Der Honganji Kagoshima Betsuin – Das goldene Herz von Satsuma

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Ein traditionelles japanisches Tempeltor mit einem Ziegeldach und Holzpfeilern steht zwischen zwei Steinlaternen am Honganji Kagoshima Betsuin. Zwei orangefarbene Verkehrskegel und eine Schranke markieren den Eingang des Satsuma-Tempels, der von Gebäuden und Bäumen umgeben ist.

Ein Besuch im Honganji Kagoshima Betsuin in Kagoshima ist weit mehr als nur ein kurzer Stopp auf einer Sightseeing-Liste. Es ist das Eintauchen in eine Welt, die von tiefer Spiritualität, einer dramatischen Geschichte des Widerstands und einer beeindruckenden architektonischen Pracht geprägt ist. Wenn ihr euch in den Süden Japans, nach Kagoshima, begebt, werdet ihr feststellen, dass dieser Tempel das emotionale und religiöse Herz der Stadt bildet.

In diesem Blogbeitrag erfahrt ihr alles, was ihr über diesen besonderen Ort wissen müsst – von den goldenen Hallen bis hin zu den geheimen Geschichten der Gläubigen, die ihren Glauben einst im Untergrund bewahren mussten.

Das Tor zum Reinen Land im Süden

Kagoshima wird oft als das „Neapel Japans“ bezeichnet, was vor allem an der malerischen Lage an der Bucht und dem alles überragenden Vulkan Sakurajima liegt. Doch inmitten des geschäftigen Treibens der Stadt findet ihr einen Ort der absoluten Stille und Beständigkeit: den Honganji Kagoshima Betsuin.

Dieser Tempel gehört zur Jodo-Shinshu (Wahre Schule des Reinen Landes), der am weitesten verbreiteten buddhistischen Schule in Japan. Das Wort „Betsuin“ signalisiert euch dabei, dass es sich um einen direkten Zweigtempel des Nishi Honganji in Kyoto handelt. Für die Menschen in Kagoshima ist dieser Ort jedoch weit mehr als nur eine „Zweigstelle“. Er ist ein Symbol für Freiheit und Identität.

Die dramatische Geschichte des Honganji Kagoshima Betsuin: Glauben gegen das Gesetz

Bevor ihr die prachtvollen Hallen betretet, müsst ihr die düstere und zugleich faszinierende Geschichte kennen, die diesen Ort so bedeutsam macht. Nur so werdet ihr die tiefe Verehrung verstehen, die die Einheimischen diesem Tempel entgegenbringen.

Das Verbot der Jodo-Shinshu (1597–1876)

In den meisten Teilen Japans florierte der Buddhismus über Jahrhunderte. Doch im mächtigen Satsuma-Lehen (dem heutigen Kagoshima) war die Lage anders. Über einen Zeitraum von fast 300 Jahren war die Jodo-Shinshu-Lehre unter den Shimazu-Lords strengstens verboten.

Die Gründe waren politisch: Die Herrscher fürchteten die starke Loyalität der Gläubigen gegenüber ihrer religiösen Organisation, die sie als Bedrohung für ihre eigene Macht ansahen. Wer beim Praktizieren erwischt wurde, dem drohten drakonische Strafen, bis hin zur Hinrichtung.

Kakure Nenbutsu: Die geheimen Gläubigen

Was macht man, wenn der eigene Glaube verboten ist? Man versteckt ihn. Ihr werdet in der Region oft auf den Begriff Kakure Nenbutsu stoßen. Die Gläubigen trafen sich heimlich in Höhlen oder privaten Häusern. Sie entwickelten komplexe Systeme, um ihre Altäre zu tarnen – oft sahen diese von außen wie einfache Vorratsschränke aus.

Erst im Jahr 1876 wurde das Verbot aufgehoben. Der Bau des Honganji Kagoshima Betsuin war somit ein Akt der Befreiung. Wenn ihr heute durch die Hallen schreitet, wandelt ihr auf dem Boden, für den Generationen von Menschen ihr Leben riskiert haben.

Ein großer Ausschnitt einer Zeichentrickfigur mit rundem weißen Gesicht, die ein braunes Honganji-Kostüm und einen Hut trägt, steht neben einer Glastür. Japanischer Text auf einem Schild heißt die Besucher willkommen. Draußen sind städtische Gebäude zu sehen.

Die Architektur: Eine Festung des Friedens

Das Haupttor (Sanmon)

Euer Besuch beginnt am imposanten Eingangstor. Achtet hier auf die feinen Holzschnitzereien. In der japanischen Tempelarchitektur markiert das Tor die Grenze zwischen der profanen Welt und dem heiligen Bereich. Wenn ihr hindurchgeht, werdet ihr merken, wie der Lärm der Stadt Kagoshima langsam in den Hintergrund tritt.

