Taifune in Japan: Keine Panik! Der Sicherheits-Guide für Reisende

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Eine Person mit einem Regenschirm steht mitten auf dem Gehweg in einer verregneten Stadtstraße in Taifune, Japan, umgeben von anderen Reisenden. Helle Schaufenster und Leuchtreklamen erhellen das nasse Pflaster, während im Hintergrund Autos und Züge fahren.

Ein heftiger Wind rüttelt an den dreifach verglasten Fenstern des Hotelzimmers in Tokio, während der Regen in fast waagerechten Fontänen gegen die Scheibe peitscht. Draußen auf den Straßen, die sonst von Menschenmassen wimmeln, ist kein Mensch zu sehen. Die sonst so pünktlichen Shinkansen-Züge stehen still, und die Anzeigetafeln an den Flughäfen leuchten rot von Streichungen. Wer das zum ersten Mal erlebt, bekommt schnell Angst. Doch ich kann euch beruhigen: Japan ist eines der am besten auf Naturkatastrophen vorbereiteten Länder der Welt.

Wenn ihr eure Reise in die Sommermonate oder den Herbst legt, ist das Thema Taifune allgegenwärtig. Mit der richtigen Vorbereitung und der nötigen Ruhe verliert der Sturm schnell seinen Schrecken. In diesem Beitrag erkläre ich euch genau, was ein Taifun ist, wann die Hauptsaison liegt, wie die Infrastruktur reagiert und mit welchen konkreten Verhaltensregeln ihr absolut sicher bleibt.

Was gibt es hier zu entdecken?

Was ist ein Taifun und wie entsteht er?

Im Grunde genommen handelt es sich bei einem Taifun um genau dasselbe Phänomen wie bei einem Hurrikan im Atlantik oder einem Zyklon im Indischen Ozean: einen tropischen Wirbelsturm. Der einzige Unterschied liegt im Entstehungsort. Sobald ein solcher Sturm im nordwestlichen Pazifik (westlich der Datumslinie) entsteht und anhaltende Windgeschwindigkeiten von mindestens 119 Kilometern pro Stunde erreicht, wird er offiziell als Taifun bezeichnet. In Japan nennt man sie schlicht Taifu (台風).

Die Stürme entstehen über dem warmen Meerwasser der Tropen. Die feucht-warme Luft steigt nach oben, kondensiert und bildet riesige Wolkenberge. Durch die Erdrotation beginnt sich das System zu drehen. Im Zentrum entsteht das berühmte, windstille “Auge”, um das herum die höchsten Windgeschwindigkeiten und die heftigsten Regenfälle toben. Wenn ein solcher Wirbelsturm Kurs auf die japanischen Hauptinseln nimmt, verliert er durch das kühlere Wasser und den Widerstand des Festlandes meist schnell an Kraft – bringt aber dennoch enorme Mengen Wasser und heftige Böen mit sich.

Ein Satellitenbild zeigt einen großen, wirbelnden Hurrikan über dem Ozean, dessen Auge deutlich zu sehen ist und dessen Wolkenbänder sich bis zur nahen Küste und den Inseln erstrecken - ein wichtiger Hinweis für Reisende, die während Taifune in Japan einen Sicherheitsführer konsultieren.

© Depositphotos

Wann ist Taifun-Saison in Japan?

Die offizielle Taifun-Saison erstreckt sich von Mai bis Oktober. Das bedeutet jedoch nicht, dass in dieser gesamten Zeit ununterbrochen Stürme wüten. Die absolute Hochphase konzentriert sich auf die Monate August und September.

Statistisch gesehen entstehen pro Jahr etwa 20 bis 30 tropische Wirbelstürme im Pazifik. Der Großteil davon dreht jedoch ab, zieht am Archipel vorbei oder schwächt sich weit vor der Küste ab. Nur etwa drei bis fünf Taifune treffen pro Jahr tatsächlich direkt auf das japanische Festland (sogenannter Landfall).

