkalender.

Neben den Dango spielen auch saisonale Produkte eine Rolle. Süßkartoffeln, Kastanien und Reis sind klassische Zutaten, die auf den Tisch kommen. Sie symbolisieren die Ernte und damit den Dank für das, was die Natur hervorgebracht hat. Auch Gemüsegerichte sind beliebt, oft schlicht zubereitet, um die Natürlichkeit der Zutaten zu betonen.

In modernen Zeiten gibt es zudem kulinarische Neuinterpretationen. Bäckereien bieten Mondfest-Kuchen an, Cafés kreieren Desserts in Mondform, und sogar große Restaurantketten wie McDonald’s in Japan haben im Herbst spezielle „Tsukimi-Burger“, die mit einem Spiegelei den Vollmond symbolisieren. Ihr seht: Die Verbindung zwischen Mondfest und Essen ist lebendig und vielfältig – und für Feinschmecker eine wunderbare Gelegenheit, die japanische Küche in einer ganz besonderen Jahreszeit zu genießen.

Eine blaue Vase mit hohen Herbstgräsern steht hinter zwei Tellern: einem mit weißen Dango-Reisknödeln, die in einer Pyramide angeordnet sind, und einem mit Kastanien und Taro, der auf einem Holztisch im Haus steht und an die Traditionen des Mondfestes erinnert.

katorisi, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Pampasgras und Dekorationen

Nicht nur Essen spielt beim Mondfest eine Rolle, auch die Dekoration ist von großer Bedeutung. Besonders auffällig ist das Pampasgras (Susuki), das traditionell aufgestellt wird. Seine langen, eleganten Halme schwingen im Wind und spiegeln die Stimmung des Herbstes wider. In vielen japanischen Häusern findet Ihr zum Mondfest eine Vase mit Pampasgras, oft zusammen mit den Tsukimi-Dango arrangiert. Das Gras steht symbolisch für die Ernte und soll böse Geister fernhalten.

Auch andere Pflanzen spielen eine Rolle, wie Chrysanthemen oder Herbstblumen, die in bunten Arrangements präsentiert werden. Sie bringen die Farben des Herbstes in die Häuser und verstärken die festliche, aber ruhige Stimmung.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche moderne Dekorationen: Laternen mit Mondmotiven, Papierfiguren von Kaninchen oder stilisierte Vollmonde aus Stoff und Papier. Gerade in Schulen und Kindergärten wird viel gebastelt, sodass Kinder von klein auf die Tradition kennenlernen.

Das Schöne ist: Diese Dekorationen sind nicht überladen oder schrill. Sie fügen sich harmonisch in die Atmosphäre ein und betonen die Schlichtheit, die typisch für japanische Ästhetik ist. Wenn Ihr zum Mondfest in Japan seid, werdet Ihr sofort merken, wie durch diese Details eine ganz besondere Stimmung entsteht – ruhig, besinnlich und gleichzeitig festlich.

Leuchtend rote Spinnenlilien mit langen, dünnen Blütenblättern und Staubgefäßen blühen im sanften Schein des Mondes vor Felsen, grünen Blättern und blauem Himmel zu einer lebendigen und eindrucksvollen Szene in der Natur.

Bräuche des Mondfestes – Vom Schauen zum Teilen

Wenn Ihr am Abend des Mondfestes in Japan unterwegs seid, werdet Ihr feststellen, dass es weniger ein lautstarkes Spektakel ist, sondern vielmehr ein ruhiges Zusammensein. Familien und Freunde treffen sich, stellen ihre Opfergaben bereit und nehmen sich bewusst Zeit, den Mond anzuschauen. Das klingt auf den ersten Blick unspektakulär, ist aber gerade in dieser Einfachheit besonders eindrücklich. Das gemeinsame Sitzen, das Schweigen oder das leise Gespräch schaffen eine Atmosphäre, die man mit westlichen Festen kaum vergleichen kann.

Ein wichtiger Bestandteil der Bräuche ist das Aufstellen der Tsukimi-Dango und des Pampasgrases an einem Platz, der den Mond sichtbar macht. Diese kleine Zeremonie ist für viele Familien so selbstverständlich wie das Schmücken des Weihnachtsbaums in Europa. Danach beginnt das eigentliche Schauen: Man betrachtet den Mond, erzählt Geschichten, rezitiert Gedichte oder singt Lieder. Gerade ältere Menschen lieben es, Haikus oder Tanka zu zitieren, die den Herbstmond preisen.

