10 Gründe, warum Ihr Eure nächste Reise nach Kagoshima planen solltet

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Die Gebäude der Stadt im Vordergrund und der große, teilweise verdeckte Vulkan von Kagoshima im Hintergrund, der eine Rauchfahne ausstößt - einer von vielen Gründen, diese Stadt auf Ihre Reiseliste zu setzen - alles unter einem dunstigen blauen Himmel.

Schon lange hege ich den Wunsch, Euch von einem Ort zu erzählen, der mein Herz im Sturm erobert hat und der meiner Meinung nach viel zu oft unter dem Radar der großen Touristenströme läuft: die Präfektur Kagoshima in Japans Süden. Oftmals denkt man bei Japan zuerst an Tokio, Kyoto oder Osaka, doch wer sich auf den Weg in den Süden der Insel Kyushu macht, wird mit einer unvergesslichen Mischung aus dramatischer Natur, tief verwurzelter Geschichte und einer unvergleichlichen Kulinarik belohnt.

Kagoshima ist nicht nur die Heimat des majestätischen Vulkans Sakurajima – ein ständiger, faszinierender Begleiter –, sondern auch ein Tor zu subtropischen Inselparadiesen, dem Geburtsort bedeutender Samurai und der Quelle einzigartiger Thermalbäder. Wenn Ihr nach einem Reiseziel sucht, das Abenteuer, Entspannung und Kultur in perfekter Balance bietet, dann hört jetzt gut zu.

Ich habe für Euch 10 ausführliche Gründe zusammengetragen, warum Kagoshima ganz oben auf Eurer Reise-Bucket-List stehen sollte. Lasst uns gemeinsam eintauchen in die „Neapel Japans“!

Der unbestreitbare Star: Der aktive Vulkan Sakurajima

Wenn Ihr in Kagoshima ankommt, wird Euch sofort der Anblick des Sakurajima in seinen Bann ziehen. Er ist das unverwechselbare Wahrzeichen der Region und einer der aktivsten Vulkane der Welt. Für mich persönlich ist die schiere Präsenz dieses feuerspeienden Giganten ein Grund genug, die Reise anzutreten.

Was macht den Sakurajima so besonders? Nun, zum einen seine Nähe zur Stadt Kagoshima. Im Gegensatz zu vielen anderen aktiven Vulkanen thront Sakurajima direkt gegenüber dem Stadtzentrum, nur eine kurze Fährfahrt entfernt. Ihr könnt ihn vom zentralen Hafen aus sehen, von Eurem Hotelzimmer aus oder sogar von den Shiroyama-Aussichtspunkten aus. Er erinnert mich stets daran, wie lebendig und unvorhersehbar die Erde ist. Ich empfehle Euch dringend, die Fähre (die 24 Stunden am Tag verkehrt!) auf die Insel überzusetzen. Dort könnt Ihr entweder Fahrräder mieten oder den Sakurajima Island View Bus nehmen. Die Rundfahrt bietet spektakuläre Ausblicke auf die verschiedenen Krater und die dramatisch geformte, von Lava bedeckte Küste.

Ein einzigartiges Erlebnis ist der Besuch des Nagisa Lava Trail, ein Spaziergang am Fuße des Vulkans, der Euch durch eine Landschaft führt, die nach dem großen Ausbruch von 1914 entstanden ist. Dieser Ausbruch war so gewaltig, dass er die Insel mit der Osumi-Halbinsel verband und den Sakurajima von einer reinen Insel zu einer Halbinsel machte (↗ Hier könnt Ihr eine geführte Tour buchen*).