Regionale Unterschiede im Überblick

Nicht jede Region in Japan ist gleichermaßen gefährdet. Je weiter südlich und östlich eine Region liegt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Taifun spürbare Auswirkungen hat.

  • Okinawa und die südlichen Inseln: Sie liegen direkt in der Einflugschneise. Hier können Taifune bereits ab Juni und bis weit in den Oktober hinein mit voller Wucht aufschlagen. Da die Stürme hier noch über sehr warmem Wasser川 liegen, sind sie oft besonders intensiv.
  • Kyushu und Shikoku: Die beiden südlichen Hauptinseln werden ebenfalls recht häufig getroffen. Die bergige Topografie führt hier oft zu heftigen Stauregenfällen.
  • Honshu (Tokio, Kyoto, Osaka, Hiroshima): Bis die Stürme die Zentralregionen erreichen, haben sie sich meistens schon deutlich abgeschwächt. Dennoch bringen sie oft einen Tag lang extremen Starkregen und Sturmböen, die den Nah- und Fernverkehr lahmlegen.
  • Hokkaido und Tohoku (Norden): Der kühle Norden bleibt von den schweren Auswirkungen meist verschont. Wenn ein Taifun so weit nördlich zieht, ist er meist schon zu einem normalen Tiefdruckgebiet herabgestuft worden.

Die Gefahren: Es ist nicht nur der Wind

Wenn wir an Wirbelstürme denken, haben wir meistens abgedeckte Dächer und herumfliegende Gegenstände vor Augen. Der extreme Wind ist zweifellos gefährlich, aber die weitaus größere Gefahr in Japan geht vom Wasser aus. Japan ist ein sehr bergiges Land mit unzähligen kurzen, steilen Flüssen. Wenn ein Taifun innerhalb weniger Stunden mehrere Hundert Millimeter Regen ablädt, führt das zu zwei Hauptproblemen:

  1. Überschwemmungen (Floodings): Die Kanalisation in den Städten und die Flussbetten können die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Besonders tiefergelegene Stadtteile oder Unterführungen laufen blitzschnell voll.
  2. Erdrutsche (Mudslides): Die steilen Berghänge saugen sich voll wie ein Schwamm. Wird das Erdreich zu schwer, rutschen ganze Hänge ab. Das ist besonders in ländlichen Regionen und entlang von Bergstraßen oder Wanderwegen lebensgefährlich.

An den Küsten kommt zudem die Gefahr von Sturmfluten und extremem Wellengang hinzu. Das Meerwasser wird durch den niedrigen Luftdruck und den Wind regelrecht aufgepeitscht und weit ins Landesinnere gedrückt.

Wasser sprudelt aus einem Gully auf der Straße, umgeben von orangefarbenen Verkehrskegeln und Absperrungen - eine Szene, die verdeutlicht, warum ein Sicherheits-Guide für Reisende bei regnerischem Wetter oder Taifune in Japans Straßen unerlässlich ist.

© Depositphotos

Das japanische Frühwarnsystem: Perfektion im Ernstfall

Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie präzise und digitalisiert das Warnsystem in Japan funktioniert. Die Japan Meteorological Agency (JMA) überwacht das Wetter rund um die Uhr. Taifune werden im Gegensatz zu Erdbeben Tage im Voraus (oft auch auf Social Media) angekündigt. Ihr könnt auf den Wetterkarten genau sehen, welchen Weg der Sturm voraussichtlich nehmen wird. Die JMA nutzt ein dreistufiges Warnsystem, das über das Fernsehen, das Radio, über Lautsprecheranlagen auf den Straßen und direkt auf die Smartphones der Bevölkerung übertragen wird.