In manchen Regionen werden auch kleine Feste veranstaltet, bei denen Dorfbewohner zusammenkommen. Kinder spielen, es werden Laternen getragen, und manchmal gibt es sogar Tanzvorführungen. Doch auch hier steht der Mond stets im Mittelpunkt – er ist das verbindende Element, das alle Blicke auf sich zieht. Dieser Brauch, sich dem Mond zuzuwenden, mag in unserer schnelllebigen Welt ungewöhnlich wirken, doch genau das macht ihn so wertvoll: ein kollektiver Moment des Innehaltens.

Ein kleiner Shinto-Schrein mit roten Torii-Toren und Steinlaternen liegt friedlich unter dem Mond, sein steinerner Weg ist von grünem Laub und verstreutem Laub umgeben. Der ruhige Bereich ist von Bäumen beschattet und lädt zum Nachdenken ein.

Regionale Unterschiede – Jugoya und die zweite Feier

Interessant ist, dass das Mondfest in Japan nicht nur an einem Tag gefeiert wird. Zwar ist Jugoya, der Vollmondabend im achten Monat, das bekannteste Datum, doch in manchen Regionen wird auch der Vollmond des neunten Monats gefeiert. Dieses Fest nennt man Jūsan’ya – den „Dreizehnten Nacht“-Mond. Besonders Bauern legten Wert darauf, auch zu diesem Zeitpunkt Dankbarkeit zu zeigen, da die Erntezeit damit endgültig abgeschlossen war.

In Kyoto gibt es bis heute traditionelle Tsukimi-Feiern in Tempeln und Schreinen, bei denen Musik gespielt wird und die Menschen auf Booten den Mond betrachten, wie es einst der Adel tat. In der Region Kinki, rund um Osaka, sind wiederum Süßkartoffeln besonders wichtig, weshalb man dort nicht nur Tsukimi-Dango, sondern auch Süßkartoffelgerichte opfert.

Auf Okinawa gibt es eine ganz eigene Tradition, die stark vom subtropischen Klima und den regionalen Bräuchen geprägt ist. Dort verbinden sich die Mondfeiern stärker mit Ritualen für Schutzgeister und Ahnen. Die Menschen bringen Opfergaben nicht nur für den Mond, sondern auch für die Geister der Familie dar.

Ihr merkt: Auch wenn das Grundthema des Mondes und der Dankbarkeit überall gleich ist, entwickeln die Regionen ihre ganz eigenen Nuancen. Und genau das macht es spannend, verschiedene Orte zum Mondfest zu erleben. Man entdeckt überall dieselbe Ruhe und Ehrfurcht – aber doch in ganz unterschiedlicher Form.

Hier findet Ihr alle Moon-Viewing-Termine in Kyoto für 2025

Fünf uralte, mit Moos bewachsene Steinmonumente stehen in einer Reihe zwischen hohen Bäumen in einem Wald, in dem das Mondlicht durch das Laub fällt und sanfte Schatten auf den Boden wirft.

Tsukimi in der Kunst und Literatur

Das Mondfest hat nicht nur das Alltagsleben geprägt, sondern auch die japanische Kunst tief beeinflusst. Schon in der Heian-Zeit war das Mondschauen ein beliebtes Thema für Dichter und Maler. Besonders bekannt sind die Gedichte der aristokratischen Dichterinnen, die in eleganten Worten den Mond als Symbol für Sehnsucht und Vergänglichkeit beschrieben. Diese Texte sind bis heute in Anthologien erhalten und werden zum Mondfest oft rezitiert.

In der Edo-Zeit griffen Haiku-Dichter wie Matsuo Bashō das Thema auf. Der Mond war ein beliebtes Motiv, weil er mit wenigen Worten beschrieben und gleichzeitig mit tiefer Bedeutung aufgeladen werden konnte. „Klarer Herbstmond“ – allein diese drei Worte rufen ein Bild hervor, das in der japanischen Ästhetik eine ganze Welt öffnet.