Darüber hinaus solltet Ihr Euch die Zeit nehmen, die lokalen Produkte zu probieren, die in dieser vulkanischen Erde wachsen. Der Sakurajima Daikon ist der größte Rettich der Welt, und die Sakurajima Komikan ist eine winzige, süße Mandarine, die nur hier angebaut wird. Beide sind ein kulinarisches Zeugnis dafür, wie die Menschen in Kagoshima gelernt haben, mit und nicht gegen die Naturgewalten zu leben. Der Vulkan ist nicht nur ein Anblick, er ist ein Lebensgefühl, das Euren gesamten Aufenthalt prägen wird. Die ständige Rauchfahne am Gipfel und die gelegentlichen, aber harmlosen Aschewolken (die die Stadt mitunter mit einem feinen Staub überziehen) sind eine ständige, faszinierende Erinnerung an die Macht der Natur.

Blick von einem Boot aus, das eine Spur im blauen Wasser hinterlässt, auf die gebirgige Insel Sakurajima und eine weiße Rauchfahne, die von ihrem Gipfel unter einem klaren blauen Himmel aufsteigt.

Historische Bedeutung: Die Wiege der Meiji-Restauration

Kagoshima, früher bekannt als Satsuma-Han, spielt eine absolut zentrale und oft unterschätzte Rolle in der Geschichte Japans. Für jeden Geschichtsinteressierten unter Euch ist Kagoshima ein Muss, denn es gilt als die Wiege der Meiji-Restauration (1868), dem Wendepunkt, der Japan aus dem feudalen Zeitalter in die Moderne katapultierte.

Die Region war die Heimat des Shimazu-Clans, eines der mächtigsten und einflussreichsten Samurai-Clans während der Edo-Zeit. Aufgrund der geografischen Isolation der Region und des Reichtums durch den Handel mit den Ryukyu-Inseln (heutiges Okinawa) entwickelte Satsuma einen gewissen Grad an Unabhängigkeit und war innovativer und westlicher orientiert als viele andere Gebiete.

Der Schlüssel zur Meiji-Restauration liegt in zwei Persönlichkeiten, die aus Satsuma stammten und hier verehrt werden: Saigō Takamori und Ōkubo Toshimichi. Saigō Takamori ist wohl die bekannteste Figur, ein beeindruckender Samurai und späterer Anführer der kaiserlichen Truppen, der oft als “der letzte wahre Samurai” bezeichnet wird. Ihr werdet in der Stadt überall auf Denkmäler und Museen stoßen, die ihm gewidmet sind, insbesondere das Denkmal auf dem Shiroyama-Hügel und das nahegelegene Museum zur Meiji-Restauration. Letzteres bietet interaktive Ausstellungen, die die komplexen politischen Umbrüche dieser Zeit verständlich erklären.

Ich fand es besonders bewegend, das Satsuma-Bōshi-Yashiki (Ehemalige Residenz der Shimazu-Familie) und die damit verbundenen Gärten, besonders den Sengan-en, zu besuchen. Diese Orte zeigen den Glanz und die Macht des Clans. Noch wichtiger: Kagoshima war der Geburtsort von Japans erster moderner Industrie. Trotz des offiziellen Verbots der Shogunate schickten die Satsuma-Männer im Geheimen Studenten nach Europa und begannen mit der Entwicklung von Eisenbahnen, Textilfabriken und Kanonen. Der Besuch des Shūseikan-Komplexes in der Nähe von Sengan-en, der als Industriekulturerbe anerkannt ist, vermittelt Euch ein tiefes Verständnis für diesen frühen Industrialisierungsprozess.

Kagoshima ist nicht nur eine Stadt mit Geschichte; es ist ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird.

Eine Bronzestatue eines Mannes in traditioneller japanischer Kleidung steht auf einem schwarzen Sockel mit Plaketten in Kagoshima. Im Hintergrund sind moderne Gebäude, ein Schild und ein klarer blauer Himmel zu sehen.

Entspannung pur: Die einzigartigen Sandbäder in Ibusuki

Wenn Ihr nach einer Form der Entspannung sucht, die Ihr nirgendwo anders auf der Welt finden werdet, dann müsst Ihr unbedingt in die Stadt Ibusuki reisen, die an der südlichen Spitze der Satsuma-Halbinsel liegt. Ibusuki ist berühmt für seine einzigartigen, natürlich beheizten Sandbäder (Sunamushi Onsen).