Die Warnstufen der JMA

Warnstufe (Englisch / Japanisch) Bedeutung für euch Empfohlenes Verhalten
Advisory (Chuiho / 注意報) Aufmerksamkeit erforderlich. Erste Wetterverschlechterungen kündigen sich an. Pläne im Auge behalten, Wetterbericht verfolgen.
Warning (Keiho / 警報) Hohe Gefahr von Schäden, schweren Überschwemmungen oder Verletzungen. Aktivitäten im Freien abbrechen, Unterkunft aufsuchen.
Emergency Warning (Tokubetsu Keiho / 特別警報) Lebensgefahr! Eine Katastrophe historischen Ausmaßes steht unmittelbar bevor. Sofortige Schutzmaßnahmen ergreifen, Evakuierungsbefehle befolgen.

Zusätzlich gibt es ein fünfstufiges Evakuierungssystem. Wenn die Behörden die Stufe 3 ausrufen, sollten ältere oder mobilitätseingeschränkte Personen Schutz suchen. Bei Stufe 4 gilt eine allgemeine Evakuierungsaufforderung (Evacuation Order) für die betroffenen Gebiete. Spätestens dann müsst ihr handeln, wenn eure Unterkunft in einer gefährdeten Zone (z. B. in Flussnähe) liegt.

Wenn Ihr in einem Hotel übernachten, folgt immer den Anweisungen des Hotel-Personal. Diese sind geschult und wissen, was im Ernstfall zu tun ist. So bleibt Ihr in Sicherheit.

 

 
 
 
 
 
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Auswirkungen auf eure Reiseplanung: Wenn nichts mehr geht

Ein Taifun kündigt sich meist zwei bis drei Tage vorher an, trifft die Region für etwa 12 bis 24 Stunden mit voller Wucht und zieht dann schnell wieder ab. Das größte Problem für Touristen ist in dieser Zeit nicht die körperliche Gefahr, sondern der komplette Stillstand der Infrastruktur. Die japanischen Betreiber gehen kein Risiko ein. Sobald Windgeschwindigkeiten oder Regenmengen bestimmte Grenzwerte überschreiten, wird der Betrieb vorsorglich eingestellt (Planned Suspensions).

Shinkansen und Züge

Die Hochgeschwindigkeitszüge Shinkansen reagieren empfindlich auf Starkregen und Wind. Es kommt extrem häufig vor, dass die Verbindungen zwischen Tokio und Osaka (Tokaido-Shinkansen) bei einem herannahenden Taifun für einen halben oder ganzen Tag komplett eingestellt werden. Auch der lokale Bahnverkehr in den Städten wird stark ausgedünnt oder eingestellt, da umgestürzte Bäume oder Gegenstände auf den Oberleitungen landen könnten.

Flugverkehr

Die Flughäfen Haneda und Narita in Tokio sowie der Kansai Airport in Osaka streichen bei einem direkten Treffer hunderte Flüge. Besonders der Kansai Airport ist gefährdet, da er auf einer künstlichen Insel im Meer liegt und die Zufahrtsbrücke bei starkem Wind gesperrt werden muss.

Sehenswürdigkeiten und Geschäfte

Schreine, Tempel, Burgen und Parks werden geschlossen, um Besucher vor herabstürzenden Ästen oder Ziegeln zu schützen. Auch Kaufhäuser, Museen, Vergnügungsparks wie das Tokyo DisneyResort oder die Universal Studios in Osaka und sogar die meisten Convenience Stores (Konbinis) schließen vorübergehend ihre Türen, damit die Mitarbeiter sicher nach Hause kommen können.

Palmen biegen sich bei starkem Wind während eines Sturms in einem Wohngebiet, der Himmel ist wolkenverhangen und es regnet in Strömen - eine Szene, die Reisende während Taifune Japan erleben könnten. Ein Sicherheits-Guide ist bei solchen Unwettern unerlässlich.