Auch in der bildenden Kunst findet Ihr das Mondmotiv oft. Holzschnitte aus der Edo-Zeit, besonders die berühmten Ukiyo-e-Drucke, zeigen Landschaften im Mondschein, Figuren, die nach oben blicken, oder Kaninchen im Mond. Maler wie Hiroshige haben die Schönheit des Herbstmondes eingefangen und damit Werke geschaffen, die bis heute bewundert werden.

In der modernen Kultur lebt dieses Motiv weiter: in Animes, Mangas und sogar in Popsongs. Der Mond bleibt ein Symbol für Sehnsucht, Romantik und Schönheit, das die Menschen seit Jahrhunderten inspiriert. Wenn Ihr zum Mondfest in Japan seid, werdet Ihr spüren, wie diese künstlerische Tradition lebendig wird.

Eine Gruppe von Ahornblättern in Rot-, Orange- und Grüntönen wird vom Sonnenlicht im sanften Schein des Mondes angestrahlt, mit verschwommenem grünen Laub im Hintergrund.

Moderne Tsukimi-Feiern – Zwischen Tradition und Popkultur

Heute hat das Mondfest in Japan viele Gesichter. Während ältere Generationen großen Wert auf die traditionellen Rituale legen, genießen jüngere Menschen das Fest oft in einer moderneren Form. Cafés und Restaurants bieten spezielle Tsukimi-Menüs an, und wie schon erwähnt, findet Ihr in Fast-Food-Ketten saisonale „Tsukimi-Burger“. Diese Mischung aus Tradition und Moderne ist typisch für Japan: Man bewahrt den alten Kern, aber passt ihn an die heutige Zeit an.

Auch öffentliche Veranstaltungen sind beliebt. In großen Städten wie Tokyo oder Osaka organisieren Tempel und Parks spezielle Mondschau-Events, bei denen man gemeinsam im Freien sitzt, Musik hört und den Mond betrachtet. Manchmal gibt es auch Bühnenprogramme mit traditioneller Musik, etwa Koto oder Shakuhachi, die den Abend besonders stimmungsvoll machen.

Interessant ist auch, wie Tsukimi in die Popkultur Einzug gehalten hat. In Animes oder Mangas findet Ihr häufig Szenen, in denen Figuren gemeinsam den Mond betrachten – eine direkte Anspielung auf Tsukimi. Auch Musiker veröffentlichen Songs rund um das Mondmotiv. So bleibt das Fest präsent, auch wenn nicht jeder Japaner es im traditionellen Sinne feiert.

Für Besucher aus dem Ausland ist Tsukimi heute eine wunderbare Möglichkeit, japanische Kultur authentisch zu erleben. Ob im kleinen Kreis mit Dango und Tee oder bei einer großen Veranstaltung im Park – die Mischung aus Ruhe, Schönheit und Genuss ist einzigartig.

Eine Hand hält einen eingewickelten Burger mit japanischem Text auf der Verpackung, die einen gelben mondähnlichen Kreis und braune Akzente aufweist. Im Hintergrund ist ein Bett oder eine weiche Oberfläche zu sehen.

Tsukimi im Vergleich zu anderen Kulturen

Spannend ist auch ein Blick über den Tellerrand. Denn das Mondfest gibt es nicht nur in Japan, sondern in vielen ostasiatischen Kulturen. In China ist das Mittherbstfest (Zhōngqiū Jié) eines der wichtigsten Feste überhaupt, das mit Laternen, Mondkuchen und großen Familienfeiern begangen wird. Auch in Korea gibt es mit Chuseok ein wichtiges Ernte- und Mondfest.

Was Japan allerdings besonders macht, ist die Betonung der Ästhetik. Während in China die Familienzusammenkunft und die aufwendigen Speisen im Vordergrund stehen, betonen die Japaner das stille Schauen, die Poesie und die Einfachheit. Auch die Tsukimi-Dango unterscheiden sich von den reichhaltigen Mondkuchen der Chinesen – sie sind schlicht, weiß und rund, fast minimalistisch.

Dieser Vergleich zeigt schön, wie ein gemeinsames Grundmotiv – der Herbstmond – in verschiedenen Kulturen unterschiedlich interpretiert wird. Für Reisende ist das eine tolle Gelegenheit, Ähnlichkeiten und Unterschiede zu erleben. Wer einmal in Japan zum Tsukimi war, wird feststellen: Es ist ein Fest, das zwar klein wirken mag, aber eine Tiefe hat, die man nicht so schnell vergisst.