Anders als bei einem traditionellen Onsen, bei dem Ihr in heißes Thermalwasser taucht, werdet Ihr in Ibusuki am Strand in schwarzen, vulkanisch erhitzten Sand eingegraben. Für mich war dies ein surreal, aber unglaublich wohltuendes Erlebnis. Zuerst zieht man einen speziellen Yukata an, dann legt man sich in eine kleine Mulde im Sand und das Personal schaufelt Euch vorsichtig mit dem heißen, schweren Sand zu, sodass nur noch Euer Kopf herausschaut.

Die Wärme, die durch den Sand aufsteigt, ist nicht nur sehr intensiv, sondern auch therapeutisch. Die Kombination aus Hitze und dem Gewicht des Sandes soll die Blutzirkulation um ein Vielfaches stärker anregen als ein normales heißes Bad. Man spürt, wie die Giftstoffe aus dem Körper ausgeschwitzt werden, und nach etwa 10 bis 15 Minuten fühlt man sich vollkommen revitalisiert. Die Dauer des Bades ist begrenzt, da die intensive Hitze des Sandes sonst zu Kreislaufproblemen führen könnte. Ich rate Euch, Euch nicht zu überanstrengen und die Zeit zu genießen, während Ihr dem Rauschen des Meeres lauscht.

Nach dem Sandbad wird der Sand abgewaschen und man taucht in ein traditionelles Onsen mit Thermalwasser ein, um die Muskeln vollständig zu entspannen und die Erfahrung abzurunden. Die Sandbäder von Ibusuki sind nicht nur eine Wellness-Behandlung; sie sind ein kulturelles Erlebnis, das tief in der vulkanischen Geothermie der Region verwurzelt ist. Ein Besuch* hier bietet Euch eine einzigartige Möglichkeit, die Heilkräfte der Erde direkt zu spüren. Der Hauptort für dieses Erlebnis ist der Saraku Sand Bath Hall, der sowohl sauber als auch perfekt organisiert ist, um Euch diese einzigartige Kagoshima-Erfahrung zu ermöglichen.

Zwei Personen arbeiten an einem Sandstrand in Ibusuki, wo in Ufernähe Dampf aus dem Boden aufsteigt. Im Hintergrund sind ruhiges blaues Wasser und Wellenbrecher zu sehen.

Die subtropische Inselwelt: Yakushima, Amami und Tokara

Kagoshima ist nicht nur die Hauptinsel Kyushu. Die Präfektur erstreckt sich über eine beeindruckende Kette von Inseln, die südlich in Richtung Okinawa liegen, und die ein völlig anderes Klima und Ökosystem bieten. Diese Inseln sind ein Paradies für Abenteurer, Naturliebhaber und alle, die eine Auszeit vom urbanen Trubel suchen.

Ganz oben auf dieser Liste steht Yakushima*, die Insel der „Alpen am Meer“, die seit 1993 als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt ist. Yakushima ist berühmt für ihren mystischen, moosbedeckten Urwald, der als Inspiration für den berühmten Studio Ghibli-Film Prinzessin Mononoke* diente.

Die Insel ist die Heimat der Yakusugi – über 1000 Jahre alte japanische Zedernbäume. Der Star ist die Jōmon Sugi, deren Alter auf bis zu 7.200 Jahre geschätzt wird und deren Anblick nach einer anspruchsvollen, aber unvergesslichen Wanderung (etwa 10 Stunden Hin- und Rückweg) absolut überwältigend ist. Allein die Wanderwege, die Euch durch tiefe Schluchten wie Shiratani Unsuikyo führen, sind die Reise wert. Packt eine gute Regenjacke ein, denn hier heißt es: Es regnet „35 Tage im Monat“, was die Vegetation so üppig macht.