© Depositphotos

Wichtige Apps und Webseiten für den Ernstfall

Damit ihr im Fall der Fälle nicht orientierungslos seid, solltet ihr euch schon vor der Reise oder spätestens beim ersten Aufziehen von schlechtem Wetter die wichtigsten Apps auf das Smartphone laden. Da fast alle modernen Smartphones mit den japanischen Notfall-Warnungen kompatibel sind, werdet ihr bei akuter Gefahr ohnehin ein lautes, schrilles Alarmsignal auf eurem Display sehen – selbst wenn das Telefon auf lautlos gestellt ist.

  • Safety Tips (App): Diese App (Android | iPhone) wurde von der japanischen Tourismusbehörde speziell für ausländische Reisende entwickelt. Sie sendet Push-Benachrichtigungen bei Taifun-Warnungen, Erdbeben und Tsunamis in englischer Sprache (und vielen weiteren Sprachen). Sie enthält auch Checklisten und wichtige Phrasen für den Notfall.
  • NERV Disaster Prevention (App): Ursprünglich von der Anime-Serie Neon Genesis Evangelion inspiriert, ist diese App (Android | iPhone) mittlerweile eine der professionellsten und schnellsten Informationsquellen für Wetterwarnungen, Evakuierungshinweise und Transportausfälle in Japan.
  • Japan Travel by NAVITIME (App): Diese App (Android | iPhone) ist perfekt, um während eines Taifuns zu prüfen, welche Zuglinien noch fahren und welche Strecken aktuell gesperrt sind.
  • NHK World-Japan: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk Japans bietet eine englischsprachige App (Android | iPhone) und Website mit Live-Tickern bei großen Unwettern. Wenn der Fernseher im Hotel läuft, schaltet auf NHK – dort laufen die Warnungen in Echtzeit als Lauftext durch das Bild.

Eine Person, die ein Smartphone mit eSIM in einer Hand hält und mit der anderen Hand den Bildschirm berührt um eine App zu benutzen, sitzt im Freien in der Nähe eines Metallgeländers.

Verhaltensregeln: So verhaltet ihr euch richtig

Wenn der Wetterbericht ankündigt, dass ein Taifun am nächsten Tag eure Region erreicht, solltet ihr euren Reiseplan sofort anpassen. Es hat absolut keinen Sinn, zu versuchen, das geplante Sightseeing-Programm durchzuziehen. Hier sind die wichtigsten Verhaltensregeln für den Tag des Sturms:

Bleibt drinnen

Die goldene Regel lautet: Bleibt im Gebäude. Moderne Hotels, Hostels und auch traditionelle Ryokans in Japan sind extrem robust gebaut. Sie halten den Windgeschwindigkeiten problemlos stand. Die meisten Verletzungen während eines Taifuns entstehen im Freien durch herumfliegende Trümmerteile, umkippende Schilder oder zerberstende Fensterscheiben.

Rechtzeitig Vorräte sichern

Da Geschäfte und Restaurants schließen, solltet ihr euch am Vorabend des Taifuns im Konbini oder Supermarkt mit ausreichend Essen und Trinken eindecken. Kauft Lebensmittel, die nicht gekocht werden müssen, falls es zu einem seltenen, kurzzeitigen Stromausfall kommt.

  • Onigiri (Reisbälle)
  • Brot und Sandwiches
  • Instant-Nudeln (sofern ihr einen Wasserkocher im Zimmer habt)
  • Ausreichend Wasser (mindestens 2 Liter pro Person)
  • Snacks wie Nüsse oder Kekse

Akkus laden und Wasser sammeln

Sobald der Sturm beginnt, ladet alle eure Geräte (Smartphone, Powerbanks, Kamera-Akkus) zu 100 Prozent auf. Sollte der Strom ausfallen, bleibt ihr so erreichbar und informiert. Ein guter Tipp für ländliche Unterkünfte oder ältere Gebäude: Lasst die Badewanne mit Wasser vollaufen. Sollte die Wasserversorgung kurzzeitig unterbrochen werden, habt ihr so genug Wasser, um die Toilettenspülung manuell zu betreiben.