Die Fassade der Haupthalle (Hondo)

Die Haupthalle wurde nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und durch frühere Brände in einer modernen, aber traditionsbewussten Bauweise rekonstruiert. Da Kagoshima eine Stadt ist, die regelmäßig mit vulkanischer Asche des Sakurajima bedeckt wird, ist das Design so gewählt, dass es den Elementen trotzen kann. Die grauen Fliesen und die massiven Säulen strahlen eine unerschütterliche Ruhe aus.

Das Naijin (Der innere Altarraum)

Im Zentrum eurer Aufmerksamkeit wird das Naijin stehen – der Bereich des Altars. In der Jodo-Shinshu wird dieser Bereich so prachtvoll wie möglich gestaltet, da er eine Darstellung des „Reinen Landes“ (Sukhāvatī) ist.

  • Gold als Lichtsymbol: Fast alles hier ist mit Blattgold überzogen. Das Gold dient nicht der Zurschaustellung von Reichtum, sondern symbolisiert das unendliche Licht von Amida Buddha, das alle Wesen ohne Ausnahme erreicht.
  • Amida Buddha: In der Mitte thront die Statue von Amida Buddha. Achtet auf die Handhaltung (Mudra): Sie signalisiert Gewährung von Schutz und Willkommensgruß.
  • Schnitzereien und Malerei: Wenn ihr den Blick hebt, seht ihr an den Decken und Wänden komplexe Darstellungen von Lotosblüten, Vögeln des Paradieses und himmlischen Musikern. Jedes Detail hat eine Bedeutung und soll euch ein Gefühl von Frieden und Harmonie vermitteln.

Der Honganji Kagoshima Betsuin Tempel

Die Rolle des Sakurajima: Leben mit dem Vulkan

Wenn ihr euch auf dem Tempelgelände umschaut, wird euch vielleicht auffallen, wie sauber alles ist. Das ist in Kagoshima Schwerstarbeit! Der Sakurajima bricht fast täglich aus und schickt graue Asche über die Stadt.

Für den Tempel bedeutet das eine ständige logistische Herausforderung. Die Asche muss von den Dächern und aus den feinen Schnitzereien entfernt werden, da sie sonst das Material angreifen könnte. Ihr werdet oft Mönche oder freiwillige Helfer sehen, die mit Besen bewaffnet sind. Diese tägliche Arbeit wird im Buddhismus oft als eine Form der Meditation gesehen – das ständige Reinigen des Geistes von „Schmutz“ und Trübung.

Ein japanisches Schild in Kagoshima zeigt die Abbildung eines Vulkans, der Asche ausstößt. Es weist auf eine ausgewiesene Asche-Entsorgungsstelle mit Anweisungen auf Japanisch hin und ist an einem Pfosten neben einer Steinmauer und einem Gehweg angebracht.

Die Jodo-Shinshu-Lehre: Der „Leichte Weg“

Um die Rituale im Tempel zu verstehen, ist es hilfreich, die grundlegende Philosophie der Jodo-Shinshu zu kennen. Sie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von anderen buddhistischen Richtungen wie dem Zen oder dem Shingon.

Tariki – Die Kraft des Anderen

Im Gegensatz zum Zen-Buddhismus, der auf Jiriki (Eigenkraft durch harte Meditation) setzt, lehrt die Jodo-Shinshu Tariki (Fremdkraft). Es ist die Überzeugung, dass wir als begrenzte Wesen die Erleuchtung nicht allein durch eigene Anstrengung erreichen können. Stattdessen vertrauen die Gläubigen auf das Gelübde von Amida Buddha, alle Wesen zu retten.

Das Nenbutsu

Die zentrale Praxis ist das Rezitieren des Namens: “Namu Amida Butsu”. Dies ist kein Bittgebet, sondern ein Ausdruck der Dankbarkeit. Wenn ihr die Gläubigen im Tempel murmeln hört, seid ihr Zeugen dieser tiefen, einfachen Hingabe.

Aspekt Jodo-Shinshu (Honganji) Andere Schulen (z.B. Zen)
Fokus Vertrauen und Dankbarkeit Disziplin und Meditation
Weg Der “Leichte Weg” (Laien-orientiert) Der “Schwere Weg” (Mönchs-orientiert)
Ziel Geburt im Reinen Land Erlangung der Leere/Satori im Hier

Der Honganji Kagoshima Betsuin Tempel

Das Hoon-ko Fest: Der Höhepunkt des Tempeljahres

Wenn ihr euren Besuch plant, solltet ihr versuchen, während des Hoon-ko vor Ort zu sein. Dies ist das wichtigste Fest der Jodo-Shinshu und erinnert an den Todestag des Gründers Shinran Shonin.

Bedeutung und Ablauf

Das Hoon-ko ist eine Zeit der tiefen Reflexion und Gemeinschaft. In Kagoshima wird dieses Fest besonders prachtvoll gefeiert, oft über mehrere Tage hinweg.