Neben diesem Naturwunder ist auch Amami Ōshima zu nennen, das ein wahres Paradies für Strandurlauber ist. Amami wurde 2021 ebenfalls aufgrund seiner einzigartigen Biodiversität, zu der auch der seltene Amami-Kaninchen gehört, als UNESCO-Weltnaturerbe eingetragen. Die Strände mit türkisfarbenem Wasser und puderweißem Sand können locker mit bekannteren Zielen mithalten. Hier könnt Ihr Kajak durch dichte Mangrovenwälder fahren oder die lebendige Unterwasserwelt beim Schnorcheln erkunden.

Zusätzlich gibt es die Tokara-Inseln, eine Kette von sieben bewohnten Inseln, die noch abgelegener sind und ein raues, ursprüngliches Inselleben bieten. Der Transport ist komplizierter und die touristische Infrastruktur minimalistisch, aber wer die absolute Ruhe und unberührte Natur sucht, wird hier fündig.

Für mich persönlich bieten die Inseln Kagoshimas einen perfekten Kontrast zur Hauptinsel Kyushu. Während Kyushu Kultur und Vulkanismus bietet, könnt Ihr auf den südlichen Inseln in eine subtropische Gelassenheit und unberührte Natur eintauchen, die Euch das Gefühl gibt, weit weg von der Hektik des modernen Lebens zu sein.

Eine Ansammlung blühender weißer und rosafarbener Blumen im Vordergrund, mit den sanften grünen Hügeln von Kagoshima und einem Berggipfel unter einem teilweise bewölkten blauen Himmel im Hintergrund.

Photograph provided by Kagoshima Prefecture Visitors Bureau

Kulinarische Höhepunkte: Kurobuta-Schwein und Shōchū

Die Küche Kagoshimas ist ein Fest für die Sinne und bietet einige der besten regionalen Spezialitäten, die Japan zu bieten hat. Zwei Dinge solltet Ihr Euch auf keinen Fall entgehen lassen: das Kurobuta-Schwein und der lokale Shōchū.

Beginnen wir mit dem Kurobuta (wörtlich „schwarzes Schwein“). Dieses schwarze Berkshire-Schwein ist die berühmteste lokale Delikatesse und bekannt für sein saftiges, zartes und leicht süßliches Fleisch. Es wird oft als das „Kobe-Rind der Schweinefleischwelt“ bezeichnet. Ich habe noch nie ein so geschmacksintensives Schweinefleisch* probiert! Die Tiere werden hier unter optimalen Bedingungen gehalten und mit Süßkartoffeln gefüttert, was zu der einzigartigen Marmorierung und dem unvergleichlichen Geschmack führt. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Kurobuta zu genießen. Die beliebteste und einfachste ist Tonkatsu (frittiertes Schnitzel), aber Ihr solltet es unbedingt auch als Shabu-Shabu (kurz in Brühe gekochte, hauchdünne Scheiben) probieren. Beim Shabu-Shabu kommen der zarte Biss und das feine Aroma des Fleisches besonders gut zur Geltung.

Das zweite kulinarische Muss ist der Kagoshima Shōchū. Shōchū ist eine japanische Spirituose, die im Gegensatz zu Sake (Reiswein) destilliert wird. Kagoshima ist der größte Produzent in ganz Japan, und die hier hergestellte Variante ist fast ausschließlich Imo-Jōchū (Süßkartoffel-Shōchū). Anfänger finden den Geruch von Süßkartoffel-Shōchū manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber lasst Euch davon nicht abschrecken! Ich versichere Euch, dass der Geschmack oft viel sanfter und erdiger ist, als der Geruch vermuten lässt. Es gibt Hunderte von Brennereien in der Präfektur, die jeweils ihre eigenen, einzigartigen Methoden und Geschmacksrichtungen entwickeln.

Ich empfehle Euch, einen Shōchū-Verkostungsabend in einem Izakaya zu verbringen. Fragt nach Empfehlungen, wie man ihn am besten trinkt: Mizuwari (mit kaltem Wasser), Oyuwari (mit heißem Wasser) oder Rokku (auf Eis). Die Kombination aus einem Glas gutem Imo-Jōchū und einem köstlichen Kurobuta-Gericht ist die Quintessenz der Kagoshima-Küche. Neben diesen Hauptakteuren solltet Ihr auch die frischen Meeresfrüchte und das lokale Hähnchen, das hier oft roh als Torisashi (Hähnchen-Sashimi) gegessen wird (nur in zertifizierten Lokalen probieren!), in Euren Speiseplan aufnehmen.