Haltet Abstand von Fenstern

Wenn der Wind extrem stark wird, schließt die Vorhänge oder Rollläden (falls vorhanden). Sollte ein Gegenstand gegen die Scheibe fliegen und diese zerbrechen, verhindern die Vorhänge, dass Glassplitter weit in den Raum geschleudert werden. Haltet euch im hinteren Teil des Zimmers auf.

Keine Ausflüge an Wasserläufe oder Küsten

Es klingt logisch, aber die Erfahrung zeigt, dass manche Touristen die Naturgewalten unterschätzen und “spektakuläre” Fotos von riesigen Wellen oder reißenden Flüssen machen wollen. Das ist lebensgefährlich. Flussufer können unterspült sein und plötzlich nachgeben, und Küstenwellen ziehen euch gnadenlos ins Meer.

Auf einem Tisch liegen Notvorräte aus, darunter ein Rucksack, Wasserflaschen, Konserven und andere wichtige Dinge - perfekt für Reisende, die einen Sicherheitsleitfaden konsultieren, um sich auf Taifune in Japan vorzubereiten.

© Depositphotos

Evakuierung: Was passiert, wenn ich meine Unterkunft verlassen muss?

In den allermeisten Fällen werdet ihr als Touristen in einem Hotel oder Hostel festsitzen und dort den Sturm sicher aussitzen können. Wenn ihr euch jedoch in einer Airbnb-Wohnung in einer tiefergelegenen Zone, in der Nähe eines Flusses oder an einem steilen Berghang befindet, kann es sein, dass eine Evakuierungsaufforderung für euer Viertel erlassen wird.

In diesem Fall müsst ihr eine öffentliche Notunterkunft (Hinanjo / 避難所) aufsuchen. Diese werden meistens in öffentlichen Schulen, Turnhallen oder Gemeindezentren eingerichtet.

Wie läuft eine Evakuierung ab?

  1. Ruhe bewahren: Packt eure wichtigsten Dokumente (Reisepass, Bargeld, Kreditkarten, Medikamente) und euer Smartphone mitsamt Ladekabel in einen Rucksack. Ihr müsst die Hände frei haben.
  2. Unterkunft sichern: Schaltet alle elektronischen Geräte aus, dreht den Haupthahn für Gas (falls vorhanden) zu und schließt alle Fenster und Türen fest ab.
  3. Den Weg finden: Die Apps Safety Tips (Android | iPhone) oder NERV (Android | iPhone) zeigen euch die nächstgelegene offene Notunterkunft an. Folgt den grünen Schildern mit dem flüchtenden Männchen in einem Haus-Symbol.
  4. In der Unterkunft: Die Unterkünfte sind spartanisch. Ihr bekommt meist eine dünne Matte oder Decke und grundlegende Verpflegung. Das Personal vor Ort und freiwillige Helfer sind extrem gut organisiert, sprechen jedoch oft nur Japanisch. Nutzt Übersetzungs-Apps wie Google Übersetzer oder VoiceTra, um zu kommunizieren. Auch ausländische Touristen werden dort absolut gleichberechtigt und herzlich versorgt.
Ein grünes Schild mit japanischem Text steht an einer ruhigen, regnerischen Straße in der Abenddämmerung in Taifune, Japan. Warmes Fensterlicht leuchtet, ein Verkaufsautomat steht in der Nähe - eine unverzichtbare Szene für jeden Sicherheits-Ratgeber für Reisende.

mit KI generiert

Kulinarischer Trost: Das Phänomen “Taifun-Krokette”

Um dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen, möchte ich euch von einer kuriosen japanischen Internet-Tradition erzählen: den Taifun-Kroketten (Taifu Korokke / 台風コロッケ).

Im Jahr 2001 schrieb ein anonymer Nutzer im populären japanischen Online-Forum 2channel, dass er sich aufgrund des herannahenden Taifuns gerade im Supermarkt mit Kroketten eingedeckt habe, um den Sturm im Zimmer gemütlich zu überstehen. Dieser simple Kommentar ging viral und entwickelte sich zu einem echten Kult.