  • Rituelle Gesänge: Die Mönche tragen feierliche Gewänder und praktizieren komplexe Chants (Shomyo), die zu den ältesten Musiktraditionen Japans gehören.
  • Gagaku-Musik: Oft wird die Zeremonie von traditioneller Hofmusik begleitet, die eine fast überirdische Atmosphäre schafft.
  • Otoki-Essen: Ein wichtiger Bestandteil ist das gemeinsame Essen einfacher, vegetarischer Speisen (Shojin Ryori), das die Gleichheit aller Gläubigen symbolisiert.

Praktische Informationen für euren Besuch

Damit euer Ausflug zum Honganji Kagoshima Betsuin reibungslos verläuft, hier die wichtigsten Eckdaten für eure Planung:

Lage und Erreichbarkeit

Der Tempel liegt sehr zentral im Viertel Tenmonkan, dem Herz von Kagoshima.

  • Mit der Straßenbahn: Nehmt die Linie 1 oder 2 und steigt an der Haltestelle „Izuro-dori“ aus. Von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß.
  • Zu Fuß: Wenn ihr im Stadtzentrum seid, könnt ihr den Besuch ideal mit einem Stadtbummel verbinden.

Etikette: Was ihr beachten solltet

Japanische Tempel sind heilige Orte, aber sie sind auch sehr gastfreundlich. Beachtet einfach folgende Punkte:

  1. Schuhe aus: In der Haupthalle ist dies obligatorisch. Es stehen meist Regale bereit. Achtet darauf, dass eure Socken keine Löcher haben!
  2. Ruhe: Unterhaltet euch in gedämpfter Lautstärke.
  3. Fotos: In den Außenbereichen ist Fotografieren meist kein Problem. In der Haupthalle solltet ihr auf Schilder achten. Oft ist das Fotografieren des Altars direkt nicht erwünscht, um die sakrale Atmosphäre zu wahren.

Ein traditionelles japanisches Gebäude mit abgestuften, schrägen Ziegeldächern und einem pagodenartigen Turm, der an einen Honganji-Tempel erinnert, steht an einer sonnigen Straßenecke. Eine Person geht auf dem Gehweg, und im Vordergrund sind Verkehrsschilder zu sehen.

Warum dieser Ort euch verändern wird

Nachdem ihr den Honganji Kagoshima Betsuin verlassen habt, werdet ihr Kagoshima mit anderen Augen sehen. Ihr werdet die Stadt nicht mehr nur als modernen Ort am Vulkan wahrnehmen, sondern als einen Ort mit einer tiefen, fast trotzigen spirituellen Wurzel.

Dieser Tempel lehrt euch etwas über Resilienz. So wie er nach Bränden und Kriegen immer wieder aufgebaut wurde, so haben auch die Menschen hier ihren Glauben über Jahrhunderte bewahrt. Es ist ein Ort, der euch zeigt, dass Schönheit und Pracht oft aus dem Leid und der Unterdrückung geboren werden.

Zusammenfassung des Wissenswerten

Falls Ihr Euch nur die wichtigsten Fakten merken wollt, hier eine kurze Übersicht:

  • Zugehörigkeit: Jodo-Shinshu (Nishi Honganji-Zweig).
  • Besonderheit: Zentrum des ehemaligen „versteckten Glaubens“ (Kakure Nenbutsu) in Kagoshima.
  • Architektur: Beeindruckendes goldenes Inneres (Naijin), das das Reine Land darstellt.
  • Vulkan-Bezug: Enge Verbindung zum Leben mit der Asche des Sakurajima.
  • Eintritt: Frei (Spenden sind aber willkommen).

Der Honganji Kagoshima Betsuin ist ein Juwel im Süden Japans. Er bietet euch die Möglichkeit, kurz innezuhalten, die hektische Welt zu vergessen und in eine Geschichte einzutauchen, die so golden glänzt wie sein Altar. Wenn ihr in Kagoshima seid, lasst euch diesen Ort nicht entgehen – eure Seele wird es euch danken.

Warum der Weg sich lohnt

Der Honganji Kagoshima Betsuin ist mehr als nur ein schönes Gebäude. Er ist eine lebendige Brücke in die Vergangenheit und ein Ort, der euch lehrt, wie kostbar Freiheit ist. Die Kombination aus der dramatischen Geschichte der „versteckten Christen“ des Buddhismus, der überwältigenden goldenen Ästhetik und der ständigen Präsenz des Sakurajima macht ihn zu einem der authentischsten Erlebnisse in ganz Südjapan.

Hier findet ihr keine Touristenmassen wie in Kyoto, sondern eine tiefe, ehrliche Spiritualität, die tief in der schwarzen Erde von Kagoshima verwurzelt ist. Wenn ihr den Tempel verlasst, werdet ihr nicht nur beeindruckende Bilder im Kopf haben, sondern auch ein tieferes Verständnis für die japanische Seele und ihren unerschütterlichen Glauben.

Ein traditionelles Honganji-Tempeltor steht vor einem modernen Gebäude. Ordentlich gestutzte Bäume und geparkte Autos säumen den Steinweg, der zum Eingang führt.
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