Eine große grüne Flasche mit goldenem japanischen Text und der Aufschrift „Kagoshima“ steht auf einem Holztresen neben einem klaren Glas mit einem transparenten Getränk. Der warm beleuchtete Innenraum besticht durch verschiedene Flaschen und Dekorationen, die dem Ganzen Charme verleihen.

Historische Gärten und Landschaftsarchitektur: Sengan-en

Eines der schönsten Beispiele japanischer Landschaftsarchitektur, das ich je besucht habe, ist der Sengan-en-Garten (auch Isotei genannt). Dieser ausgedehnte, perfekt gepflegte Garten liegt nördlich des Stadtzentrums von Kagoshima und war die Hauptresidenz der mächtigen Shimazu-Familie, dem Herrscher-Clan von Satsuma, seit dem Jahr 1658.

Was Sengan-en (↗ Ticket buchen*) so atemberaubend macht, ist seine geniale Nutzung der umliegenden Landschaft in einem Stil, der als Shakkei (geborgte Landschaft) bekannt ist. Die Planer des Gartens haben den majestätischen Sakurajima als ein riesiges, natürliches Kunstwerk in das Design integriert und ihn als den wichtigsten „Hintergrund“ des Gartens verwendet. Ebenso dient die weite Kinkō-Bucht als der große Teich des Gartens. Das Ergebnis ist ein unvergessliches Panorama, bei dem die Gärten nahtlos in die dramatische Naturkulisse überzugehen scheinen.

Beim Schlendern durch Sengan-en werdet Ihr auf traditionelle japanische Elemente treffen, darunter sorgfältig geschnittene Kiefern, kleine Schreine, Bambushaine und steinerne Laternen, aber auch auf faszinierende europäische Einflüsse, die aus der frühen Öffnung des Shimazu-Clans resultierten. In der Nähe befindet sich beispielsweise ein kleines, europäisch anmutendes Gebäude. Ich empfehle Euch dringend, das Shimazu-Anwesen selbst zu besichtigen. Es bietet einen tiefen Einblick in das Leben der Feudalherren und die einzigartige Verbindung, die sie zu ihrer Heimat hatten.

Ein weiteres Highlight ist das Matcha-Teehaus im Garten, wo Ihr eine Tasse traditionellen Grüntee in einer Umgebung von beispielloser Schönheit genießen könnt. Wenn Ihr eine Pause von der Hektik des Sightseeings sucht, bietet Sengan-en einen Ort der Ruhe, an dem Ihr die Harmonie zwischen menschlicher Kunst und Naturgewalt erleben könnt. Vergesst nicht, die lokale Spezialität Jumbo Mochi zu probieren, die am Eingang verkauft wird – ein großartiger und süßer Abschluss Eures Besuchs in diesem historischen Juwel.

Eine Landschaft mit ordentlich beschnittenen Bäumen im Vordergrund, die an Sengan-en-Gärten erinnert, und einem großen, wolkenbedeckten Berg, der sich im Hintergrund unter einem strahlend blauen Himmel erhebt.

Der Chiran Samurai-Distrikt: Eine Zeitreise in die Edo-Zeit

Während viele japanische Städte ihre historischen Viertel durch Kriege oder Modernisierung verloren haben, bietet Euch der Chiran Samurai-Distrikt eine unglaublich gut erhaltene Momentaufnahme der Edo-Zeit (1603–1868). Etwas südlich der Stadt Kagoshima gelegen, fühlt sich ein Besuch hier wie eine echte Zeitreise an.