Heute ist es in Japan Tradition, am Vorabend eines Taifuns in den Supermarkt oder Konbini zu gehen und Korokke (frittierte Kartoffelkroketten, oft mit Fleisch- oder Gemüsefüllung) zu kaufen. Wenn ihr also vor dem Sturm im Laden steht und euch wundert, warum die Kroketten-Regale komplett leergefegt sind, wisst ihr Bescheid. Macht einfach mit, holt euch ein paar der leckeren, knusprigen Snacks und macht es euch im Hotelzimmer gemütlich!

Eine Person, wahrscheinlich ein Reisender, hält ein Stück frittiertes Essen - möglicherweise eine Krokette - in einer braunen Papierhülle mit roten Markierungen. Die Person trägt einen hellblauen Kapuzenpullover.

Nach dem Taifun: Was ihr beachten müsst

Sobald der Taifun vorbeigezogen ist, beruhigt sich das Wetter meistens schlagartig. Oft reißt der Himmel auf, und es folgt ein wunderschöner, extrem sonniger und heißer Tag mit strahlend blauem Himmel. Die Japaner nennen dieses Phänomen Taifu-ikka (台風一過), was so viel bedeutet wie “das Aufklaren nach dem Taifun”.

Auch wenn das Wetter wieder einlädt, sofort nach draußen zu stürmen, solltet ihr einige Punkte beachten:

  • Verkehrschaos einplanen: Die Züge fahren nicht sofort wieder im normalen Takt. Die Strecken müssen erst von Inspektoren auf Schäden, umgestürzte Bäume oder Unterspülungen überprüft werden. Es kommt am Tag danach oft zu erheblichen Verzögerungen und extrem überfüllten Zügen, da Tausende Pendler und Reisende ihre Fahrten nachholen wollen.
  • Wanderwege meiden: Wenn ihr in Regionen wie Hakone, Nikko oder den Japanischen Alpen unterwegs seid, meidet Berg- und Wanderwege für mindestens ein bis zwei Tage nach dem Sturm. Der Boden ist komplett aufgeweicht, weshalb die Gefahr von Erdrutschen oder umstürzenden Bäumen auch ohne Wind noch sehr hoch ist.
  • Flugpläne prüfen: Wenn euer Flug wegen des Sturms gestrichen wurde, wendet euch sofort online oder telefonisch an eure Fluggesellschaft. Fahrt nicht auf gut Glück zum Flughafen, da die Terminals in solchen Situationen völlig überlastet sind.
Ein großer Baum ist über einen Metallzaun gestürzt, hat ihn beschädigt und liegt zwischen abgebrochenen Ästen und grünem Laub - eine Szene, die Reisende während der Taifune in Japan häufig erleben und die die Notwendigkeit eines Sicherheitsleitfadens verdeutlicht.

© Depositphotos

Häufig gestellte Fragen (FAQ): Taifune in Japan – Ein Guide für Touristen

In diesem FAQ-Bereich haben wir die am häufigsten gestellten Fragen von Reisenden zum Thema Taifune in Japan zusammengestellt, um Ihnen eine schnelle und klare Übersicht zu geben.

Wie gefährlich ist ein Taifun in Japan wirklich für mich als Tourist?

Die Gefährdung hängt stark von eurem Verhalten ab. Grundsätzlich ist Japan extrem gut auf Naturkatastrophen vorbereitet, und die Infrastruktur ist sehr robust. Wenn ihr die Warnungen der Behörden ernst nehmt, euch rechtzeitig über die Wetterlage informiert und euch während des Sturms im Inneren aufhaltet, ist das Risiko für eure persönliche Sicherheit gering. Die größten Unannehmlichkeiten für Touristen sind in der Regel Flugausfälle, Zugverspätungen und die Schließung von Sehenswürdigkeiten.