Ein hell erleuchtetes Tor im chinesischen Stil und eine farbenfrohe Drachenlaterne mit leuchtenden roten, gelben und grünen Lichtern leuchten unter dem Mond - wahrscheinlich im Rahmen eines lebhaften Festes oder einer Feier.

User:Sengkang, Copyrighted free use, via Wikimedia Commons

Reisen zum Mondfest – Wo Ihr es erleben könnt

Falls Ihr plant, in Japan das Mondfest zu erleben, gibt es einige besonders schöne Orte dafür. Kyoto ist fast schon ein Klassiker. Dort finden in Tempeln wie Daikaku-ji oder im Heian-Schrein stimmungsvolle Tsukimi-Feste statt, bei denen man auf Booten den Mond betrachten kann. Diese Tradition geht direkt auf die höfische Kultur der Heian-Zeit zurück und vermittelt Euch das Gefühl, Teil einer Jahrhunderte alten Geschichte zu sein.

Auch Nara ist ein wunderbarer Ort. Der große Teich im Nara-Park spiegelt den Mond auf eine besonders eindrucksvolle Weise, während im Hintergrund die Tempel silhouettenhaft leuchten. In Tokyo wiederum bietet sich der Ueno-Park oder der Hamarikyu-Garten an, wo häufig Veranstaltungen mit Musik und Teezeremonien stattfinden.

Wer es ruhiger mag, sollte in ländliche Regionen reisen. Auf dem Land erlebt Ihr das Mondfest oft noch im familiären Rahmen, mit einfachen Opfergaben und viel Herzlichkeit. Gerade in kleineren Dörfern kann man die Ursprünglichkeit des Festes spüren, fernab von großen Shows oder touristischem Rahmenprogramm.

Egal, wo Ihr seid – das Wichtigste bleibt der Blick in den Himmel. Der Vollmond, der klar über Japan steht, ist überall derselbe. Doch die Umgebung, die Menschen und die Atmosphäre machen jede Tsukimi-Erfahrung einzigartig.

Luftaufnahme von traditionellen japanischen Tempelgebäuden mit einem mondähnlichen Eingangstor, umgeben von bunten Herbstbäumen und grünen Bergen, während ein paar Menschen in der Nähe spazieren gehen.

Fazit – Warum Tsukimi unvergesslich ist

Das japanische Mondfest ist kein lautes Spektakel, kein riesiges Volksfest mit Feuerwerk und Trubel. Es ist vielmehr ein stilles, tiefes Fest, das durch seine Schlichtheit besticht. Ihr sitzt mit Freunden oder Familie, schaut in den Himmel, esst kleine Reisbällchen und spürt eine Verbindung zur Natur, die im Alltag oft verloren geht. Genau das macht Tsukimi so unvergesslich: Es bringt Euch zurück zum Wesentlichen.

Die Mischung aus jahrhundertealter Tradition, künstlerischer Tiefe und kulinarischem Genuss macht das Mondfest zu einem ganz besonderen Erlebnis. Ob Ihr in Kyoto auf einem Boot sitzt, in Tokyo einen Tsukimi-Burger esst oder in einem kleinen Dorf bei einer Familie Dango teilt – immer ist da der Mond, der alles verbindet.

Für Reisende ist Tsukimi eine wunderbare Gelegenheit, Japan nicht nur zu sehen, sondern wirklich zu fühlen. Es zeigt, wie sehr Natur und Kultur miteinander verwoben sind. Und es lädt dazu ein, einmal innezuhalten, den Alltag zu vergessen und den Moment bewusst zu genießen.

Vielleicht nehmt Ihr Euch beim nächsten Vollmond auch zu Hause einen Augenblick Zeit. Schaut in den Himmel, denkt an das kleine Kaninchen auf dem Mond und stellt Euch vor, wie in Japan gerade Menschen dasselbe tun. Dann werdet Ihr verstehen, warum Tsukimi ein Fest ist, das über Ländergrenzen hinweg berührt.

Glühende Laternen hängen von Bambusbäumen neben einem grasbewachsenen Reisfeld unter einem vollen Mond, mit fernen Bergen und einem ruhigen Nachthimmel im Hintergrund.

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