Chiran war einst eine wichtige, strategisch gelegene Stadt des Satsuma-Han. Heute ist die Hauptattraktion die Samurai-Straße (Bukeyashiki), eine wunderschön gepflasterte Straße, die von Steinmauern und gepflegten Hecken gesäumt ist. Hinter diesen Mauern liegen insgesamt sieben private Samurai-Gärten, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Was mir an Chiran so gut gefällt, ist die authentische und intime Atmosphäre. Im Gegensatz zu manchen überlaufenen historischen Vierteln in anderen Städten ist Chiran ruhig und man kann die historischen Details in aller Stille auf sich wirken lassen. Die Gärten selbst sind relativ klein, aber jeder von ihnen ist einzigartig gestaltet – von trockenen Karesansui-Steingärten bis hin zu kleinen Teichgärten mit üppigen Bäumen und Moos. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Samurai, trotz ihres oft brutalen und disziplinierten Lebensstils, eine solche Wertschätzung für die Schönheit und die Philosophie ihrer Gärten pflegten.

Einige der Häuser, die an die Gärten angrenzen, sind im traditionellen Stil erhalten geblieben, sodass Ihr einen Eindruck davon bekommt, wie die Samurai und ihre Familien tatsächlich lebten. Ich empfehle Euch, Euch Zeit zu nehmen und mit den wenigen Einheimischen ins Gespräch zu kommen, die noch in diesem historischen Viertel leben. Oft bieten sie kleine Einblicke in die Geschichten und Legenden der ehemaligen Bewohner.

Achtung: Chiran ist auch bekannt für seine Verbindung zur tragischen Geschichte des Zweiten Weltkriegs, da sich in der Nähe ein Luftwaffenstützpunkt befand. Der Besuch des Chiran Peace Museum for Kamikaze Pilots ist ein ernüchterndes, aber wichtiges Erlebnis, das die Geschichte der jungen Piloten, die von hier aus ihre letzten Flüge unternahmen, dokumentiert. Dieser Kontrast – die friedliche Samurai-Gasse und das berührende Museum – macht Chiran zu einem Ort von tiefgründiger historischer Bedeutung.

Ein traditionelles japanisches Haus in Kagoshima mit Holzverkleidung und Papierschiebetüren blickt auf einen ruhigen Garten mit ordentlich getrimmten Büschen, blühenden Pflanzen und gepflegten Bäumen unter einem klaren blauen Himmel.

Photograph provided by Kagoshima Prefecture Visitors Bureau

Abenteuer und Naturerlebnis: Kirishima-Kinkōwan-Nationalpark

Wenn Ihr leidenschaftliche Wanderer oder Naturliebhaber seid, dann wird Euch der Kirishima-Kinkōwan-Nationalpark begeistern, der sich über zwei Hauptgebiete erstreckt: die Kirishima-Region im Norden und die Kinkō-Bucht (inklusive Sakurajima) im Süden.

Die Kirishima-Region ist ein Hochlandgebiet, das eine Kette von über 20 vulkanischen Gipfeln und zahlreichen Kraterseen beherbergt. Es ist ein wahres Paradies zum Wandern. Ich persönlich habe die Wanderung zum Mount Karakuni genossen, dem höchsten Berg Kirishimas. Von dort aus hat man einen atemberaubenden Blick auf den türkisfarbenen Kratersee Lake Ōnami und die umliegende Berglandschaft. Die vulkanische Aktivität der Region hat zu einer reichen Fülle von Onsen (heißen Quellen) geführt, sodass Ihr nach einem anstrengenden Wandertag Eure Muskeln in einem der vielen, oft rustikalen, Thermalbäder entspannen könnt – ein unschlagbares Gefühl der Erholung.

Neben der beeindruckenden Bergwelt bietet der Nationalpark auch wunderschöne Wälder und eine einzigartige Flora. Im Frühling ist das Gebiet bekannt für seine blühenden Azaleen, während der Herbst die Berge in leuchtenden Farben erstrahlen lässt.