Wann ist die Hauptzeit für Taifune? Muss ich meine Reise im Sommer absagen?

Die Taifun-Saison dauert von Mai bis Oktober, die Hauptphase liegt jedoch im August und September. Ihr müsst eure Reise nicht absagen! Die meisten Stürme erreichen das Festland nicht oder nur in abgeschwächter Form. Es ist jedoch ratsam, in diesen Monaten flexibler zu planen und euch vorab mit den Sicherheitsvorkehrungen vertraut zu machen.

Wie erfahre ich, ob ein Taifun auf meine Region zukommt?

Japan hat ein hervorragendes Frühwarnsystem. Nutzt offizielle Apps wie Safety Tips (speziell für Touristen) oder NERV Disaster Prevention. Diese Apps senden Push-Benachrichtigungen auf Englisch, sobald Warnungen ausgegeben werden. Achtet auch auf Durchsagen in eurer Unterkunft, auf den Bahnhöfen und auf Lauftexte im japanischen Fernsehen (insbesondere auf dem Sender NHK World-Japan).

Was mache ich, wenn mein Flug oder meine Zugverbindung wegen eines Taifuns gestrichen wird?

Geratet nicht in Panik. Dies ist in Japan üblich und ein Zeichen für die Sicherheitsvorkehrungen.

Bei Flügen: Kontaktiert umgehend eure Fluggesellschaft. Oft werdet ihr kostenlos auf den nächsten verfügbaren Flug umgebucht. Fahrt nicht auf gut Glück zum Flughafen, es sei denn, die Airline weist euch dazu an.

Bei Zügen (z.B. Shinkansen): Die Bahngesellschaften kündigen geplante Betriebseinstellungen oft 24 bis 48 Stunden im Voraus an. Überprüft die Websites der Bahngesellschaften oder nutzt Apps wie Japan Travel by NAVITIME. Wenn der Betrieb eingestellt wird, müsst ihr warten, bis er wieder aufgenommen wird. Das Personal an den Bahnhöfen hilft euch weiter.

Muss ich bei einem Taifun meine Unterkunft verlassen und evakuiert werden?

In den allermeisten Fällen müsst ihr als Touristen, die in Hotels oder Ryokans übernachten, nicht evakuiert werden. Diese Gebäude sind sturmsicher. Bleibt einfach auf eurem Zimmer. Eine Evakuierung in eine öffentliche Notunterkunft wird nur dann empfohlen oder angeordnet, wenn akute Gefahr durch Überschwemmungen oder Erdrutsche besteht, beispielsweise in tiefergelegenen Gebieten oder in der Nähe von Flüssen. Die lokalen Behörden und eure Unterkunft werden euch in diesem Fall informieren.

Was sollte ich tun, wenn ich während eines Taifuns in einem Airbnb oder einer kleineren Pension übernachte?

Bei kleineren Unterkünften wie Airbnbs ist es besonders wichtig, dass ihr euch selbstständig informiert. Überprüft, ob es eine Evakuierungsaufforderung für eure Adresse gibt (z.B. über die Safety Tips App). Wenn ja, bereitet euch auf den Weg zur nächstgelegenen Notunterkunft vor (siehe auch in Blogbeitrag). Deckt euch rechtzeitig mit ausreichend Wasser und Lebensmitteln ein, die nicht gekocht werden müssen, und kontaktiert euren Gastgeber für spezifische Anweisungen.

Wo finde ich eine Notunterkunft und was muss ich dorthin mitbringen?

Notunterkünfte (Hinanjo) befinden sich oft in öffentlichen Schulen oder Gemeindezentren. Nutzt die Apps Safety Tips oder NERV, um die nächstgelegene offene Unterkunft zu finden. Achtet auf die grünen Schilder mit dem Symbol einer flüchtenden Person in einem Haus. Packt einen kleinen Rucksack mit:

  • Eurem Reisepass und wichtigen Dokumenten
  • Bargeld und Kreditkarten
  • Euren Medikamenten
  • Eurem Smartphone und einem Ladekabel (und einer vollen Powerbank)
  • Wasser und Snacks

Wann kann ich nach dem Taifun wieder sicher nach draußen gehen?