Das südliche Gebiet des Parks umfasst die Kinkō-Bucht, in deren Zentrum der Sakurajima liegt. Die Buchtküste bietet zahlreiche malerische Aussichtspunkte und kleine, verschlafene Fischerdörfer. Wer das Meer liebt, kann hier Bootstouren unternehmen, um die Küste des Vulkans aus einer anderen Perspektive zu sehen und vielleicht sogar Delfine zu beobachten.

Der Park ist ein perfektes Beispiel für die untrennbare Verbindung von Vulkanismus und Leben in Kagoshima. Er bietet Euch die Möglichkeit, die dramatische Geologie der Region hautnah zu erleben, von den dampfenden Fumarolen und heißen Quellen bis hin zu den tiefblauen Seen, die in alten Kratern entstanden sind. Packt Eure Wanderschuhe ein – hier wartet das echte Naturabenteuer auf Euch!

Ein bunter Blumengarten mit weißen und rosafarbenen Blüten im Vordergrund, ein kleiner rot-gelber Zug auf den Gleisen und grüne Hügel mit einem weißen Gebäude unter einem klaren blauen Himmel erinnern an die reizvollen Landschaften von Kagoshima.

Photograph provided by Kagoshima Prefecture Visitors Bureau

Traditionelles Handwerk: Satsuma Kiriko Glaswaren

Für diejenigen unter Euch, die ein Faible für Kunsthandwerk und exklusive Souvenirs haben, bietet Kagoshima eine einzigartige und schillernde Spezialität: Satsuma Kiriko. Dies sind farbenprächtige, geschliffene Glaswaren, die als eines der prächtigsten traditionellen Handwerke Japans gelten. (Hier könnt Ihr eine informative Tour buchen*)

Die Geschichte von Satsuma Kiriko ist eng mit der des Shimazu-Clans verbunden. Die Produktion begann Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Daimyō Shimazu Nariakira, der stark an westlicher Technologie und Handwerkskunst interessiert war. Das Besondere an Satsuma Kiriko ist die doppelschichtige Struktur. Die Glaswaren bestehen aus einem Kern aus klarem Glas, der mit einer äußeren Schicht aus farbigem Glas (oft Rot, Blau oder Grün) überzogen wird.

Der eigentliche Zauber entsteht beim Schleifen. Im Gegensatz zu anderen geschliffenen Gläsern wird das Satsuma Kiriko nicht bis zur klaren Schicht geschliffen. Stattdessen wird die äußere Farbschicht nur leicht abgetragen, wodurch ein wunderschöner Farbverlauf und eine einzigartige Tiefe entstehen, die das Licht auf unvergleichliche Weise einfängt. Ich finde, die Stücke sehen aus, als würden sie von innen leuchten.

Die Produktion kam durch den Sturz des Shogunats und interne Konflikte in der Meiji-Ära fast zum Erliegen, doch in den 1980er Jahren wurde die Technik erfolgreich wiederbelebt. Heute könnt Ihr die wunderschönen Stücke im Satsuma Glass Crafts Center im Sengan-en-Komplex besichtigen und natürlich auch erwerben. Hier könnt Ihr den Handwerkern bei ihrer filigranen Arbeit zusehen und verstehen, wie viel Präzision und Geduld in jedem einzelnen Glas liegt.

Ein echtes Satsuma Kiriko-Stück ist zwar nicht billig, aber es ist ein unvergleichliches Andenken an Eure Reise, das nicht nur die Kunstfertigkeit Kagoshimas, sondern auch die industrielle Innovationskraft des alten Satsuma-Clans widerspiegelt. Selbst wenn Ihr nichts kauft, ist die Besichtigung der leuchtenden Ausstellung ein kulturelles Highlight.

Zwei verschnörkelte Kristallgläser, eines groß und rot mit Deckel, das andere kleiner und blau, beide mit komplizierten geometrischen Mustern, die von der Handwerkskunst in Kagoshima inspiriert sind. Unscharfer architektonischer Hintergrund in weichem Licht.

Photograph provided by Kagoshima Prefecture Visitors Bureau

Die Freundlichkeit und Gelassenheit der Einheimischen

Der letzte Grund ist vielleicht der wichtigste, da er Euer gesamtes Reiseerlebnis in Kagoshima prägen wird: die außergewöhnliche Freundlichkeit, Herzlichkeit und Gelassenheit der Einheimischen (Satsuma-Büschel).

Die Menschen in Kagoshima, oft als Satsuma-jin bezeichnet, haben einen Ruf für ihre Entschlossenheit und ihren Stolz, aber auch für ihre tiefe Offenheit und Wärme. Im Vergleich zu den geschäftigeren Metropolen Japans empfand ich das Tempo in Kagoshima als deutlich entspannter und die Atmosphäre als unglaublich einladend. Man spürt hier eine gewisse Bodenständigkeit, die aus dem engen Zusammenleben mit dem Vulkan und der Natur resultiert. Es ist eine Kultur, die sich durch ihre Robustheit und zugleich ihre Herzlichkeit auszeichnet.

Oftmals wurde ich in kleinen Restaurants oder auf Märkten in ein Gespräch verwickelt, auch wenn die Sprachbarriere vorhanden war. Die Menschen hier sind stolz auf ihre Heimat und teilen gerne Tipps und Empfehlungen, abseits der ausgetretenen Pfade. Die lokale Gastfreundschaft, besonders in den Izakayas (traditionelle Kneipen), ist legendär. Hier werdet Ihr oft mit dem lokalen Shōchū willkommen geheißen und könnt in entspannter Umgebung die lokale Küche genießen.

Diese allgemeine Gelassenheit spiegelt sich auch im öffentlichen Leben wider. Die Stadt Kagoshima ist entspannt und leicht zu navigieren, oft auf einer Ebene mit der Natur. Die Fähre zum Sakurajima fährt 24/7, was ein Symbol für die praktische und unkomplizierte Art der Menschen ist. Ich möchte Euch ermutigen, nicht nur die Sehenswürdigkeiten zu besuchen, sondern auch mit den Menschen in Kontakt zu treten. Fragt sie nach ihren Lieblingsorten, probiert ihre lokalen Spezialitäten und lasst Euch von ihrem entspannten Lebensstil anstecken. Die Menschlichkeit der Kagoshima-Bevölkerung ist der Funke, der diese Präfektur zu einem so warmen und unvergesslichen Ort macht.

Zwei junge Frauen lächeln und lachen zusammen, während sie an einer hölzernen Theke im Freien in Kagoshima stehen, möglicherweise in einem kleinen Laden oder an einem Essensstand. Die eine Frau greift nach den ausgestellten Waren.

Photograph provided by Kagoshima Convention & Visitors Bureau

Fazit – Ein Besuch in Kagoshima lohnt sich auf jeden Fall

Wie Ihr seht, ist die Präfektur Kagoshima weit mehr als nur ein wunderschöner Vulkan im Süden Japans. Es ist eine Region, die eine seltene und fesselnde Kombination aus geologischer Dramatik, historischer Tiefe (der Wiege der Moderne!), kulinarischem Hochgenuss und subtropischem Inselglück bietet.

Ob Ihr Euch in den therapeutischen Sandbädern von Ibusuki entspannt, die Spuren der letzten Samurai in Chiran verfolgt, die spektakuläre Landschaft von Sengan-en bewundert oder einfach nur ein Stück zartes Kurobuta mit einem Glas Shōchū genießt – Kagoshima wird Euch mit unvergesslichen Momenten beschenken.

Mein Rat an Euch: Plant Eure Reise nach Kagoshima. Es ist ein Ort, der Euch mit seiner Schönheit überraschen und mit der Wärme seiner Menschen berühren wird.

Ein hell erleuchtetes Riesenrad leuchtet nachts auf einem modernen Einkaufszentrum in Kagoshima. Bunte Lichter erhellen die Struktur - perfekt für alle, die ein Hotel in Kagoshima mit einem lebhaften Stadtbild im dunklen Hintergrund suchen.

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