Geht erst wieder nach draußen, wenn die offiziellen Warnungen aufgehoben wurden und sich das Wetter beruhigt hat. Die Japaner nennen die plötzliche Wetterbesserung nach einem Sturm Taifu-ikka. Beachtet jedoch, dass der öffentliche Verkehr nicht sofort wieder normal läuft und es zu Verspätungen kommen kann. Meidet zudem Wanderwege und Flüsse für mindestens 1-2 Tage, da Erdrutschgefahr besteht.

Gibt es spezielle kulturelle Bräuche, die ich während eines Taifuns beachten sollte?

Ja, ein amüsanter Brauch ist die Tradition der "Taifun-Krokette" (Taifu Korokke). Es ist üblich, sich am Vorabend eines Sturms mit frittierten Kroketten einzudecken, um sie während des Festsitzens zu essen. Macht einfach mit und holt euch diese leckeren Snacks im Konbini oder Supermarkt!

Was ist, wenn ich während des Taifuns medizinische Hilfe benötige?

Wenn es sich um einen medizinischen Notfall handelt, wählt die 119 (Feuerwehr/Ambulanz). Für nicht-lebensbedrohliche medizinische Fragen oder wenn ihr einen Arzt benötigt, der Englisch spricht, wendet euch an die Rezeption eurer Unterkunft oder nutzt die Services der Japan National Tourism Organization (JNTO) über deren Hotline oder Website.

Fazit: Keine Angst vor der Taifun-Saison

Ein Taifun in Japan ist ein beeindruckendes Naturschauspiel, das euren Reiseplan für ein oder zwei Tage durcheinanderwirbeln kann. Es ist jedoch absolut kein Grund, eine Reise im August oder September abzusagen. Wenn ihr die Wettervorhersagen aufmerksam verfolgt, die Warnungen der Behörden ernst nehmt und den stürmischen Tag einfach für eine entspannte Pause im Hotel nutzt, seid ihr absolut sicher.

Packt euch für die Reise eine gute Powerbank ein, installiert die Notfall-Apps und vergesst nicht, euch rechtzeitig mit ein paar Korokke einzudecken. So wird der Taifun zu einer sicheren, wenn auch windigen Anekdote eures Japan-Abenteuers.

Palmen, die sich im starken Wind über den Dächern biegen, raue Meereswellen und ein stürmischer Himmel weisen auf Taifune in Japan hin - eine Szene, in der Reisende von einem Sicherheitsleitfaden für Küstenstürme profitieren würden.

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Kathleen

Hallo! Ich bin Kathleen - das Gesicht hinter "Verliebt in Japan". Nachdem Japan 2022 über Nacht mein Herz erobert hat, schreibe ich hier seit Oktober 2023 über meine eigenen Japan Reisen (inzwischen war ich fünf mal in Japan), Ziele die noch auf meiner Bucket-Liste stehen und natürlich gebe ich Euch auch Reisetipps, Empfehlungen und Schritt-Für-Schritt-Anleitungen an die Hand.

Inzwischen haben sich hier fast 500 Beiträge angesammelt, die Euch hoffentlich dabei helfen, Eure eigene perfekte Japan-Reise zu planen und bei der Planung und vor Ort nicht in Fettnäpfchen tretet.

Anfang 2024 wurde mir zudem die Ehre zuteil, zum "Hiroshima Tourism Abassador" ernannt zu werden. Für mich eine ganz besondere Ehre, denn Hiroshima liegt mir besonders am Herzen.

Wenn ich nicht gerade für Euch Informationen über Reisen nach Japan zusammenstelle, plane ich meine eigene nächste Japanreise.

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